Rehberg: Mainz 05 muss bei der Torhüterfrage Klarheit schaffen

Jonas Lössl. Archivfoto: Sascha Kopp

Mainz 05 und die Torhüterfrage: Bei den 05ern ergibt sich derzeit kein klares Bild, was diese Position betrifft. Jonas Lössl ist ein Thema. Martin Schmidt hat zum Ende des...

Anzeige

. Auf der Torhüterposition will jeder Klub und jeder Trainer Ruhe haben. Eine klare Nummer eins, dahinter ein talentierter junger Ersatzmann oder ein ins Alter gekommener Ersatzmann mit guter Vergangenheit, das ist das Wunschschema. Bei den 05ern ergibt sich aktuell kein klares Bild.

Jonas Lössl ist ein Thema. Martin Schmidt äußert sich zu seiner bisherigen Nummer eins sehr verhalten. Der Däne selbst hat eingeräumt, dass ihm der Cheftrainer keinen Garantieschein ausgestellt hat für die Rückrunde. Vorsichtig ausgedrückt. Man könnte auch vermuten: Schmidt hat den 28 Jahre alten Keeper angezählt. Um ihn herauszufordern, um ihn unter Strom zu setzen? Oder um ihn darauf vorzubereiten: Deine Position ist wacklig, wir schauen uns nach einer Alternative um?! Das weiß man nicht so genau. Schmidt hat zum Ende des Trainingslager in Marbella gesagt: Wenn es Verstärkungsmöglichkeiten gibt auf diesem Posten, dann ist das für uns eine Option. Damit hat der Schweizer ein Fenster geöffnet für Diskussionen. Was eine Nummer eins motivieren kann zu erhöhten Anstrengungen, was eine Nummer eins aber auch irritieren oder gar verunsichern kann.

Dem 32 Jahre alten Gianluca Curci haben die 05er die Freigabe erteilt, sich bei anderen Klubs umzuschauen. Ob der Italiener Bundesliganiveau hat, das wissen wir nicht. Curci hatte in seinen eineinhalb Jahren am Bruchweg nur ein paar wenige Testspieleinsätze. Klar ist: Wenn er gehen will, dann darf er gehen. Die bisherige Nummer zwei, Jannik Huth, hatte beim Trainingslager-Testspiel gegen Rotterdam einen unglücklichen Auftritt. Der 21-Jährige strahlt sehr viel Ruhe aus, er ist sprungstark, er hat in der Spieleröffnung eine hervorragende Technik mit beiden Füßen. Aber dem U21-Nationalspieler fehlt es - neben Dauerpraxis auf dem Feld - an Körpergröße. Das muss kein K.o.-Faktor sein. Aber Strafraumbeherrschung ist ein hohes Gut in der Bundesliga. Auf diesem Gebiet sammelt Jonas Lössl seine Pluspunkte. Florian Müller gilt als das größte Talent. Doch der 19-Jährige steckt noch mitten in einer Entwicklung. Der (wie Huth) aus der eigenen Jugend stammende Müller hat dem Mainzer Drittligateam in dieser Saison keine Spiele verloren, aber er hat seiner Elf auch keine Spiele gewonnen mit außergewöhnlich starken Leistungen.

Kann sich Jonas Lössl entscheidend steigern?

Anzeige

In Testspielen in der Vorbereitungszeit, in der alle Mannschaften in unterschiedlichen Belastungs- und Experimentierphasen stecken, ist es von jeher schwierig, grundsätzliche Erkenntnisse zu gewinnen. Da regnet es selten Torchancen. Entsprechend schwierig ist es für Torhüter, sich in den Vordergrund zu hieven. Kann sich Jonas Lössl entscheidend steigern? Wäre Huth der geeignete Mann, wenn er in mehreren Bundesligaspielen hintereinander zwischen den Pfosten stehen würde? Könnte sich der ganz junge Müller im Ernstfall als überzeugender Erstligakeeper präsentieren? Testspiele werden darauf keine sachlich-fachlich fundierte Antwort geben.

Martin Schmidt und Sportdirektor Rouven Schröder werden ohne glasklare Belege eine Entscheidung fällen müssen. Im Winter eine klassische Nummer zwei zu verpflichten, das würde keinen ganz großen Sinn machen. Junge, talentierte Torhüter hat Spezialtrainer Stephan Kuhnert auf dem Hof. Der ältere Torwart mit Erfahrung ist Jonas Lössl. Routinier Curci hat keine Zukunft im Klub. Wenn ein neuer Torhüter kommen sollte, dann müsste das eine Qualitätsentscheidung sein: vom Potenzial her besser als Lössl. Würde der Winterzugang dann sofort spielen, dann hätte der Klub mit Lössl einen gut dotierten 3,5-Millionen-Einkauf auf der Bank sitzen. Ungewöhnlich für Mainz 05.

Oder zielt Schmidt „nur“ ab auf eine aktuell verlässliche Nummer zwei? Dann ginge es eher um einen guten Mann am Ende seiner Laufbahn, der nicht viel kosten dürfte. Dann aber müsste der Trainer seinem aktuellen Stammkeeper in der Öffentlichkeit gnadenlos den Rücken stärken. Misstrauensbekundungen (oder zumindest vage Andeutungen in diese Richtung) helfen dem sehr selbstkritischen Lössl nicht.

Jonas Lössl hat keine gravierenden Schwächen in den Basistechniken eines Torwarts. Dem sympathischen Dänen fehlt womöglich nur die letzte Überzeugung, die Verrücktheit, das Adrenalin, jeden Ball töten zu wollen. Insbesondere in 50:50-Situationen. Beim 0:0 in Wolfsburg am 6. Spieltag hat der 28-Jährige seiner Mannschaft den Punkt fast alleine gerettet. Von diesen Schlüsselmomenten hätte Lössl ein paar mehr gebraucht. Ob die sich im neuen Jahr einstellen? Das weiß niemand. Trainer und Sportdirektor sollten zügig eine klare Entscheidung fällen. Mit einer Nummer eins, die nicht das absolute Vertrauen spürt, die noch lange Restsaison zu bestreiten, das wäre riskant.