Rehberg: Mainz 05 wirkt planlos und spielt unterirdisch

Levin Öztunali im Laufduell mit Markus Suttner. Foto: dpa

Die 05er sind in Sphären abgerutscht, die man noch vor wenigen Wochen nicht für möglich gehalten hätte. Das gilt für die Tabellensituation. Und, das ist noch bedenklicher,...

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. Das 1:2 beim Tabellenvorletzten FC Ingolstadt war der vorläufige Tiefpunkt in dieser Europapokalsaison. Diese Partie hatte mit Bundesligaqualität wenig bis nichts zu tun. Die Gastgeber traten auf mit den Mitteln eines leidenschaftlich-kämpferischen Zweitligisten. Die Mainzer passten sich an, in langen Phasen ließ sich die planlos wirkende Elf von Martin Schmidt auf dieses Niveau herunterziehen. Die Leistung in der ersten Halbzeit war, auch und gerade vor dem Hintergrund der Bedeutung dieses Spiels, unterirdisch.

Um es klar zu sagen: Hier soll keine Trainerdiskussion angezettelt werden. Aber auch bei einer sehr nüchtern-sachlichen Betrachtung kann man Martin Schmidt nicht rausnehmen aus der Bewertung der aktuellen Situation. Der Formabfall ist unübersehbar. Und an diesem Tag hat der Matchplan nicht gestimmt. Und die späteren Wechsel- und Umstellungsentscheidungen haben auch nicht gegriffen. Dazu später.

Schlechtes Spiel und Pech

Die Niederlage resultierte aus einer verunglückten Flanke des Schweizer Nationalspielers Florent Hadergjonaj, der zehn Meter von der Grundlinie entfernt Jonas Lössl auf dem falschen Fuß erwischte. Ein Torwartfehler? Das ist leicht gesagt. Es gibt diese ekligen Flugkurven Richtung langes Eck, bei denen der Keeper ganz schlecht aussieht, die bei genauer Betrachtung aber nur durch ein anderes Stellungsspiel zu meistern sind. In dieser Situation hätten aber neun von zehn Torhütern diese mittige Position eingenommen. Und von dort aus war dieser vom Spann abgerutschte Hadergjonaj-Ball mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu halten. Zum schlechten Spiel der 05er kam auch noch Pech dazu. Das ist nicht dem Trainer anzulasten.

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Warum das Team die Anfälligkeit bei gegnerischen Eckbällen nicht in den Griff bekommt, das ist eine andere Frage. Der 1:0-Torschütze Roman Brégerie nahm in seiner Bewegung Richtung Tor Anlauf aus etwa 14 Metern Entfernung. Der Stopper mogelte sich zwischen den Riesen Stefan Bell und Jean-Philippe Gbamin hindurch in eine freie Position. Es gibt eine Regel im Defensivverhalten bei Standardzweikämpfen: Körperkontakt aufnehmen zum Gegenspieler. Den suchte Bell nicht, den suchte Gbamin nicht.

Serdar sollte den Umschwung bringen

Mit diesem läppischen Gegentor nach wenigen Spielminuten war der Matchplan schon zerstört. Die 05er wollten zunächst mal die Angriffe der Ingolstädter neutralisieren - und dann Zug um Zug nach Balleroberungen in die offensive Umschaltung kommen. Nach dem 0:1 war klar: Jetzt steckten die 05er wieder in der ungeliebten Spielmacherrolle. Was dabei herauskam bis zum Pausenpfiff: Gegen die Härte des Gegners, gegen die ständigen Foulprovokationen der Maik-Walpurgis-Elf - die ausschließlich rannte, messerscharfe Zweikämpfe führte, lange Schläge in die Spitze absandte und dann auf die abgewehrten Bälle einstach -, produzierten die 05er nur ein unzusammenhängendes Gebolze. Die 05er hatten nicht den Mut, vielleicht auch nicht die Idee, konsequent auf ihre bessere spielerische Qualität zu setzen.

Zur Pause musste Schmidt seine erste Wechseloption verpulvern. Der Vulkan Giulio Donati kam für den ohne Spielpraxis in die Startelf rotierten Leon Balogun. Der Hüne hatte gewackelt. Auch die Entscheidung, Danny Latza als vorgezogenen Mittelfeldspieler ins Rennen zu schicken – dem aggressiven Strategen liegt diese Rolle nicht, er muss das Spielfeld vor sich haben -, korrigierte Schmidt nach gut einer Stunde. Aufs Feld kam aber nicht der erfahrene Techniker Bojan Krkic oder der dribbelstarke Jairo: Der 20 Jahre alte Kämpfer Suat Serdar sollte den Umschwung organisieren. Der bis dahin im Mittelfeld recht dynamische Gbamin rückte auf die Innenverteidiger-, Latza auf die gewohnte Sechserposition. Schmidt wollte die Spieleröffnung konstruktiver gestalten und im Zentrum für mehr Ballsicherheit sorgen. Der folgende Ausgleichstreffer hatte mit dieser Umstrukturierung wenig zu tun: Pablo de Blasis stieg mit dem Kopf in eine Freistoßflanke von Öztunali. Die 05er spielten nach der Pause ein wenig mehr und ein wenig besser Fußball als zuvor. Das war aber auch keine Kunst. Torchancen? Öztunali hatte eine sehr gute und eine gute Schussgelegenheit. Mehr war nicht.

Noch genügend Punkte zu vegeben, aber...

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Die Ingolstädter verteidigten nur noch. Tief, eng, knochenhart. Den Mainzern mangelte es an Sicherheit in der Ballannahme, an Passpräzision, an Laufwegen in die Tiefe, an Durchsetzungswillen im Angriffsdrittel, insgesamt an Überzeugung für klare Spielhandlungen. Keine neue Analyse.

Die Tabellenlage muss man nicht dramatisieren. Abstiegskampf. Kommt vor. Es sind noch genügend Punkte zu vergeben. Aber am Mittwochabend im Heimspiel gegen die Pressing- und Geschwindigkeitsroboter aus Leipzig müssen sich die 05er mental, spielerisch und taktisch mit einem passenderen Ansatz präsentieren.