Rehberg: Mainz 05 wird Augsburger Wagenburg bespielen müssen

Yunus Malli. Foto: dpa

Martin Schmidt misst den FC Augsburg nicht an seinem aktuellen Tabellenstand. Das macht Sinn. Der 05-Trainer weiß, dass 14 Punkte Unterschied statistisch betrachtet den...

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. Martin Schmidt misst den FC Augsburg nicht an seinem aktuellen Tabellenstand. Das macht Sinn. Der 05-Trainer weiß, dass 14 Punkte Unterschied statistisch betrachtet den gravierenden Unterschied ausmachen zwischen Europaliga-Chance und Abstiegskampf. Aber qualitativ nehmen sich der Mainzer und der Augsburger Kader nicht viel. Richtungsweisende Phasen diktieren oft den Saisonverlauf. Der FCA hat nach einem missratenen Saisonstart die Kurve nicht mehr bekommen, nie Stabilität und Konstanz in die Leistungen gebracht. Auch bedingt durch die mentalen und körperlichen Belastungen im europäischen Wettbewerb. Während die 05er ihr Zwischentief in der Hinrunde gestoppt haben: Durch ein aufregendes 3:3 – in Augsburg.

2:0 geführt, 2:3 in Rückstand, Ausgleich in der dritten Nachspielminute. Dieser Glücksmoment wirkte wie ein befreiender Impuls. Danach arbeitete sich die Schmidt-Elf mit einer das Selbstverständnis beflügelnden Serie in die obere Tabellenhälfte. Das macht nun den Unterschied aus zwischen den beiden Kontrahenten: Die Augsburger spüren die Abstiegskralle im Nacken, die 05er können aus einer guten noch eine überragende Saison machen. Das kann im direkten Duell eine Rolle spielen. Wenn es den Mainzer Profis gelingt, mit der ausgeprägteren inneren Freiheit und der Lust am Gelingen mehr spielerisches Potenzial zu mobilisieren als der massiv unter Druck stehende Gegner.

05 muss kontrollierten Ansatz wählen

Läuferisch und kämpferisch werden sich beide Teams auf Augenhöhe bewegen. Aber die 05er haben überwiegend positive Bilder im Kopf, der FCA überwiegend negative. Das hat immer Einfluss im Leistungssport. Insbesondere dann, wenn die positiv gepolte Mannschaft, die auch noch das eigene Publikum im Rücken hat, in Führung geht. Dann kriechen beim angeschlagenen Gegner nach vielen Gegentoren in dieser Saison und wenig Erfolgserlebnissen wieder die sattsam bekannten schlechten Gefühle hoch - und bremsen den Zugang zum eigentlichen Leistungsvermögen.

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Eines muss man konstatieren: Die Elf von Markus Weinzierl ist keine, die auseinander fällt, wenn es schwierig wird. In dieser Mannschaft leben Muster, gegen den Ball, im eigenen Ballbesitz, auch in der offensiven Umschaltung. Die 05er werden einen sehr kontrollierten Ansatz wählen müssen. Mit Tempo Druck ausüben, ja. Aber es wird auch darum gehen, hoch konzentriert und konsequent im Gegenpressing die Augsburger Konter abzugreifen. Da dürfte der Schlüssel liegen. Im Winter hat Weinzierl noch einen Stoßstürmer verpflichtet, der schon drei wichtige Bundesligatore geschossen hat: Alfred Finnbogason (27), isländischer Nationalspieler, ausgeliehen von Real Sociedad, schnell, geschickt, zielstrebig.

Clemens und de Blasis bilden Flügelzange

Die Augsburger verteidigen im Block, mal höher, mal tiefer, immer mit eng zusammen stehenden Linien, immer auf dem Sprung nach vorne. Die 05er werden nach Gegenpressingerfolgen ihre Sprintüberfälle starten können, situativ werden sie aber auch geduldig eine Wagenburg bespielen müssen. Da geht es um Flexibilität, vor allem auch um die richtige Entscheidungen und um Präzision. Jairo, der Mainzer Topscorer, fehlt. Gelb-Sperre. Christian Clemens und Pablo de Blasis werden die Flügelzange bilden. Und wie immer gegen eng verteidigende Teams wird Yunus Malli als Techniker und Haken schlagender Tempodribbler zwischen den Linien eine wichtige Rolle spielen. Wenn der türkische Nationalspieler in Fahrt kommt, dann werden sich im Zentrum auch für Jhon Cordoba Lücken auftun.

Effizienz bei der Chancenverwertung, das bleibt immer ein Topthema bei den 05ern. Viele Siege in dieser Saison haben darauf basiert, dass die Elf mit einer der ersten zwei, drei Torannäherungen in Führung gegangen ist. Am Spielfeldrand in der Coface Arena stand gestern eine Torwand. Üben die Profis daran Treffsicherheit? Oder bereitet sich Martin Schmidt heimlich vor auf seine erste Einladung ins ZDF-Sportstudio am Samstagabend?