Rehberg: Riskante Transfers im Winter

Kevin Vogt wechselt von der TSG Hoffenheim zu Werder Bremen.  Foto: dpa

Nur noch wenige Tage und der Wettkampfbetrieb der Bundesliga geht wieder los. Dann kommen auch die Wintertransfers zum Einsatz. Wieso gerade Transfers im Winter ein unwägbares...

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. Werden Wintertransfers die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga-Rückrunde verändern? Prognose: Nein. Weil die Zeit für die Integration eines als Verstärkung eingeplanten neuen Spielers viel zu kurz ist in dieser Winterpause. Ein paar Tage Trainingslager. Zwei, drei Testspiele mit gemischten Aufstellungen. Und schon geht der Wettkampfbetrieb wieder los. Da hat ein neuer Spieler noch nicht mal sämtliche Vor- und Spitznamen seiner Kollegen auf der Festplatte. Von tieferen Einblicken in die am neuen Standort gelebten spielerischen und taktischen Abläufe ganz zu schweigen.

Was funktionieren kann, das ist ein Wechsel wie der von Kevin Vogt von der TSG Hoffenheim zu Werder Bremen. Die Bremer haben in ihrer abstiegsbedrohten Mannschaft eine eklatante Schwäche in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld erkannt. Vogt, 28 Jahre alt, sehr erfahren, ausgesprochen selbstbewusst, führungs- und meinungsstark, kann beide Positionen spielen. Doch auch da steckt der Teufel im Detail. In Hoffenheim ist der Trainer der Meinung gewesen, der viel gestikulierende Routinier wolle sich nur noch in einer Art Libero-Rolle ausruhen; Lauf- und Zweikampfarbeit überlasse der Abwehrchef inzwischen gerne den Nebenleuten. Ab auf die Ersatzbank.

Und jetzt der Blitztransfer nach Bremen. In welcher mentalen Verfassung schlägt Vogt dort auf? Schwer zu beurteilen. Die Tempodefizite von Werder kann er nicht beheben, der nicht sonderlich dynamische Vogt lebt von seinem exzellenten Stellungsspiel. Ob er physisch noch mal aggressiver wird, das weiß auch niemand. Ob Trainer Florian Kohfeldt gewillt ist, sein System abzustellen auf die speziellen Fähigkeiten des Neuen als freier Mann zwischen oder vor zwei Innenverteidigern, das ist auch noch unklar.

Spannendes Projekt Haaland

Rund um Borussia Dortmund wird gerade sehr viel vom Glückskauf Erling Haaland geschrieben. Der Junge ist 19 Jahre alt. Der Norweger hat ein paar Tore geschossen bei RB Salzburg. Schießt ein gehypter Entwicklungsspieler den BVB zum Titel? Haaland ist ein groß gewachsener, schneller, torgefährlicher Mittelstürmer. Bekannt ist aber auch, dass Lucien Favre kein Anhänger des klassischen Strafraumstürmers ist. Der BVB-Coach liebt das Spiel mit dem hängenden Neuner, der sich am Kombinationsspiel beteiligt, der im offensiven Umschaltspiel auch auf die Flügel ausbricht, der dribbeln kann und unberechenbar ist in der Raumauswahl. Im Sommer hatte Favre aufbegehrt gegen den Kauf eines Mittelstürmerhünen.

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Jetzt haben Klubchef Hans-Joachim Watzke und Manager Michael Zorc, die die großen Erfolge der Dortmunder verbinden mit klassischen Torjägern wie Karl-Heinz Riedle, Stéphane Chapuisat, Marcio Amaroso, Lucas Barrios oder Robert Lewandowski, ihrem eigenwilligen Trainer eine Aufgabe gestellt: Finde ein System, in dem ein fürstlich dotierter 19-jähriger Stoßstürmer und Bundesliga-Neuling für mehr Abschlusseffizienz sorgt als Marco Reus, Julian Brandt und Jadon Sancho. Spannend.

RB Leipzig geht in der Wintertransferzeit einen anderen Weg. Der Klub lässt seine systemsichere Mittelfeld-Pressingmaschine Diego Demme nach Neapel ziehen. Erstaunlich. Als Geschäft ist das nachvollziehbar. Demme kam mal zu Regionalligazeiten für 350000 Euro aus Paderborn, nun geht er im Alter von 28 Jahren für 12 Millionen Euro nach Italien. Auf Geld sind sie in Leipzig allerdings überhaupt nicht angewiesen. Mag sein, dass Julian Nagelsmann eh auf den im Sommer aus Salzburg geholten Amadou Haidara setzen wollte. Der 21-Jährige aus Mali ist fußballerisch zweifellos stärker als Demme. Nicht auszuschließen, dass Demmes Pressingwucht die gehaltvollere Komponente war im RB-Umschaltspiel.

Wir erkennen: Transfers im Winter sind bis auf wenige Ausnahmen unwägbare Risikoaktivitäten.