Rehberg: Noveski und die Vorzüge einer bodenständigen Karriere

Nikolce Noveski. Archivfoto: dpa

Nikolce Noveski. Einer der Großen beim FSV Mainz 05. Langjähriger Kapitän, 348 Pflichtspiele in elf Jahren. Ein Denkmal. Noveski ist in Mainz glücklich geworden - und wird...

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. Warum lohnt es sich gerade in diesen Zeiten, an Nikolce Noveski zu erinnern? Der Anlass ist das Abschiedsspiel für die 05-Legende an diesem Samstag. Niemals in der Klubgeschichte gab es eine derart hochkarätige, mit großen Emotionen verbundene Veranstaltung zu Ehren eines ehemaligen Topspielers. Auf der anderen Seite ist die Karriere des Mazedoniers inmitten des aktuellen Transfer-Wahnsinns auch ein Beispiel für jene Bodenständigkeit, die man heute vermisst bei vielen Profispielern und deren Beratern.

Vorgänge, wie sie gerade abgelaufen sind oder noch ablaufen rund um Ousmane Dembélé, Coutinho, Benedikt Höwedes oder auch dem Mainzer Jairo, das können wir festhalten, ohne die Moraltaste überzustrapazieren, wären Noveski peinlich gewesen. Als dem Modellathlet auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn lukrative Angebote auf den Tisch kamen, da hatte der Schweiger aus Mazedonien Mühe, sich zu entscheiden. In die Premier League hätte der eisenharte Innenverteidiger wechseln können. Ablösefrei. Sein Gehalt hätte er wahrscheinlich mindestens mal verdoppelt mit diesem Schritt. Sein Berater, aber auch der damalige 05-Chefcoach Jürgen Klopp verzweifelten schier an der Entschlussschwäche des grüblerisch veranlagten Spielers.

König der Zweikampfkunst

Noveski blieb am Bruchweg. Dort war er eine anerkannte Größe, Stammspieler, Leistungsträger, Führungsfigur, die Zuschauer liebten ihn, die deutsche Sprache beherrschte er längst perfekt - englisch hätte er neu lernen müssen. Und die Möglichkeit, in der Blüte seiner sportlichen Jahre in England eventuell auf der Bank sitzen zu müssen, schreckte den König der Zweikampfkunst ab. Das klingt jetzt nach Kitsch und Nostalgie, aber in diesem Fall ist da etwas dran. Noveski wusste und spürte: Geld ist nicht alles im Leben. Vor allem dann nicht, wenn der Verbleib am alten Arbeitsplatz ebenfalls ein Leben signalisiert fernab aller existenziellen Sorgen.

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Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass ein Profi, der sich für das lukrativere Angebot entscheidet, moralisch zu tadeln wäre. Wer mit einer einzigen Unterschrift sein komplettes Leben wirtschaftlich abgesichert hat, der tut nichts Unvernünftiges. Doch die sportliche Zufriedenheit folgt zuweilen anderen Pfaden. Noveski ist in Mainz glücklich geworden. Kapitän. 348 Pflichtspiele in elf Jahren. Ein Denkmal. Kann das zum Beispiel ein Julian Baumgartlinger von sich auch behaupten seit seinem Wechsel nach Leverkusen? Der Österreicher, der in Mainz eine geachtete Nummer war, ist unterm Bayer-Kreuz nie mehr gewesen als das fünfte Rad am Wagen. Und daran wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr viel ändern. Sportliche Zufriedenheit fühlt sich sicher anders an. Johannes Geis mag es da beim FC Schalke 04 nicht anders gehen. Ganz zu schweigen von Jan Kirchhoff, der Mann mit dem fragilen Körper, der seit seiner Unterschrift beim FC Bayern im Sommer 2013 auf einem gut gefüllten Konto sitzt, seitdem aber nur noch sporadisch Fußball gespielt hat und aktuell keinen interessanten Klub mehr findet. Im Alter von 26 Jahren.

Fußballer leben von Erfolgen auf dem Platz

Fußballer leben von Anerkennung, in einer Mannschaft, in einer Kadergemeinschaft, beim Trainer, in der Öffentlichkeit. Fußballer leben von Erfolgen auf dem Platz, nicht neben dem Platz. Das ist ein Wert, den sehr viel Geld statt „nur“ viel Geld in vielen Fällen nicht ersetzen kann. Da gibt es große Klubs, die kaufen junge Spieler wie am Fließband und verleihen diese einstigen Toptalente dann über Jahre in aller Herren Länder. Das sind Spieler, die nie zur Ruhe kommen, die nie sesshaft werden, die selten die Anerkennung bekommen, nach der sie sich sehnen. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass die aufnehmenden Vereine nicht in der Lage sind, nach Ende der Leihzeit die geforderten Millionen-Ablösesummen zu zahlen. Einer kontinuierlichen Leistungsentwicklung ist das überhaupt nicht zuträglich.

Nikolce Noveski ist all das erspart geblieben. An diesem Samstag kann der 38-Jährige im Kreis von alten Weggefährten sein Abschiedsspiel genießen. Nach einer erfüllten, ausgesprochen bodenständig angelegten Karriere.