Rehberg: Mit welchem Gesicht tritt Kellerkind Werder Bremen auf?

Papa Djilobodji nach dem Spiel gegen den SV Darmstadt. Neu-Mainzer Rouven Schröder hat den Senegalesen vom FC Chelsea ausgeliehen. Foto: dpa

Im Norden geht es auf und ab. Niemand weiß, welches Gesicht Kellerkind Werder Bremer zeigen wird im Heimspiel gegen Mainz 05, weiß unser Kolumnist Reinhard Rehberg. Trainer...

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. Die 05er haben dem SV Werder Bremen den Direktor für Kaderplanung und Scouting abgeworben. Rouven Schröder wird der Nachfolger von Manager Christian Heidel. Schröder, 40 Jahre alt, wird in wenigen Tagen sein Büro am Bruchweg beziehen. Thomas Eichin, in Bremen Geschäftsführer für Sport und Public Relations, hat den wichtigen Personalstrategen sofort freigestellt, kaum dass dieser seinen Vorgesetzten vom Mainzer Interesse informiert hatte. Da müsse man keine große Sache draus machen, erklärte Eichin, da gehe eben ein „Mitarbeiter aus der zweiten Reihe“. Das klang herablassend. An diesem Samstag laufen die 05er an der Weser auf. Das Thema Rouven Schröder wird dann keine große Rolle spielen. Die Bremer haben andere Sorgen.

Nur drei Punkte trennen den SV Werder von einem direkten Abstiegsplatz und vom Relegationsrang. Da muss man nicht groß philosophieren, was die Mainzer erwartet: Eine emotional aufgeladene Abstiegskampfmannschaft vor einem wilden Bremer Publikum. Schlau wird man aus dem Weser-Ensemble nicht. Die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik geht in Gladbach mit 1:5 unter, lässt gegen die Kellerkonkurrenten Hoffenheim (1:1), Ingolstadt (0:2) und Darmstadt (2:2) wichtige Punkte liegen, gewinnt danach mit 4:1 in Leverkusen und mit 4:1 gegen Hannover 96 – und wird dann konzept- und willenlos zum Spielball des FC Bayern (0:5).

Welches Gesicht zeigt Bremen am Wochenende?

Und nun? Niemand weiß, welches Gesicht die Bremer zeigen werden im Heimspiel gegen Mainz 05 – mit Druck auf dem Kessel. Kein Bundesligist hat eine schwächere Defensive als die Bremer (53 Gegentore). Skripnik gilt als Auslaufmodell. Aber den Ligaverbleib soll der einstige Werder-Mittelfeldspieler noch schaffen. Die Hoffnungen ruhen auf zwei Spielern: Innenverteidiger El-Hadji Papy Mison Djilobodji und Torjäger Claudio Pizarro.

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Djilobodji ist eine Entdeckung von Rouven Schröder. Der hat den 1,92 Meter großen Hünen aus dem Senegal im Januar vom FC Chelsea auf Leihbasis verpflichtet. Der 26-Jährige ist technisch versiert, stellungssicher, robust, zweikampfstark am Boden und in der Luft. Für den FC Nantes hat Djilobodji in Frankreich 178 Erst- und Zweitligaspiele bestritten und immerhin neun Tore erzielt. In seinem halben Jahr in Chelsea hatte der Afrikaner keine Chance. In Bremen hat der Winter-Zugang eingeschlagen.

Und dann ist da noch der listige Pizarro

Und dann ist da noch der listige Pizarro. Kein ausländischer Profi hat in der Bundesliga mehr Spiele absolviert und mehr Tore geschossen als der Peruaner. 187 Treffer und 56 Torvorlagen in 405 Spielen für Werder Bremen (100 Tore) und den FC Bayern (87 Tore). Grandios. Neun Tore hat Pizarro alleine gegen die 05er geschossen, seit er vor 17 Jahren seine große Karriere in Deutschland gestartet hat. Auch in dieser Saison hat der 37-Jährige schon wieder elf Treffer stehen.

Jetzt macht er Jagd auf den Bremer Rekordtorschützen Marco Bode, der nach 101 Bundesligatoren für Werder inzwischen als Aufsichtsratschef fungiert. Pizarro ist ein Auftrag für die 05-Innenverteidigung. Die immer dann gut steht, wenn davor das Zentrum gut verdichtet und der gegnerische Mittelstürmer isoliert ist.

Harte Arbeit. Stehvermögen und Behauptungswillen sind gefragt

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Für die 05er beginnt mit Bremen eine Spielserie gegen Klubs, die hinter dem Tabellensechsten angesiedelt sind. Frühjahrsklassiker. Im Radsport heißt das: Wind, mal Sonne, mal Regen, Pollenflug, Kopfsteinpflaster. Harte Arbeit. Stehvermögen und Behauptungswillen sind gefragt. Auf die 05er warten Gegner, die sich weniger über den eigenen Ballbesitz und Risiko im Vorwärtsgang definieren, sondern viel mehr über Laufbereitschaft, Kampf, eine massierte Defensive, Wucht, Umschaltspiel. Das heißt für das Team von Martin Schmidt, dass es schon an der Weser darum geht, um kleinste Vorteile mit höchster Intensität zu ringen.

Die 05er können und werden diese Gegner nicht überrennen, schon gar nicht aus den Schuhen kombinieren. Das sind ausgeglichene Duelle, in denen die Mainzer Profis ein Gespür entwickeln müssen für die entscheidenden Momente einer Partie. Und die haben eine Basis: Wer in diesen Abnutzungs- und Verdrängungskämpfen in Führung geht, der kann seinen Konteransatz noch kompromissloser durchziehen. Da können die 05er auf eine ihrer größten Stärken bauen: Abschlusseffizienz. Mit dieser Qualität hat die Schmidt-Elf zuletzt einige Ligagrößen nicht nur genervt, sondern in die Knie gezwungen.