Rehberg: Mainz 05 steuert auf neue Rekordsaison zu

Mainzer Jubel nach dem 2:1-Siegtreffer gegen Bayern München am 2. März. Foto: dpa

Mainz 05 auf Rekordkurs: Stand 25. Spieltag reißen die 05er mit 40 Punkten gerade ihre drittbeste Bundesligasaison ab seit dem Erstaufstieg 2004.Die Bestmarken setzte Thomas...

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. Stand 25. Spieltag reißen die 05er mit 40 Punkten gerade ihre drittbeste Bundesligasaison ab seit dem Erstaufstieg 2004. In der ersten Phase unter Jürgen Klopp waren Erträge in dieser Größenordnung noch nicht darstellbar. Die Bestmarken setzte Thomas Tuchel: 43 Zähler 2010/11 und 41 Zähler 2013/14 – diese beiden Spielzeiten endeten mit dem Einzug in die Europaliga-Qualifikation. Am kommenden Sonntag laufen die Mainzer bei Borussia Dortmund auf. Und sollte die Elf von Martin Schmidt im Signal-Iduna-Park gegen ihren damaligen Chefcoach gewinnen, dann würden sie für den 26. Spieltag dessen Mainzer 43-Punkte-Bestmarke einstellen (die 05er verloren 2011 am 26. Spieltag zu Hause gegen Bayer Leverkusen mit 0:1). Natürlich ist Dortmund eine hohe Hürde. Der Tabellenzweite ist in der aktuellen Saison vor eigenem Publikum noch ungeschlagen mit zehn Siegen und zwei Remis und 34:9 Toren. Aber reizvoll ist der Überraschungsgedanke dennoch.

Und deshalb wollen wir vor dieser spannenden Begegnung im Ruhrpott noch mal einen Blick werfen auf jene Rekordsaison 2010/11, als die 05er am Ende mit 58 Punkten auf dem fünften Platz ins Ziel kamen. An jenem 25. Spieltag war das Tuchel-Team nach einem 4:2-Sieg beim Hamburger SV Fünfter. Mit einem Punkt Vorsprung vor: dem FC Bayern München unter Louis van Gaal (der dann am 10. April entlassen wurde). Wie sich die Zeiten ändern: Dritter war damals Hannover 96 mit 47 Zählern, Letzter Borussia Mönchengladbach mit 22 Zählern. Aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar. War aber so.

André Schürrle als Garant für Erfolgsweg

Der Garant für den Erfolgsweg in der zweiten Spielzeit unter Thomas Tuchel war André Schürrle. Der Stürmer aus Tuchels U19-Meistermannschaft schoss im Alter von 20 Jahren 15 Saisontore, er lieferte fünf Torvorlagen und er feierte sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Eine überragende Entwicklung. Dazu kam der von Schalke 04 ausgeliehene Zehner Lewis Holtby, der nach der sensationellen Startphase des Teams mit sieben Siegen in Folge nachließ, der aber am Ende vier Tore und gewaltige neun Torvorlagen stehen hatte. Und Angreifer Sami Allagui, oft nur Einwechselspieler, lieferte starke zehn Tore und vier Vorlagen ab. Mittelstürmer Adam Szalai war mit seiner Bilanz von 4/3 noch nicht der ganz gewichtige Faktor. Ebenso wie der Techniker Andreas Ivanschitz (3/2). Eine Topsaison spielte im kampf- und spielstarken Mittelfeld Elkin Soto (4/1).

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Auch damals gingen nicht alle Pläne auf. In der Winterpause trennte sich der Klub von den in der Bundesliga nicht zündenden Stürmern Morten Rasmussen (fünf Einsätze/zwei Tore), Haruna Babangida (ein Einsatz) und Felix Borja (0 Einsätze). Auch der vom Potenzial her überragende Offensivtechniker Jan Simak (ein Einsatz) spielte keine Rolle. Dafür gelangen dem Nachwuchsstürmer Petar Sliskovic bei neun Einsätzen zwei Tore. Und Neuzugang Marcel Risse führte sich ordentlich ein mit einem Treffer und fünf Torvorlagen. Und einer der Gewinner neben Zugang Marco Caligiuri war der kantige Rechtsverteidiger Radoslav Zabavnik. Und stark war auch Linksverteidiger Christian Fuchs, der gerade dabei ist, in England mit Leicester City Sensationsmeister zu werden.

Breite Auswahl an fähigen und im Profil unterschiedlichen Offensivspielern

Vergleicht man jene Rekordsaison mit der heutigen Situation, dann lässt sich – neben der Parallele mit einem großen 2:1-Sieg beim FC Bayern - festhalten: Einer der Schlüssel für eine Überraschung liegt in der breiten Auswahl an fähigen und im Profil unterschiedlichen Offensivspielern. Tuchel konnte damals mit Schürrle, Szalai, Allagui, Holtby, Ivanschitz, Soto, Risse oder Marcel Heller viel variieren, mit Einwechslungen neue Impulse setzen, Formkrisen und Verletzungen kompensieren. Für die Defensive kann man im Notfall auch mal Offensivspieler umfunktionieren, umgekehrt klappt das eher selten. Martin Schmidt hat eine ähnlich breite Auswahl: Der wuchtige Jhon Cordoba, demnächst wieder der flinke Yoshinori Muto, demnächst auch der lange Emil Berggreen, Jairo, Christian Clemens, Pablo de Blasis, der schnelle und bullige Karim Onisiwo ist auf dem Weg, und dann ist da natürlich noch der torgefährliche Zehner Yunus Malli. Und als Talente für die Zukunft gibt es da noch in der U23 einen Philipp Klement, einen Devante Parker und einen Patrick Pflücke.

Ohne Druck fahren die 05er nach Dortmund. Martin Schmidt gegen seinen Entdecker Thomas Tuchel. Mehr dazu im morgigen Blog.