Rehberg: Nach einem Erfolgserlebnis in Paderborn kann Hjulmand...

Kasper Hjulmand - in Paderborn geht es auch um das Vertrauen in seine Arbeit. Foto: Harald Kaster

Vor seiner Bundesliga-Premiere hat Mainz-05-Trainer Kasper Hjulmand bereits Druck. Er braucht nicht nur eine ansprechende Leistung, sondern auch ein erfolgreiches Ergebnis. Doch...

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. Was ist dem FSV Mainz 05 zuzutrauen in dieser Bundesligasaison? Das Ergebnisziel ist seit Jahren bekannt und wird sich auch nie ändern: Klassenverbleib, eine weitere Spielzeit sichern in der deutschen Eliteliga. Das emotionale Ziel: Erlebnisintensive Heimspiele, die Gegner sollen die Atmosphäre in der Coface Arena loben, aber die fußballerische Qualität und die Leidenschaft des Gastgebers fürchten. Über allem aber stehen die Handlungsziele, und da geht es darum, dass die 05er konstant ein extrem unangenehmer Gegner sind, der nur schwer zu schlagen ist. Und damit wären wir bei Kasper Hjulmand.

Die Anpassungsprobleme des neuen 05-Trainers sind erkennbar. Auch das hat den Klub in der Startphase aus zwei (lukrativen) Wettbewerben katapultiert. Die Bundesliga ist brutal, die Punkterunde bietet keine Chance für eine längere Entwicklungszeit. Wer nach vier, fünf, sechs Spieltagen hinten liegt, der hat von jeher ein Problem. Eine Ergebnisflaute verursacht schlechte Stimmung in der Stadt, im Kader, im Klub. Bei den Spielern sinkt das Selbstvertrauen, dann ist schnell mehr von Kopfproblemen die Rede, denn von fußballerischer Qualität. Und natürlich gerät dann der Trainer in der Diskussion. In diesen Drucksituationen kann sich eine Mannschaft, die neue spielerische und taktische Ideen zu verarbeiten hat, nicht mehr mit der nötigen Ruhe entwickeln.

Bedeutsamster Saisonstart der letzten Jahre

Darum geht es für die 05er zum Auftakt in Paderborn. Leistung und Ergebnis haben Einfluss darauf, ob die Mannschaft Vertrauen gewinnt zum Trainer - und ob der Trainer Vertrauen gewinnt in seine Aufbauarbeit und in seine Mannschaft. Selten war das Startspiel bedeutsamer als in dieser Situation mit einem neuen Vordenker. Wir erinnern uns an jenes 2:2 des jungen Thomas Tuchel bei seinem Erstligadebüt im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Leistung und Ergebnis sorgten für Stabilität, sorgten für ein Anfangsvertrauen in die damals mutige Entscheidung von Manager Christian Heidel, vier Tage vor Rundenbeginn den Aufstiegstrainer Jörn Andersen zu beurlauben und den U19-Trainer auf den Chefsessel zu hieven.

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Hjulmand ist zweifellos belastet durch das Ausscheiden aus der Europaliga und aus dem DFB-Pokal. Der 42-Jährige braucht dringend ein Ergebnis. Und die Leistung muss dokumentieren, dass die Mannschaft gegen einen schwierig zu bespielenden, aber sicher erneut nicht übermächtigen Gegner in der Arbeit gegen den Ball stabiler wird und im eigenen Ballbesitz der Aufwärtstrend anhält. Hjulmand muss zeigen, dass er seine neuen Ideen integrieren kann in das 05-Grundgesetzbuch, das über Jahre geschrieben worden ist in der Erkenntnis, dass Defensivsicherheit die Basis dafür ist, Mainz 05 im Bundesligafußball dauerhaft wettbewerbsfähig zu machen.

Ohne die Mainzer Tugenden wird es nicht funktionieren

Die Erfahrung lehrt, dass Mainz 05 mit einem Trend von mehreren Gegentoren pro Spiel Schwierigkeiten hat, konstant Punkte zu holen. Da geht es um Abwehrprinzipien, um defensive Umschaltmechanismen, um eine aggressive Nachvorneverteidigung, um Mittelfeldpressing, um Organisation, Wucht, Dynamik und Tempo im Anlaufverhalten, um Gegenpressing nach Ballverlusten. Die These lautet: Ohne diese Elemente wird es nicht funktionieren, einen individuell mittelprächtig aufgestellten Außenseiter über die 40-Punkte-Marke zu heben. Alles unterhalb von 40 Zählern bedeutet in der Regel Abstiegskampf. Kann spannend sein, behindert aber nötige Entwicklungsprozesse.