Rehberg: Mit Kampf und Tempo zum Sieg gegen den HSV

Kopf hoch und weitermachen. Im Spiel gegen den HSV wird Jhon Cordoba (links) eine wichtige Rolle zukommen. Archivfoto: dpa

Der 1. FSV Mainz 05 hat die letzten drei Bundesligaspiele verloren - so viele wie noch nie zuvor unter Martin Schmidt. Für die Partie gegen den HSV hat unser Kolumnist Reinhard...

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. Der Wintersport hat wieder Hochkonjunktur. Was können Fußballer von den Biathleten lernen? Mentalität. Da bläst ein Spitzenathlet auf der Sprintstrecke seine 10 Schüsse lausig raus wie ein Wilddieb - und landet abgeschlagen im Hinterfeld. Danach schüttelt er sich. Und nur einen Tag später bringt er auf der 20-Kilometer-Strecke 20 Kugeln ins Ziel mit der Präzision eines Sportschützen - und gewinnt das Rennen.

Das heißt: Da hat jemand gelernt, sich von einem Negativerlebnis nicht auch noch den Folgewettkampf kaputt machen zu lassen. In dem Wissen: Ich bin gesund, ich bin fit, ich bin topmotiviert, ich beherrsche meine Abläufe - und jedes Rennen beginnt wieder mit dem ersten Schritt und bei null. Und das ist die Aufgabe der 05-Profis an diesem Samstag im Heimspiel gegen den Hamburger SV. Es geht um Widerstandsmentalität.

Noch nie haben die 05er unter Martin Schmidt drei Bundesligaspiele hintereinander verloren. Nun ist es passiert. 1:2 in Berlin, 1:3 gegen den FC Bayern, 0:1 in Gladbach. Keine der Leistungen war so gestrickt, dass ein Thomas Tuchel sagen würde: „Wir waren heute nicht bereit für ein Bundesligaspiel. Nichts war da. Wir hatten keinen Punkt verdient.“ Die 05er haben in diesen drei Spielen nicht Kunst und Wunder aufgeführt, aber mit etwas mehr „Schiri-Glück“ hätten da durchaus zwei bis drei Zähler hängen bleiben können. Und nun geht es darum, gegen den Tabellendrittletzten aus Hamburg, der sich zwar im Aufwind befindet, der aber individuell auf keiner Position Vorteile hat, einen Auftritt zu mobilisieren, der weniger abhängig ist von einer guten oder schwächeren Schiedsrichterleistung.

Scheppern soll's gegen den HSV

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Die 05-Fans lechzen nach einem Kampfnachmittag. Krachende Zweikämpfe, Wucht, Dynamik, Tempo. Wilde Rettungsaktionen, Balleroberungen, Pressing und Gegenpressing, energiegeladene Umschaltüberfälle. Intensität. Emotionalität. Leidenschaft. Wer will mehr an diesem Tag in der Opel Arena? Wer will mit jeder Faser seines Körpers noch mehr investieren für den Erfolg? Wenn die Mainzer Anhänger spüren, dass damit ihre Mannschaft beschrieben ist, dann wird es auch laut in der Arena. Dann macht sich keiner Gedanken über Identifikationsprobleme oder brennbares Material, Qualm und Gestank. Dann werden die Menschen mitgerissen. Dann wird nicht nur gesungen. Dann wird die Mannschaft nach vorne gepeitscht. Diese Momente gab es schon in diesem Stadion. Das ist nur schon länger her. Vielleicht auch deshalb, weil die Elf vom Feld aus immer seltener den nötigen Impuls gesendet hat. Die ungewohnte Belastung Europapokal ist vorbei, die Rotationswochen sind vorbei. Viele Verletzte sind zurück gekommen. Jetzt kann es wieder scheppern in der Arena. Spielerisch übermächtig ist der Gegner nicht.

Martin Schmidt hat mit Giulio Donati, Stefan Bell, Alexander Hack und Gaetan Bussmann seine Abwehrformation gefunden. Im Mittelfeld hat sich die Kombination Danny Latza/Jean-Philippe Gbamin bewährt. Nun ist der Franzose gesperrt. Fabin Frei dürfte der Favorit sein als Nachrücker. Der Schweizer ist nicht so giftig unterwegs wie Gbamin. Aber es wird gegen den HSV, der ausschließlich auf Pressing und Konter ausgerichtet ist, auch Phasen geben, in denen die 05er aus der eigenen Hälfte heraus spielerische Lösungen finden müssen. Dafür steht Frei mit seiner Qualität im Passspiel. Und das gilt auch für den Kampftechniker Latza. Und in der Offensivreihe wird Yunus Malli dann auch Unterstützung benötigen in den Halbräumen. Für dieses Wechselspiel zwischen Aufgaben am Flügel und Aufgaben in den seitlichen Zehnerräumen eignet sich Jairo. Aber der flinke Spanier lieferte in Gladbach – ebenso wie Levin Öztunali - einen sehr schusseligen Vortrag ab. Wahrscheinlich setzt der Trainer auf Karim Onisiwo und Pablo de Blasis.

Ein Heimspiel mit Kampf und Tempo

Ganz vorne ist der ausgeruhte Jhon Cordoba unverzichtbar. Der Kolumbianer hat zuletzt sein intuitives Spiel verloren. Der Einsatz hat immer gestimmt. Aber Cordoba hat begonnen, nachzudenken. Das geht zu Lasten der Selbstverständlichkeit, zu Lasten der Handlungsschnelligkeit, zu Lasten der automatisierten Abläufe in der Ballannahme, im Aufdrehen, im Dribbling, in der Weiterleitung, im Zug zum Tor. Das ist normal bei einem 23-jährigen Mittelstürmer, der sich Woche für Woche mit Stopperhünen herumschlagen muss, die nicht nach Basketballregeln ihre Arbeit verrichten.

Und wenn Cordoba nicht eingebunden ist, dann kommt es dazu, dass die 05er in der zweiten Halbzeit teilweise 20, 25, 30 Minuten keine konsequenten Angriffszüge mehr fahren. Und wenn die Mannschaft dann insgesamt relativ passiv wird, mit acht, neun Feldspielern tief am eigenen Strafraum nur noch verteidigt, dann baut das den Gegner auf – und holt die Zuschauer runter. Das gilt es gegen den HSV zu vermeiden. Zurück zu den Wurzeln. Kampf und Tempo. Dann wird das mal wieder ein klassisches 05-Heimspiel. In einer atmosphärisch wilden Opel Arena.