Rehberg: Mit dem SC Freiburg erwartet Mainz 05 einen...

Seit 2012 hat der SC Freiburg mit Christian Streich wieder einen ähnlich eigenwilligen und charismatischen Trainer wie einst mit Volker Finke. Archivfoto: dpa

Am Samstag spielen die 05er zuhause gegen den SC Freiburg. Jahrelang war der Schwarzwald-Klub für den Zweitligisten Mainz 05 ein Vorbild. Heute haben die 05er die Freiburger...

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. Wenn es im deutschen Profifußball einen Verein mit Stehaufmännchen-Mentalität gibt, dann ist das der SC Freiburg. Jahrelang war der Schwarzwald-Klub für den Zweitligisten Mainz 05 ein Vorbild. Kontinuität in der Führung, Kontinuität in der Trainerbesetzung. Etablierung als Bundesligist. Dazu kam die unverwechselbare Spielweise der „Breisgau-Brasilianer“ unter dem innovativen Trainer Volker Finke (im Amt von 1991 bis 2007).

2004 haben die Mainzer mit ihrem ersten Bundesligaaufstieg in der Klubgeschichte gleichgezogen. Und heute haben die 05er die Freiburger wirtschaftlich und sportlich überholt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Sportclub am kommenden Samstag mit einem Punkt mehr auf dem Konto in der Opel Arena aufschlägt. Der entscheidende Unterschied: Die Mainzer haben ihr neues Stadion schon 2011 eingeweiht, die Freiburger haben mit dem durchgeplanten Bau ihrer neuen Arena noch gar nicht begonnen.

Wechselvolle Geschichte hat die Freiburger zusammengeschweißt

1993 sind die Freiburger erstmals in die Eliteklasse aufgestiegen. Danach hat sich der Klub nie wieder aus dem Kreis der ersten 24 Mannschaften in Deutschland rausboxen lassen. Da passierte der ein oder andere Abstieg. Aber der SC kam immer wieder zurück. Abstieg 1997. Aufstieg 1999. Abstieg 2002. Aufstieg 2003. Abstieg 2005. Aufstieg 2009. Abstieg 2015. Aufstieg 2016. Diese wechselvolle Geschichte schweißt zusammen. Und seit 2012 hat der Klub mit Christian Streich wieder einen ähnlich eigenwilligen und charismatischen, die Anhänger nervenden u n d begeisternden Trainer wie einst mit Volker Finke. Letzterer war der unangepasste, in Pressekonferenzen unbeirrt seine Kippen drehende professorale Prediger. Streich gibt in der Studentenstadt den unangepassten schulmeisterlichen Polterer.

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Generationen von Spielern haben den Verein verlassen, anderswo gab es mehr Geld zu verdienen. Nicht zuletzt die überragende Nachwuchsarbeit hat den Breisgau-Klub immer über Wasser gehalten. Werfen wir nur einen kurzen Blick auf die vergangenen zweieinhalb Jahre. Die Abgänge 2014: Jan Rosenthal, Johannes Flum, Daniel Caligiuri, Max Kruse, Cederic Makiadi. Die Abgänge 2015: Roman Bürki, Vladimir Darida, Felix Klaus, Admir Mehmedi, Sascha Riether, Oliver Sorg, Jonathan Schmid. Und trotzdem stehen die Freiburger im November 2016 als Bundesligaaufsteiger schon wieder auf dem neunten Tabellenplatz. Als ein Fußballunternehmen ohne Schulden. Der Hamburger SV müsste sich schämen beim Blick auf die Freiburger Arbeitsweise. Der HSV hat im Sommer eine 30-Millionen-Gabe seines Förderers Klaus-Michael Kühne verpulvert. Für eine neue Offensivabteilung. Die bis jetzt in zehn Spielen gewaltige zwei Tore geschossen hat. Der HSV ist mit zwei Pünktchen im Ertragsbuch Tabellenletzter. Im Kreuz drücken 90 Millionen Euro Schulden.

Offensivspieler von der Resterampe

Der solide wirtschaftende Sportclub steht mit 15 Zählern sicher in der oberen Tabellenhälfte. Mit Offensivspielern von der Resterampe. Der lauf- und kampfstarke Mittelstürmer Nummer eins, Florian Niederlechner (26), ist ausgeliehen von den 05ern. Die bewegliche zweite Spitze Maxilian Philipp (22) kam als junger Mann mal aus Cottbus zur U23 des SC, heute hat das technisch begabte Leichtgewicht als Bundesliga-Stammspieler fünf Saisontore stehen. Der kreative Passlieferant und Standardspezialist Vicenzo Grifo (23) kickte vorher unbeachtet beim Zweitligisten FSV Frankfurt. Mit 14 Toren und elf Vorlagen schoss der aus Hoffenheim stammende Deutschitaliener die Freiburger in die Erste Liga, dort steht der Techniker aktuell bei zwei Treffern und vier Torvorlagen. Da kann sich Streich den Luxus erlauben, den gegen den Ball trägen Torjäger Nils Petersen (27/drei Tore, eine Vorlage), den nach seiner Bremer Zeit keiner mehr haben wollte, regelmäßig als Joker von der Bank kommen zu lassen.

Der HSV jault, er habe im Sommer auf dem Markt keinen bezahlbaren kampf- und spielstarken Mittelfeldsechser gefunden. Die Freiburger jagen ihre Gegner im Zentrum mit dem führungsstarken Mike Frantz (30), der in seiner langen Zeit beim 1. FC Nürnberg nur ganz selten eine verlässliche Größe war. Und neben dem Routinier spielt mit Nicolas Höfler (26) ein Mann, den der langjährige Nachwuchstrainer Streich schon in der Freiburger U19 angeleitet hat. Und den kleinen Schweizer Amir Abrashi (26) hat Streich für günstige 2,2 Millionen Ablöse bei Grashoppers Zürich entdeckt. Dem HSV fehlen stellungssichere und in der Spieleröffnung begabte Innenverteidiger. Die Freiburger haben bei einem türkischen Zweitligisten den 20 Jahre alten aggressiven, kopfballstarken und beidfüßig passsicheren Caglar Söyüncü ausgegraben, der zwar noch einige Fehler einstreut, der mit seiner emotionalen Spielweise aber im alten und verbauten Stadionkasten im Breisgau schon zum Publikumsliebling aufgestiegen ist.

Wie die 05er diesen unangenehmen Gegner, der auswärts allerdings noch nicht viel gerissen hat, in den Griff bekommen können, das lesen Sie im morgigen Blog.