Rehberg: Mainz 05-Spieler müssen sich wieder daran erinnern,...

Gegen Ingolstadt könnte Martin Schmidt auf den schnellen Techniker Bojan setzten. Foto: dpa

Die Bundesliga-Fußballer des FSV Mainz 05 haben vier Spiele ohne Erfolgserlebnis hinter sich. Auch der kommende Gegner, der FC Ingolstadt, steht nicht viel besser da. Für...

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. „Verlieren ist wie gewinnen. Nur umgekehrt.“ Diese alte Weisheit stammt von einem berühmten englischen Fußballmanager. Er wollte damit sagen, dass die Emotionen, die eine Niederlage auslöst, nicht minder starke Auswirkungen haben wie die Emotionen, die ein Sieg beschert. Haben Sie gesehen, wie breitbeinig und glücklich Sebastian Vettel seinem roten Ferrari entstiegen ist nach dem Formel 1-Sieg in Australien? Dem vierfachen Weltmeister, der in seinen eineinhalb Jahren ohne Rennerfolg desillusioniert durch die Boxengassen geschlichen ist, steht plötzlich wieder die Welt offen. Das Gefühl, da hätte einer die Festplatte gelöscht, ist verschwunden.

Die Mainzer Bundesliga-Fußballer haben vier Spiele ohne Erfolgserlebnis hinter sich. Das ist überschaubar. Da muss man nicht davon ausgehen, dass in dieser Mannschaft niemand mehr wüsste, wie Erfolg geht - und wie sich Erfolg anfühlt. An diesem Sonntag schlagen die 05er in Ingolstadt auf. Wir wissen: Dem Gegner geht es in seiner Lage nicht besser, eher schlechter.

Die Mannschaft, die es am Sonntag im Audi-Park schafft, die Begleitmusik „Misserfolg und Abstiegskampf“ auszuschalten, die Mannschaft, die es schafft, mit klarem Kopf, aufrechter Haltung und selbstbewusster Körpersprache aufzutreten, wird in diesem Duell einen emotionalen Vorteil haben. Der Tabellenvorletzte spürt: Wenn wir dieses Spiel nicht gewinnen, dann kann sich die Sache mit dem Verbleib in dieser Liga schon erledigt haben. Die Mainzer spüren: Wenn wir auch noch dieses Spiel verlieren, dann wird es da unten ganz eng. Die Trainer Maik Walpurgis und Martin Schmidt werden bis kurz vor dem Anpfiff versuchen, ihre Spieler von diesen belastenden Gedanken wegzuführen. Jürgen Klopp hat diese Aufgabe mal in die Werbeformel gepackt: Die Aussicht aufs Gelingen treibt mehr an als die Angst vor der nächsten Niederlage.

05er stehen keinem Giganten gegenüber

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Tatsache ist, dass die Ingolstädter in der Heimtabelle den letzten Platz belegen: 12 Spiele vor eigenem Publikum – nur zwei Siege, fette sieben Niederlagen, 12:21 Tore. Die 05er stehen da keinem Giganten gegenüber. Wenn wir davon ausgehen, dass sich beide Teams läuferisch und kämpferisch nichts schenken, dann werden die fußballerische Qualität, die Chancenverwertung und das Matchglück den Ausschlag geben. Manche Leute behaupten: Wer sehr viel investiert, wer an diesem Tag mehr will, wer mehr Qualität produziert – der hat auch mehr Glück. Nicht immer, aber häufig. Damit ist der Auftrag der 05er formuliert.

Die Spielart der Ingolstädter sollte den 05ern gelegen kommen. Walpurgis lässt seine Elf bedingungslos rennen, pressen und angreifen. Das Problem: Vorne benötigt der FCI viele Chancen, um zu treffen - hinten steht selten die Null. Die 05er sind in der Lage, einen Gegner vom eigenen Strafraum wegzuhalten - und über ihre Tempogegenstöße kann die Schmidt-Elf torgefährlich und effizient sein.

Mainz könnte Probleme bekommen, wenn die Schanzer sich verschanzen

Die Basis für diesen Ansatz legen die beiden Mittelfeldsechser und die beiden Seitenliniensprinter. Dieses Quartett muss die hintere Reihe schützen und im Vorwärtsgang schnell, konstruktiv und zielstrebig die gegnerischen Linien überwinden. Immer dann, wenn die Ingolstädter mit ihrem weit nach vorn verschobenen Gegenpressing einen Schritt zu spät kommen, bietet sich den 05ern die Chance, in die geöffneten Räume einzufallen und die Angriffszüge in die Tiefe zu verlagern. Dass die Schmidt-Elf Probleme bekommt, sollte der Gegner in Führung gehen und sich in der Folgezeit eng und massiert verschanzen, das wissen wir. Umgekehrt haben die Ingolstädter ein Problem.

Wird der Trainer in diesem sich sicher sehr leidenschaftlich entwickelnden Lauf- und Kampfspiel auf Bojan Krkic setzen? Ein Versuch wäre es wert. Der Techniker kann in der Umschaltung im Zentrum die erste Anspielstation sein. Ballannahme, aufdrehen, auf die seitlichen Sprintbahnen verlagern. In Ballbesitzphasen kann der erfahrene und führungswillige Spanier, der physisch aufgeholt hat, das Passspiel kultivieren. Sollte das nicht funktionieren, hat Schmidt für die Offensive genügend Optionen auf der Bank. Und diese Impulse können gerade in einem engen Raufspiel entscheidend sein.