Rehberg: Mehr Torgefährlichkeit für das Weiterkommen

Jhon Cordoba. Foto: dpa

Grundlegende Defizite sind bei den 05ern nicht auszumachen. Aber: Gegen den SV Darmstadt 98, den RSC Anderlecht und gegen die Schalker war erkennbar, dass die Torgefährlichkeit...

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. Laut der Internet-Plattform „Fußball-Geld.de“ haben die 05er für den DFB-Pokal-Wettbewerb 2016/17 in ihren Jahreshaushalt eine Mindesteinnahme von 559.658 Euro eingestellt. In der ersten Runde gab es für alle Klubs eine Prämie in Höhe von 155.000 Euro. Für die 05-Partie in Unterhaching wurden 7.000 Karten verkauft, das Geld teilen sich die Klubs (abzüglich der Organisationskosten). An diesem Mittwoch laufen die Mainzer in der zweiten Runde beim Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth auf.

Da kassieren beide Klub schon mal 310.000 Euro, plus dem Erlös aus dem Kartenverkauf. Wirtschaftlich betrachtet haben die 05er nach dem Elfmetersieg beim Viertliga-Spitzenreiter SpVgg Unterhaching ihr Minimalziel also schon in trockenen Tüchern. Die Gewinnzone würde in der dritten Rund erreicht mit einer Prämie von 630.000 Euro. Interessant wird es aber erst ab dem Viertelfinale mit einer Prämie von knapp 1,3 Millionen Euro. Im Halbfinale winken dann knapp 2,6 Millionen. Das Finale wird gesondert ausgehandelt.

Sportlicher Reiz überwiegt im Pokal

Stellt man diese Summen einem Mainzer Gesamtumsatz von rund 100 Millionen gegenüber, dann stellen wir fest: Reich wird man im DFB-Pokal nicht mehr - aber ab dem Viertelfinale lächelt der Schatzmeister milde und ab dem Halbfinale freut er sich. Dem Fußball tut es gut, dass es noch einen Wettbewerb gibt, in dem es – das gilt ausschließlich für die Erstligisten - nicht nur ums Kohlescheffeln geht. Der sportliche Reiz überwiegt.

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Der Zweitligadreizehnte ist für die 05er eine gute Gelegenheit, die dritte Runde zu erreichen. Auch wenn in dieser Drei-Wettbewerbe-Saison dem Bundesliga-Heimspiel am kommenden Samstag gegen den FC Ingolstadt die größere Bedeutung zukommt. Zum ersten Mal haben die 05er in dieser Saison erlebt, wie es sich anfühlt, nicht so richtig im Spiel zu sein. Beim 0:3 auf Schalke ließen sich nicht mehr als drei echte Torchancen zählen. Und nur die erste von Jhon Cordoba hätte dieser Partie noch eine Wende geben können. Diese Spiele gibt es. Aber jedem Trainer ist daran gelegen, dass sich diese schlechteren Gefühle nicht einnisten, dass die Mannschaft sofort wieder aufsteht. Das nächste Erfolgserlebnis – und die Niederlage davor ist vergessen. Das Pokalspiel in Fürth kann das nur bedingt leisten. Ein Heimsieg gegen den FC Ingolstadt sehr wohl.

Torgefährlichkeit hat nachgelassen

Grundlegende Defizite sind nicht auszumachen im Team von Martin Schmidt. Erkennbar war gegen den SV Darmstadt 98, gegen den RSC Anderlecht und gegen die Schalker: Die Torgefährlichkeit hat nachgelassen. Das lässt sich korrigieren. Doch dafür braucht es Kraft, Energie, Frische. Auch Überzeugung. Die aktuelle Verletztensituation erlaubt Martin Schmidt vor der Fürth-Partie keine fundamentalen Schonungspläne. Die Rotationsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Eine Pause gebrauchen kann Jhon Cordoba. Der Schwerarbeiter im Sturmzentrum, der sich ständig aufreiben muss in Zweikämpfen mit hart einsteigenden Innenverteidigerhünen, hat an Klarheit in seinem Spiel eingebüßt. Dynamik, Zielstrebigkeit zum Tor hin, das fällt dem Kolumbianer gerade nicht leicht. Und das gilt auch für Yunus Malli nach seinen Dauereinsätzen.

Einen klassischen Vertreter hat Schmidt allerdings nicht in der Auswahl für Cordoba und Malli. Yoshinori Muto und Emil Berggreen fehlen. Pablo de Blasis kann in Fürth als Aushilfsspitze auflaufen. Oder Karim Onisiwo. Oder auch beide zusammen in einer 4-4-2-Grundordnung. Am Flügel könnte dann Gerrit Holtmann sprinten. Auch Jairo benötigt nach seiner langen Ausfallzeit Spielpraxis, um wieder in den nötigen Wettkampfrhythmus zu kommen. Und Schmidt müsste im 4-4-2 keine Zehnerposition besetzen. Dann könnte auch Malli Zeit bekommen, seine Batterien neu aufzuladen. Das Mittelfeldzentrum bekäme der 05-Coach besetzt, da steht ja auch José Rodriguez wieder bereit.

Fürth in der Offensive dünn aufgestellt

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Der Zweitligist, das sollte den 05ern gelegen kommen, ist eine Mannschaft, die Fußball spielen will. Trainer Stefan Ruthenbeck, der zuvor beim VfR Aalen in der Zweiten Liga vor dem Hintergrund sehr bescheidener finanzieller Mittel schon gut gearbeitet hat, setzt auf Passspiel. Das wird den 05ern immer mal wieder Pressinggelegenheiten eröffnen. Aber natürlich wird Ruthenbeck, der 44 Jahre alte Rheinländer, der einst für die TuS Mayen in der Oberliga gekickt hat, in einem Pokalspiel gegen einen Bundesligisten auch die läuferische und kämpferische Komponente forcieren. In der Zweiten Liga sind die Fürther oft die spielerisch bessere Mannschaft. Doch Ballbesitzfußball lebt auch von individueller Qualität im Angriff. Da fehlt es den Fürthern in dieser Saison.

Der Routinier und ehemalige Bundesligastürmer Sebastian Freis (31) hat bislang mal gerade zwei Tore geschossen. Das gilt auch für den aus der Türkei verpflichteten Serdar Dursun (24). Einen Treffer hat der 1,89 Meter große österreichisch-kroatische Offensivspieler Robert Zulj (23) in der Statistik stehen. Ebenso wie das Sturmtalent Khaled Narey (22), das in den Nachwuchsabteilungen von Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund ausgebildet worden ist. Heimkehrer Sercan Sararer (27) hat noch gar nicht getroffen. Der Norweger Vetan Berisha befindet sich im Formtief. Und der erfahrene Spielmacher Jürgen Gjasula (31) fällt wegen einer Verletzung bis Weihnachten aus. Neun Treffer in zehn Zweitligaspielen, in der Offensive sieht es dünn aus bei den Fürthern.