Rehberg: Panikkäufe bei 05? Unfug!

05-Manager Christian Heidel (links) und 05-Trainer Kaspar Hjulmand. Foto: dpa

Die Behauptung, Christian Heidel habe kurz vor Schluss noch fünf Panikkäufe getätigt, ist nicht mehr als unterhaltsamer Unfug. Negativ ist, dass die 05er mit einem in der...

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. Die Reaktionen auf die substanziellen Kaderveränderungen beim FSV Mainz 05 kurz vor Toresschluss sind sehr unterschiedlich. Teilweise auch sehr amüsant. Von Einkaufswut, von Panikeinkäufen ist da die Rede. Oder es wird in launigen TV-Einspielern genüsslich kommentiert, Christian Heidel habe sich beim Last-minute-Shopping auf den Wühltischen im Sommerschlussverkauf bedient. In den Winter transportiert hieße das, der 05-Manager klappert an Heilig Abend gegen 19 Uhr hektisch die wenigen offenen Tankstellenshops in der Stadt ab, weil er noch eilig ein paar Billiggeschenke für seinen Trainer besorgen muss.

Unterhaltsamer Unfug. Die Medaille hat natürlich zwei Seiten. Ungut ist, dass diese Mannschaft mit einer unterbesetzten Offensivabteilung bereits aus zwei Wettbewerben ausgeschieden ist - und zwei Punkte gegen zwei überschaubar starke Gegner in der Bundesliga sind auch nicht der Hit. Ob es auf dem Transfermarkt zwischen Mai und Juli taugliche Optionen gab, den Kader früher zu komplettieren, das lässt sich fachlich nicht seriös beurteilen: Wir kennen die Angebotslisten mit den entsprechenden Ablöse- und Gehaltszahlen nicht, die da so stündlich auf dem Managercomputer einlaufen.

Zusätzliche Aufgabe im Bereich des Teambuildings

Günstig ist es definitiv nicht, wenn zwei Drittel der Transferaktivitäten erst zwei Wochen vor dem dritten Spieltag abgeschlossen werden. Die sozialen und sportlichen Eingliederungs- und Anpassungsprozesse werden je nach Einzelfall weitere Wochen in Anspruch nehmen. Dass von den fünf Späteinsteigern drei Spieler deutsch als Muttersprache beherrschen, ist von Vorteil.

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Dennoch: Fünf neue Spieler, die in der Sommervorbereitung nicht dabei waren, stellen dem Trainer eine zusätzliche Aufgabe im Bereich des Teambuildings. Neuer Konkurrenzdruck ist sportlich förderlich, die Atmosphäre im Kader ist aber auch nicht unwichtig. Denn da werden unter Umständen alt bewährte Hierarchien aufgebrochen. Dass im Kader nun mit Filip Djuricic, Philipp Wollscheid, Jonas Hofmann und Sami Allagui vier Leihprofis stehen (die ersten drei auch noch ohne Kaufoption), das ist nicht ideal, sollte aber in dieser Saison keine bedeutsame Rolle spielen.

Qualitativ haben die 05er den Kader an den notwendigen Stellen ergänzt, auch verstärkt. Denn auf den offensiven Außenbahnen klafften unübersehbare Lücken. Jetzt hat Kasper Hjulmand Optionen für sämtliche Systeme und Spielweisen. Tatsache ist: Von den Wühltischen aus dem Sommerschlussverkauf kamen diese Leute nicht.

Hervorragender Ersatz für Noveski

Der Reihe nach. Philipp Wollscheid ist ein hervorragender Ersatz für den länger ausfallenden Abwehrchef Nikole Noveski. Der 25-Jährige ist ein bodenständiger Saarländer, der ob seiner nationalen und internationalen Einsätze bei Bayer Leverkusen nicht den Star raushängen lässt. Der Vater hat den 1,94 Meter lange Stopper von Kindesbeinen an im heimischen Garten das Spiel mit beiden Füßen gelehrt, der zweimalige Nationalspieler gilt neben seiner Zweikampfstärke (insbesondere in der Luft) auch als passsicherer Spieleröffner, egal ob als rechter oder linker Innenverteidiger.

Zwei kleine Nebengeschichten. Seinen ersten DFB-Einsatz hatte Wollscheid, der Einser-Abiturient mit Vorlieben für Mathematik und Physik, bei jener Länderspielreise im Sommer 2013 in die USA, als viele Stammspieler verhindert waren. Gegen Ecuador in Boca Raton wurde er in der 90. Minute eingewechselt für Lars Bender - 60 Sekunden zuvor hatte der damalige 05er Nicolai Müller sein Debüt gegeben als Einwechsler für Lukas Podolski.

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Die Zusammenhänge mit Racing Santander

Und warum ist Wollscheid nicht in Leverkusen geblieben? Weil dort Emir Spahic eingeschlagen hat. Der Bosnier kam vom FC Sevilla. Nein, mit Jairo hat Spahic in Andalusien nicht mehr zusammengespielt. Aber: Jairo hat sein erstes Tor als Jungprofi bei Racing Santander geschossen am zehnten Spieltag der Saison 2011/12 - im Spiel gegen den FC Sevilla und dessen damaligen Abwehrchef Spahic. 2012/13 wechselte Jairo nach Sevilla, sein erstes Tor für den neuen Klub schoss der Rechtsaußen im Spiel gegen: Racing Santander. Gegen diesen Klub hat Wollscheid 2013/14 in der Champions League gespielt, da hieß sein Gegenspieler Haris Seferovic - den Schweizer WM-Spieler trifft der neue 05-Stopper demnächst wieder als Mittelstürmer der Frankfurter Eintracht.

Bleiben wir bei Jairo, dem schnellen Spanier. Der SC Freiburg scheiterte in der vergangenen Saison in der Europaliga am späteren Cupsieger FC Sevilla (0:2 und 0:2). In beiden Spielen bereitete Jairo jeweils ein Tor vor, mit glänzenden Sprints und Tempodribblings in die Tiefe. Dieses Profil hat den 05ern definitiv gefehlt seit den Abgängen von Maxim Choupo-Moting und Nicolai Müller.

Hofmann: Flink, technisch stark, spielintelligent

Jonas Hofmann sollte zügig integrierbar sein. Der 22-Jährige, der in der U17 der TSG Hoffenheim und in der U23 von Borussia Dortmund im Training angeleitet worden ist vom ehemaligen 05-Zweitligastürmer David Wagner, mag nicht der klassische Flügelflitzer sein. Aber er ist ein flinker, technisch starker und spielintelligenter Offensivmann, der auch im Mittelfeld als Achter oder Zehner Wirkung erzielen kann. Hofmann ist 2013/14 von Jürgen Klopp in der Champions League eingewechselt worden in Neapel, zweimal gegen Olympique Marseille, zweimal gegen Arsenal London, zweimal gegen Zenit St. Petersburg und einmal im Bernabeu-Stadion gegen Real Madrid. Das stählt. Sein Bundesligadebüt feierte er im Dezember 2012 in Hoffenheim, eingewechselt für den heutigen WM-Helden Mario Götze. Sein erstes Tor schoss Hofmann in der Vorsaison am zweiten Spieltag gegen den Trainer Torsten Lieberknecht: Eingewechselt gegen Eintracht Braunschweig in der 68. Minute, Treffer zum 1:0 nur sieben Minuten später.

Über den gerade mal 1,65 Meter großen Pablo de Blasis müssen wir nicht viel erzählen, dessen Sprints im Trikot von Asteras Tripolis haben die 05-Anhänger noch in Erinnerung. Das gilt auch für Sami Allagui, dessen Torgefährlichkeit als zweite Spitze oder als Rechtsaußen bekannt ist am Bruchweg.