Rehberg: Mehr Offenheit beim Thema Doping

Symbolbild: dpa

Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Aggressivität - es gibt viele entscheidende Faktoren im Fußball, die mit chemischer Hilfe selbstverständlich auf ein höheres Niveau gehievt...

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. Auch der Fußball gehört zur großen Welt des Sports. Und wenn im Leistungssport Doping ein viel diskutiertes Thema ist, dann wird im Profifußball gerne so getan, als hätte dieses Millionengeschäft damit nichts zu tun. Aber wir wissen, dass es Erkenntnisse gibt über Leistungsmanipulationen in den Topligen in Spanien, Italien und England. Und wir wissen inzwischen auch, dass bei Bundesligaklubs Steroide in den Medizinschränken gelagert worden sind. Ob und wie diese von den Ärzten an den Mann gebracht worden sind, das wissen wir nicht.

Im Moment wird diskutiert, ob die russischen Leichtathleten von den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro ausgeschlossen werden sollen. Wahrscheinlich ist das nach dem jüngsten Veröffentlichungen zu staatlich gelenktem Doping in Russland unumgänglich. In diese Richtung äußern sich auch deutsche Politiker, Verbandsfürsten und Leistungssportler. Geprägt von einem hohen Maß an Scheinheiligkeit. Von Vertretern aus dem Profifußball hört man gar nichts. Nach dem Motto: Das Thema ist bei uns nicht existent - denn es wird ja niemand erwischt bei den regelmäßigen Dopingkontrollen im Training und im Wettkampf.

Drei gute Gründe

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Doch das ist zu kurz gedacht. Auch der Fußball sollte sich in die Sportgemeinschaft eingliedern und sich damit beschäftigen, dass die Tatsache, dass nur sehr wenige Spieler überführt werden, kein Beleg ist für sauberen Sport. Dafür gibt es gute Gründe.

Erstens: Es gibt genügend leistungssteigernde Substanzen, die mit den heute gängigen Messverfahren nicht nachweisbar sind; dabei handelt es sich zum Beispiel um Designersteroide, um synthetisiertes Testosteron, um das Wachstumshormon IGF1, um auf eine bestimmte Art durchgeführte Bluttransfusionen, um Humaninsulin. Zweitens: So lange bei Fußballklubs ehemalige Mannschaftsärzte die Trainingskontrollen durchführen, so lange kann man nicht von unabhängigen Kontrollen sprechen. Drittens: Der Medikamentenmissbrauch bis hin zu Medikamentenabhängigkeit wucherte und wuchert im Profifußball – und das erfüllt bei Grenzüberschreitungen den Tatbestand der Leistungsmanipulation.

Doping im Fußball unwirksam? Mitnichten.

Die These, dass in der physisch sehr komplexen Sportart Fußball Doping unwirksam sei und deshalb keine Anwendung finde, ist absurd. Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer sowie Aggressivität und Willensstärke sind entscheidende Faktoren im Fußball, die mit chemischer Hilfe selbstverständlich auf ein höheres Niveau gehievt werden können.

Die enormen Leistungssteigerungen etwa in den Laufwerten (Gesamtkilometer, intensive Läufe, Sprints) von Profifußballern in den vergangenen zehn Jahren sind sicher in hohem Maße zurückzuführen auf neue Erkenntnisse der Trainingswissenschaft, auf besser ausgebildete Athletiktrainer, auf die mit neuen Belastungs-Messmethoden besser kontrollierte und gesteuerte Trainingsarbeit, auf schon in den Nachwuchsleistungszentren auch physisch besser ausgebildete Talente. Aber das schließt nicht aus, dass in diesem Millionenbusiness dubiose Ärzte auf juristisch relevante dumme Gedanken kommen.

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Es geht nicht darum, Misstrauen zu säen. Es geht darum, dass sich der Fußball dem Thema Doping mit mehr Nachdruck öffnet. Es geht darum, dass sich der Fußball mit seinem enormen wirtschaftlichen Potenzial beteiligt an teuren Forschungsprojekten, die zum Beispiel Messmethoden und Kontrollverfahren (zügiger) verbessern. Es geht darum, dass sich der Fußball verstärkt an Aufklärungs-, an Präventionskampagnen beteiligt. Es geht darum, dass sich der Fußball den Gefahren, die im Thema Medikamentenverabreichung stecken, mit mehr Klarheit, Verantwortungsgefühl und Überzeugung stellt. All das als das öffentlichkeitswirksamste Mitglied der Leistungssportgesellschaft.