Rehberg: Schanzer kommen mit Adrenalinwellen in den Adern

Neu in der Bundesliga: das Team des FC Ingolstadt. Foto: dpa

Christian Heidel hat den FC Ingolstadt mal in die Nähe der Werks- und Mäzenatenklubs Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim und Leipzig gerückt. Damit hat der Mainzer Manager paar...

Anzeige

. Vor vielen Wochen hatte Christian Heidel den FC Ingolstadt mal in die Nähe der Werks- und Mäzenatenklubs VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim und RB Leipzig gerückt. Diese Meinung hat der 05-Manager danach bei diversen öffentlichen Auftritten stark relativiert, teilweise sogar wieder komplett zurückgenommen.

Ohne den XXL-Partner Audi, der als Hauptsponsor dem Klubvorsitzenden Peter Jackwerth das Stadion abgekauft und obendrein mit aufwendigen Baumaßnahmen die Trainingsinfrastruktur ganz neu aufgestellt hat (dafür zahlt die Fußball GmbH allerdings eine stattliche Nutzungsmiete), würden die Ingolstädter an diesem Samstag wahrscheinlich nicht das erste Bundesligaspiel bestreiten in ihrer kurzen Klubgeschichte. Aber Heidel hat längst eingeräumt: Auf der Basis von gewaltigen Geldströmen aus dem Volkswagen-Konzern hat sich der Mainzer Startgegner nicht in die Erste Liga gehievt, der Klub hat diesen riesigen Erfolg mit einem recht bescheidenen Etat und mit einem sehr normalen Zweitligakader bewerkstelligt. Und in der Coface Arena wird der Aufsteiger aus der Autostadt wohl auch nur mit einem einzigen Neuzugang antreten, das ist der für schmale 500.000 Euro Ablöse von Austria Wien verpflichtete Linksverteidiger Markus Suttner (28).

Heidel weckt Emotionen beim Gegner

Ein paar Emotionen hat Heidel mit dieser Diskussion allerdings schon geweckt beim Gegner. „Die Mainzer haben sich mit hervorragenden Spielern verstärkt und sie sind uns als etablierter Bundesligist sicher voraus“, hat FC-Trainer Ralph Hasenhüttl am Donnerstag in einem Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ bekundet. „Umso mehr hat es mich überrascht, dass wir von Mainzer Seite als Bedrohung für die Bundesliga bezeichnet worden sind.“ Da steckt also schon Zündstoff drin in diesem Auftaktspiel. Die Ingolstädter haben sich angegriffen gefühlt, Heidels neue Sichtweise ist offenbar überhört worden. Mag aber auch sein, dass der Ingolstädter Trainer mit seiner Replik nur eine Motivationsspitze setzen wollte für sein Team, das in Mainz natürlich als Außenseiter an den Start geht.

Anzeige

Schauen wir auf das jüngste Pokal-Wochenende. Die Ingolstädter sind in der ersten Runde bei einem blutjung aufgestellten Viertligisten ausgeschieden, 0:2 in Unterhaching. Eine ganz schlechte Leistung. Die 05er haben sich nahezu problemlos mit 3:0 beim Drittliga-Spitzenreiter Energie Cottbus durchgesetzt. Eine sehr ordentliche Leistung. Was das zu sagen hat? Gar nichts.

Adrenalinwellen in den Adern

Hasenhüttl wird mit seiner Mannschaft nicht vom Finale in Berlin geträumt haben. Und dieser Pokal-Auftritt hat den Ingolstädtern noch mal eindringlich vor Augen geführt, wie es überhaupt nicht geht. Die Mannschaft wird nun mit Adrenalinwellen in den Adern danach trachten, in Mainz wieder jene Spielweise aufleben zu lassen, gegen die in der Vorsaison nahezu alle Zweitligisten keine Antwort gefunden haben: Laufbereitschaft bis die Socken qualmen, Angriffspressing, Mittelfeldpressing, Gegenpressing, schnörkelloses, sehr direktes Tempospiel in der offensiven Umschaltung - und dazu kommen kreuzgefährliche Standards (50 Prozent der Zweitligatore erzielte das Team nach Ecken und Freistößen).

Das ist unangenehm. Darauf muss man sich einstellen. Da kommt Arbeit zu auf die 05er. Die einen nicht unähnlichen Ansatz pflegen. Da wird es darum gehen, wer mehr Überzeugung auf den Platz bringt. Und noch mehr Bereitschaft, direkt zum Start all das rauszufeuern, was nach einer langen Vorbereitungszeit drinsteckt in der Mannschaft. Die Stimmung in der Coface Arena wird die 05er beflügeln. Aber natürlich freuen sich auch die Ingolstädter auf ihr erstes atmosphärisch dichtes Bundesligaerlebnis, das weckt den Widerstandsgeist.

Mit Erfahrung gegen emotional glühenden Aufsteiger punkten

Anzeige

Erfahrung kann dann eine Rolle spielen. Wenn die 05er physisch, taktisch und spielerisch nahe an ihr aktuelles Leistungsniveau herankommen. Wenn diese Qualität den Gegner beeindruckt, dann wird die sehr gut vorbereitete Elf von Martin Schmidt aufzeigen können, dass die siebte Bundesligasaison hintereinander vielen dieser Spieler Selbstvertrauen, Cleverness, Matcherfahrung vermittelt hat. In einer engen Spielentwicklung kann das am Ende den Ausschlag geben gegen einen emotional glühenden Aufsteiger.

Der Ingolstädter Keeper Ramazan Özcan (31) hat mal ein paar Erstligaspiele bestritten für die TSG Hoffenheim, Rechtsverteidiger Tobias Levels (28) und Stürmer Mathew Leckie (24) haben einst in Mönchengladbach Bundesligaspiele erlebt, Standardkönig Pascal Groß (24) hatte mal fünf Einsätze beim Karlsruher SC. Mittelstürmer Elias Kachunga (23), der Neuzugang, der im Vorjahr im Trikot des Aufsteigers SC Paderborn im ersten Saisonspiel gegen die 05er getroffen hatte beim 2:2 in Westfalen, zählt noch nicht zur Ingolstädter Startelf. Wie auch immer, mit dem Bundesliga-Hintergrund der 05er ist das nicht vergleichbar.

Um diesen Unterschied aufzuzeigen, dafür braucht es aber auf Mainzer Seite leidenschaftliche Maloche, Durchsetzungswillen, Wucht und Tempo. Dafür steht Martin Schmidt. Und dafür steht diese eingespielte, auf energiegeladene Balljagd und effiziente Umschaltüberfälle getrimmte 05-Elf.