Rehberg: Mainz 05 und die Sache mit der Fehlervermeidung

Jubelnde Mainz 05-Spieler. Foto: Sascha Kopp

Nicht die Fehler aus den vergangenen Partien in den Vordergrund stellen, sondern die ausbaufähigen Qualitäten betonen vor dem Match beim FC Augsburg - dafür plädiert...

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. In der Hitparade für sinnlose Fußballerfloskeln steht dieser Satz sicher unter den Top-Five: „Wir müssen schleunigst unsere Fehler abstellen, sonst…“ Na klar, was denn sonst? Aber da schwingt immer mit, dieses Unterfangen, ab sofort keine Fehler mehr zu machen, sei eine Frage des Willens. So einfach ist das aber in dieser Mannschaftssportart nicht. Eher ist es so, dass die betonte kollektive Konzentration auf Fehlervermeidung schon wieder den nächsten Wackler provoziert.

Manchmal hilft es auch, diese Probleme einfach mal komplett auszublenden. Die Gedanken und Gefühle auf das Können, auf die Fähigkeiten, auf die besonderen Stärken lenken. In den taktischen und spielerischen Inhalten bleiben. Das ist meistens der bessere Ratgeber. Auch für die 05er, die an diesem Sonntag beim FC Augsburg antreten, ergibt sich nach den jüngsten Erfahrungen kein positiver Ansatz daraus, eine mögliche Führung in der Fuggerstadt unbedingt über die Runden bringen zu müssen. Dieses Ziel lässt sich nur sehr bedingt über das Bewusstsein steuern.

Beim 4:4 gegen die TSG Hoffenheim haben die Mainzer in Unterzahl und beim Stand von 4:1 nicht mehr gut verteidigt. Beim 1:1 im ersten Gruppenspiel in der Europa Liga gegen AS Saint-Étienne hat die Mannschaft von Martin Schmidt 88 Minuten lang sehr gut verteidigt. Und dann berechnete Stefan Bell einen Mondball falsch – und Niko Bungert hatte gegen den Torschützen einen Moment der Unkonzentriertheit. Warum sollte sich die Elf nun in Augsburg auf diese kleine Fehlerkette beziehen? Da macht es mehr Sinn, die starke Defensivleistung über 88 Minuten in den Ring zu werfen. Und daran zu arbeiten, das über 90 Minuten nicht unbedingt konstruktive und präzise Passspiel deutlich zu verbessern.

Kein Grund sich zu grämen

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Und auch Jonas Lössl muss sich nicht grämen ob seiner bisherigen Leistungen im Mainzer Kasten. Der dänische Torhüter benötigt Anpassungszeit. Gravierende Fehler sind dem 27-Jährigen, der ja auch mit seinem Ex-Klub EA Guingamp schon international unterwegs war, bislang nicht unterlaufen. Die Grätsche gegen Adam Szalai beim 4:4 für die Hoffenheimer stammte nicht aus Stephan Kuhnerts Lehrprogramm; der 05-Torwarttrainer predigt den stabilen Stand in Eins-gegen-Eins-Situationen. Ob diese Technik in dieser Situation im Fünfmeterraum Szalai entscheidend behindert hätte? Spekulation. Beim 1:1 für die ASSE aus St-Étienne hätte Lössl auf der Torlinie sicher bessere Abwehrmöglichkeiten gehabt. Aber: Wäre die Kugel im Luftkampf vor dem Torhüter nach hinten durchgerutscht, dann hätte Lössl gut gestanden drei, vier Schritte vor seinem Heiligtum – und man hätte ihn wahrscheinlich belobigt. Manchmal braucht ein Keeper auch das nötige Glück. Die Abschläge des Dänen aus der Hand sind technisch gut, zuweilen geraten sie noch etwas zu lang oder zu hoch. Das wird sich einpendeln. Grundsätzlich strahlt Lössl Ruhe aus, vor allem in der Luft. Vielleicht fehlt ihm noch ein Tick mehr Aggressivität im Strafraum. Zu wünschen wäre dem Torhüter eine Partie, die er mal mehr oder weniger alleine gewinnt. Dann kommt das nötige Selbstverständnis, das nötige Selbstvertrauen.

Gut möglich, dass sich diese Chance in Augsburg auftut. Die Gastgeber haben offensiv keine überragende individuelle Qualität. Aber die Standards. Ecken und seitliche oder zentrale Freistöße lässt Trainer Dirk Schuster im Training üben bis zum Erbrechen. Wie kam der FCA in Bremen zum ersten Saisonsieg? Das 1:1 durch den holländischen Innenverteidiger Jeffrey Gouweleeuw entstand aus einem Eckball, der 2:1-Siegtreffer durch den griechischen Linksverteidiger Konstantinos Stafylidis war das Produkt eines gut gedrehten direkten Freistoßes.

Herausgespielte Chancen Mangelware

Herausgespielte Torchancen waren bislang Mangelware bei den Augsburgern. Die darüber hinaus an der Weser davon profitierten, dass der Schiedsrichter den Bremern beim Stand von 1:0 einen klaren Strafstoß verweigerte. Tatsache ist, dass die FCA-Offensive um Mittelstürmer Alfred Finnbogason und Spielmacher Ja-Cheol Koo noch nicht so richtig in Schwung gekommen ist. Gegen die 05er wird der am Knie verletzte Linksaußen Cajubi ausfallen. An den Flügeln werden Raul Bobadilla und wahrscheinlich der ehemalige Bayern-Profi Takashi Usami auflaufen.

Martin Schmidt wird wieder rotieren. Auf welchen Positionen? Daniel Brosinski wird wohl Linksverteidiger Gatean Bussmann ersetzen. Und wahrscheinlich wird man in Augsburg eine komplett andere Offensivabteilung sehen. Mittelstürmer Jhon Cordoba wird sicher wieder in der Startelf stehen. Yunus Malli? Dessen Leistung im Europapokal war ausbaufähig, aber Schmidt benötigt in Augsburg wahrscheinlich einen Umschaltzehner. Christian Clemens hatte gegen St-Étienne nur drei, vier starke Szenen in der Druckphase nach der Pause, ansonsten fehlte dem Rechtsaußen die Überzeugung, die Körperspannung. Der gegen die Hoffenheimer überragende Pablo de Blasis spielte am Donnerstagabend zu wild, zu unpräzise. Der schnelle und körperlich robuste Karim Onisiwo könnte passen zum Kampfspiel in Augsburg. Eventuell auch der Topsprinter Gerrit Holtmann.

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Pause für Gbamin und Chance für Rodriguez?

Die Sechserpositionen? Jean-Philippe Gbamin hat jetzt zweimal durchgespielt. Das spricht für einen Einsatz von José Rodriguez in Kombination mit Fabian Frei oder Suat Serdar. Denkbar wäre auch, wie in Dortmund, die 4-1-4-1-Variante. Ohne Malli. Mit Rodriguez, Frei und Serdar. Auf jeden Fall sollten die 05er den Gegner weiter weg halten vom eigenen Strafraum. Dann regnet es weniger Standards für die Spezialisten des FCA. Dafür müssten die 05er dann im eigenen Ballbesitz aber auch ein paar längere Passphasen einbauen. Immer dann, wenn sich die Situation nicht für Konterüberfälle eignet. Das nimmt den auf Physis und Tempo getrimmten Augsburgern die Wucht.