Rehberg: Mainz 05 trifft auf taumelnden Riesen

Die Bayernspieler Franck Ribery und Thiago. Foto: dpa

Immer wieder ist es den Mainzern in der Vergangenheit gelungen, beim FC Bayern München zu punkten. Und auch aktuell scheint etwas für die 05er möglich zu sein - findet...

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. Wenn die 05er gegen den FC Bayern einen oder gar drei Punkte geschnappt haben, und das hat sich in den Jahren der Mainzer Bundesligazugehörigkeit erstaunlich häufig ereignet, dann war eine Komponente immer eine Grundvoraussetzung: Der Serienmeister hatte nicht seinen besten Tag erwischt. Und diese Konstellation wird die Mannschaft von Martin Schmidt auch am kommenden Samstag in der Allianz Arena benötigen. Wie steht es um die Bayern? Der Branchengigant ist mental und personell angeschlagen.

Das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League war schmerzhaft. Der Klub hat sein wichtigstes Saisonziel relativ frühzeitig verpasst. Der Dienstagabend mit dem 2:4 n. V. bei Real Madrid hat Wunden geschlagen. Die Bayern haben sich im Bernabeu-Stadion aufgebäumt, sie haben gekämpft, sie haben phasenweise gut gespielt, sie haben mit großer Opferbereitschaft die Verlängerung erzwungen – und es hat nicht gereicht. Der Schiedsrichter hat den Deutschen Meister krass benachteiligt. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die „Königlichen“ aus Madrid haben in beiden Spielen mehr Wettkampfhärte gezeigt.

Das volle Programm rausgefeuert zu bekommen, dann, wenn es darauf ankommt, das ist die Kunst im Hochleistungssport. Daran macht sich Klasse fest. Ronaldo war in beiden Spielen gegen den FCB kaum zu sehen – aber er hat fünf Tore geschossen. Außerirdisch. Das ist das Statement eines Weltklassespielers, der seit einem Jahrzehnt pro Saison 30 bis 50 Pflichtspieltreffer markiert. Man mag diesen selbstverliebten Pfau nicht mögen. Aber Ronaldo definiert sich über Tore und er schießt Tore - und das auch regelmäßig in den wichtigen Momenten. Dann war da noch der Linksverteidiger Marcelo, dem in beiden Spielen kein Weg zu weit, kein Tempo zu hoch war, der unermüdlich und lustvoll Zweikämpfe geführt, angekurbelt, auf höchstem Niveau Fußball gespielt hat. Der Brasilianer präsentierte sich in Topform.

Real war eine Nuance hungriger als der FCB

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Das Weiterkommen von Real hatte zweifellos mit den Schiedsrichtern zu tun. Aber Sergio Ramos, Marcelo, Carvajal, Casemiro oder auch Luka Modric waren signifikant sicherer, frischer, leidenschaftlicher, auf den Punkt konzentrierter, konsequenter und hungriger als zum Beispiel David Alaba, Philipp Lahm, Xabi Alonso oder Thiago. Ronaldo war alleine effektiver als eine Weltklassesturmreihe mit Franck Ribéry, Robert Lewandowski und Arjen Robben. Und Zinedine Zidane hat mit seinen Wechseln in beiden Spielen mehr Wirkung erzielt als der Lehrmeister Carlo Ancelotti mit seinen Bankentscheidungen. All das gehört auch zu den Wahrheiten, die dieses hochklassige Viertelfinale geprägt haben.

Nach Madrid kommt nun Mainz. Die Bayern werden nicht auseinanderbrechen. Aber die Annahme, dass diese Auswahl am Samstag nicht in bester Aufstellung und auch nicht in der besten Verfassung antreten wird, ist begründet. Statt Manuel Neuer, für den die Saison beendet ist nach seinem Fußbruch, wird der für Bayern-Verhältnisse mittelprächtig begabte Sven Ulreich im Kasten stehen. Kaum vorstellbar, dass Jerome Boateng und Mats Hummels - die beiden Innenverteidiger hielten sich in der Verlängerung von Madrid nur noch auf den Felgen in der Spur – ein Bundesligaspiel bestreiten. Und Robert Lewandowski? Den Torjäger wird Ancelotti im folgenden DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund sicher nötiger brauchen. Und der heißblütige Schwerarbeiter Arturo Vidal? Und der in die Jahre gekommene Alonso? Auch die beiden Mittelfeldroutiniers wird der Bayern-Trainer jetzt nicht durch das komplette Programm jagen. Und womöglich auch nicht die Oldie-Sprinter Robben und Ribéry.

Auch die B-Elf könnte jeden schlagen

Dann könnte die FCB-Startelf auch wie folgt aussehen: Ulreich – Rafinha, Martinez, Alaba, Bernat – Kimmich, Lahm – Coman, Thiago, Douglas Costa – Müller. Natürlich kann auch diese Besetzung jeden, tatsächlich jeden Bundesligagegner schlagen. Aber die individuelle Feuerkraft und die mannschaftlichen Automatismen der „Madrid-Besetzung“ hätte diese Besetzung nicht. Das heißt: Die 05er werden zumindest nicht auf den besten FC Bayern treffen. Dann brauchen die Mainzer aber immer noch eine besondere Leistung und einen besonderen Spielverlauf, damit eventuell aus einer Außenseiterhoffnung eine Ergebnischance entsteht. Mehr dazu im Freitag-Blog.