Rehberg: "Rumble in the Jungle" beim Hamburger SV

Hamburgs Gotoku Sakai (l) foult den Mainzer Giulio Donati. Foto: dpa

Abstiegskampf in Form eines "Rumble in the Jungle": Das 0:0 der 05er am Sonntagnachmittag in Hamburg hatte Züge von einem großen Kampf im Dschungel. In diesem Fall war das...

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. Das war „Rumble in the Jungle“. Frei übersetzt: Schlägerei im Dschungel. Unter dieser Überschrift firmierte mal auf afrikanischem Boden einer der berühmtesten Boxkämpfe von Muhammad Ali. Das 0:0 der 05er am Sonntagnachmittag in Hamburg hatte Züge von einem großen Kampf im Dschungel; in diesem Fall war das eine beinharte Auseinandersetzung auf von beiden Seiten extrem verengten, konsequent zugestellten, kompromisslos verteidigten Räumen.

Überragende Abwehrleistung der 05er

Eine Prognose hat sich bewahrheitet: Der HSV kann nicht gewinnen, wenn die Mainzer eine Topleistung abrufen. Die von Leidenschaft beseelte Mannschaft von Martin Schmidt hat zumindest eine überragende Abwehrleistung gezeigt. Was dazu geführt hat, dass die Gastgeber vor ihrem stimmgewaltigen Publikum nicht eine einzige ernsthafte Torchance hatten. 05-Keeper Jannick Huth musste nicht einen einzigen schweren Ball parieren.

Wenn es einen Mann gab auf dem Feld, der den 05ern den 3-Punkte-Erfolg verbaut hat, dann war das Christian Mathenia. Der gebürtige Mainzer, einst die Nummer 1 im Kasten der 05-U23 – Huth war die Nummer 2 -, hielt den Hamburgern den einen Zähler fest. In zwei markanten Szenen. In der 6. Minute war der HSV-Torhüter mit der rechten Hand sehr schnell am Boden, als er einen Schuss von Jhon Cordoba von der Torlinie kratzte. Den Abpraller hätte Yoshinori Muto ins Netz hebeln können, doch der Japaner traf einen knappen Meter vor dem Kasten nur die noch ausgestreckten Hände von Mathenia. Eine Riesenchance. Und in der 40. Minute war Mathenia ähnlich schnell am Boden, diesmal lenkte er einen flachen Schrägschuss von Cordoba mit seiner linken Blitzhand zur Ecke. Beim Versuch von Jairo aus relativ spitzem Winkel in der 78. Minute zeigte der Mann aus der Torwartschule von Stephan Kuhnert noch eine nette Flugparade, doch diesen Ball musste ein guter Keeper halten.

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05er hatten zwei Siegchancen, der HSV hatte keine

Unterm Strich halten wir fest: Die 05er hatten zwei Siegchancen, der HSV hatte keine. Abgesehen von einer Elfmeterdiskussion, als Giulio Donati im Strafraum mit dem Ellenbogen vor dem Gesicht einen Volleyschuss aus nächster Nähe blockte. Wahrscheinlich gibt es den ein oder anderen Schiedsrichter, der da auf den Punkt gedeutet hätte. Ein Skandal war die Entscheidung von Daniel Siebert (Berlin), die Aktion zu ignorieren, definitiv nicht.

Die 05er haben sich in Hamburg bewiesen, dass sie auch sehr aggressiv auftreten, dass sie überall auf dem Feld Zweikämpfe führen und gewinnen können. Nach einer tempogeladenen und von beiden Team noch recht konstruktiv gestalteten ersten Viertelstunde artete das „Nervenspiel“ in eine reine Lauf- und Raufveranstaltung aus. Risikovermeidung. Ein einziger wilder Verdrängungskampf in den Mittelfeldräumen. Kaum Aufbauspiel, serienweise lange und hohe Schläge. Hin und her. Stratosphären-Pingpong.

Einen Tick spielerischer versuchten es die 05er. Doch wenn sich mal ein Mittelfeldspieler aufgedreht hatte mit der Kugel am Fuß, dann antworteten die nicht minder kämpferischen Hamburger mit unzähligen robusten Körperattacken und geschickten kleinen Fouls. In diesem Dschungel blieben nahezu alle Konterversuche der 05er hängen. Beide Strafräume: Hochsicherheitstrakte, umgeben von dichten und hohen Zäunen.

Bell und Balogun standen wie eine Wand

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Die Luftschläge des HSV und auch die zweiten Bälle verteidigte die Mainzer Abwehrreihe stoisch, hoch konzentriert und überwiegend technisch sauber. Die Innenverteidiger Stefan Bell und Leon Balogun standen wie eine Wand. Davor verdichteten die Streetfighter Danny Latza und Jean-Philippe Gbamin das Zentrum. An den Seitenplanken hatten Donati und Daniel Brosinski - mit Unterstützung der Kilometer fressenden Außenläufer Levin Öztunali und Pablo de Blasis - alles unter Kontrolle. Die Höhepunkte waren die Duelle zwischen den wie angestochen aufeinander losgehenden Jhon Cordoba und Kyriakos Papadopoulos. Der Kolumbianer hatte leichte Vorteile mit seiner Schnelligkeit - wenn er den knüppelharten Griechen-Stopper auf die linke Außenbahn gelockt bekam.

Die 05er können mit diesem Remis in diesem Moment gut leben. Vier Punkte Vorsprung vor dem FC Ingolstadt bedeuten, dass der Konkurrent, will er den direkten Abstieg gegen die Mainzer vermeiden, beide Abschlussspiele gewinnen muss – und die 05er dürften aus ihren beiden letzten Spiele nur noch einen Punkt schnappen. Der Kampf um den Relegationsrang kann am vorletzten Spieltag nur dann entschieden werden, wenn die 05er das Heimderby gegen die Eintracht gewinnen - und der punktgleiche HSV mit seiner deutlich schlechteren Tordifferenz auf Schalke verliert.