Rehberg: Ribéry und der Shitstorm

Screenshot aus dem Skandal-Video, das Franck Ribéry auf Instagram gepostet hatte, rechts neben ihm Koch Salt Bae.  Foto: Instagram / Franck Ribéry - Screenshot: VRM

War was? Irgendwas mit einem teuren Steak. Und weil Bayern Münchens Franck Ribéry unflätig auf die Hasser reagiert hat, soll er nie mehr für die Münchner auflaufen? Haltet...

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. Die Story um Franck Ribéry hatte ich zunächst gar nicht mitbekommen. Irgendetwas mit einem teuren Steak, hatte mir ein Freund am Telefon erzählt. Kann nicht so wild sein, habe ich mir gedacht. Dann habe ich nachgeschaut. Der erste journalistische Aufsatz, den ich im Internet gelesen habe: Ribéry sollte nie wieder für den FC Bayern auflaufen, er sollte noch im Winter verkauft werden… Warum? Weil er seiner Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche übelst missachtet habe – und das schade auch dem Ansehen seines Klubs.

Meine Güte. Da hat ein aufgeregter Moralapostel sofort das Maschinengewehr abgefeuert. Schaut man sich das „Skandal-Video“ an, dann muss man ja eher laut lachen. Das wirkt wie eine Slapstick-Szene aus einem drittklassigen Ulk-Filmchen mit Star-Besetzung. Da zerlegt der muskelbepackte Restaurant-Chef Salt Bae mit großer Gestik die gegrillte oder gebratene Edelhüfte eines Rindes. Und der Profistar streut Salz auf sein Steak, das wohl mit Goldstaub verziert war. Diese Art von Fleischgüte und Fleischzubereitung soll in dieser Gastwirtschaft 800 bis 1200 Euro kosten. Ribéry war einer Einladung gefolgt.

Dann kam der Shitstorm. Die Hasser in den Internetkanälen sind da gnadenlos. Und selbstgerecht bis zum Anschlag. Als ob es dieses Filmchen gebraucht hätte, um zu erfahren, dass es Lokale gibt, in denen das Futter sündhaft teuer ist und dass es Menschen gibt, die sich das leisten können. Die international begehrten Profifußballer verdienen zwischen 10 und 20 Millionen Euro im Jahr. Sie können sich Villen leisten für 10 Millionen, Autos für 600.000, Uhren für 100.000 – und auch ein Essen für 1000 Euro. Irgendwo muss die Kohle ja hin. Das wussten die Hasser doch sicher auch schon vorher.

Dann hat Ribéry zurückgeschlagen. Posts in der Gossensprache. Klar, unterste Schublade. Der Mann kommt von der Straße. Und genauso wird dort geredet. Diese Sprache hört man heute täglich im Radio - in vielen Songs von Rappern und Pseudo-Rappern. Ribéry hat gemeint, er muss sich verteidigen. Emotional aufgewühlt ist er authentisch geblieben. Seine Botschaft: „Fick Dich!“

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Toll ist das nicht

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Toll ist das nicht. Und wer in der Öffentlichkeit steht, der sollte einen kurzen Moment nachdenken, bevor er sich in Protz-Szenen einbinden lässt und anschließend bei öffentlichen Verlautbarungen in den Gassenjargon verfällt. Aber man könnte ja auch mal sagen: Da ist jemand beleidigt worden – und dann hat er zurückbeleidigt. Klug ist das nicht. Aber menschlich nachvollziehbar.

Vorbildfunktion verletzt? Bitte nicht. Welchem Vater oder welcher Mutter wollte man raten, seinem Kind einen Ribéry oder andere Weltstars dieser Branche als Vorbild an die Wand zu malen? Kind, dein Ziel muss es ein, mit 20 Millionär zu sein, große und schicke Häuser zu kaufen, flotte Sportwagen zu fahren, goldene Uhren ans Handgelenk zu binden und sündhaft teure Klamotten zu tragen, also Statussymbole zu pflegen und zu zeigen!?

Lasst Ribéry in Ruhe weiter Fußball spielen. Das ist ein Gassenkind und ein Gassenkicker. Bezogen auf den Fußball gibt es nicht mehr viele Exemplare, die derart lustbetont ihre herausragenden Fähigkeiten auf den Platz feuern. Die gelegentlichen Ausraster im Privatleben werden unsere Jugend nicht verderben.

Hier das Video von Franck Ribéry auf Instagram:

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