Rehberg: Mainz 05 gegen Greuther Fürth - Da war doch was

Marco Caligiuri, Jan Kirchhoff und Nikolce Noveski (von links) verfolgen den Fürther Sercan Sararer. Archivfoto: Sascha Kopp

Die Geschichten sind viel zu schön, als dass man sie nicht immer wieder erzählen könnte. Am Mittwochabend treten die 05er in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim...

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. Beginnen wir mit Jürgen Klopp. Am 25. Februar 2001 wurde der langjährige 05-Kapitän bei einem trostlosen 1:3 im Fürther Playmobilstadion in der 69. Minute von Trainer Eckhard Krautzun ausgewechselt. Der damals 32 Jahre alte Klopp sollte nie wieder auf den Rasen zurückkehren. Es war das letzte von 325 Zweitligaspielen, die der Mentalitätsspieler in seinen elf Jahren als Profifußballer für den Bruchwegklub bestritten hat. Ende. Warum? Drei Tage später beurlaubte Christian Heidel im Kurztrainingslager in Bad Kreuznach den ratlosen Krautzun – und an jenem Fastnachtsdienstag beförderte der 05-Manager den gesundheitlich angeschlagenen Spieler Klopp mitten im tobenden Abstiegskampf zum Cheftrainer. Der junge Mann ohne Lizenz, dessen Fachwissen gründete auf der Arbeit unter Wolfgang Frank, regelte die Mission. Übrigens: Jene Fürth-Partie war auch das letzte Ligaspiel als Trainer für den damals 60 Jahre alten Krautzun. Der Weltenbummler leitete danach nur noch mal die tunesische Nationalmannschaft und die U20 von China an.

In der Saison darauf marschierten die 05er mit Klopp als Seriensieger durch die Vorrunde. 39 Punkte. Nur zwei Niederlagen. Eine davon, natürlich: ein 2:3 in Fürth. Am vorletzten Spieltag benötigten die 05er zum angestrebten ersten Bundesligaaufstieg in der Klubgeschichte „nur“ noch einen Heimsieg gegen die Kleeblätter. 28. April 2002. Der heutige Leipziger Trainer Ralph Hasenhüttl brachte die Gäste im voll besetzten Bruchwegstadion in Führung, Michael Thurk gelang nur noch der Ausgleich. Am letzten Spieltag vergeigten die Mainzer ihren Traum mit dem 1:3 bei Union Berlin. Der VfL Bochum unter Peter Neururer sprang auf den dritten Aufstiegsplatz. Und wer feierte danach mit dem VfL eine feucht-fröhliche „Bundesligaparty“ auf Mallorca? Der heutige 05-Sportdirektor Rouven Schröder. Damals ein 27 Jahre alter Abwehrspieler, der es in seinen 16 Saisoneinsätzen auf drei Tore gebracht hatte und der danach zum MSV Duisburg wechselte.

Nach siebeneinhalb Jahren auf dem Trainerstuhl in Mainz verabschiedete sich Jürgen Klopp im Sommer 2008 nach Dortmund. Sein Nachfolger: Jörn Andersen. Der empfing am vorletzten Hinrunden-Spieltag als Zweitliga-Spitzenreiter die SpVgg Greuther Fürth. 5. Dezember 2008. Die 05er rannten dem ausschließlich verteidigenden Gegner die Bude ein. Gäste-Trainer Eugen Hach wechselte spät einen 19 Jahre alten Zweitligadebütanten ein. Und dieser Sercan Sararer schoss in der 90. Minute für die Fürther das 1:0-Siegtor. Dieser schnelle Stürmer spielt inzwischen wieder in Fürth. Am vergangenen Sonntag hat er beim 0:1 der Kleeblätter bei Eintracht Braunschweig schon in der 29. Minute einen Platzverweis kassiert, er hatte Gelb-belastet eine Eckfahne umgetreten. Im Pokalspiel am Mittwochabend darf der Dribbler auflaufen. Sararer wird sich noch gut daran erinnern, gegen wen er vor acht Jahren sein erstes Tor als Profi geschossen hat…

Vor dem vorletzten Spieltag jener Saison 2008/09 war klar, dass die 05er mit einem Sieg den Aufstieg nach menschlichem Ermessen nicht mehr würden vermasseln können. Das Problem: Die Fahrt führte nach Fürth. Andersen kannte die Statistik: Von bis dahin zehn Zweitligaspielen bei den Franken hatten die Mainzer noch nie eines gewonnen – aber NEUN verloren! Andersen sprach sehr gut deutsch, aber den „Fluch“ hatte er nie richtig verstanden. Der Norweger sprach in den Tagen vor dieser wichtigen Partie immer von „die Fürth-Flucht“. Ein Mainzer Radioreporter hat damals aus diesem Zitat für die Kollegen einen lustigen Handy-Klingelton gebastelt. 17. Mai 2009. Die 05er traten die Flucht nach vorne an und beendeten den Fluch: 2:0 im Playmobilstadion nach Toren von Markus Feulner und Elkin Soto. Der erste Sieg in Fürth! Am Finaltag machten die Mainzer den zweiten Bundesligaaufstieg perfekt.

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Die beiden bis heute letzten Duelle mit der SpVgg bestritten die 05er unter Thomas Tuchel in der Bundesligasaison 2012/13. Am zweiten Spieltag lebte der „Fürth-Fluch“ wieder auf: Der belächelte Aufsteiger aus dem Frankenland gewann in der Coface Arena mit 1:0, ein gewisser Felix Klaus traf in der 67. Minute für die abwehrstarken Gäste – die ihren ersten Bundesligasieg in der Vereinsgeschichte feierten wie einen Titelgewinn. Das Rückrundenspiel in Fürth gewann die Tuchel-Elf allerdings souverän mit 3:0. Nach zwei Toren von Adam Szalai und einem Treffer des jungen - damals im defensiven Mittelfeld aufgebotenen - Yunus Malli. Zur Pause hatte Tuchel den technisch überragenden, aber zur Lethargie neigenden Marco Caligiuri ausgewechselt. Der 32-Jährige ist heute in Fürth der Chef einer Abwehrreihe, die als Dreizehnter der Zweiten Liga in zehn Spielen schon 18 Gegentreffer kassiert hat.

In jener Spielzeit 2012/13 arbeitete Rouven Schröder am Fürther Ronhof. Ab dem 25. Juni 2012 als Koordinator der Lizenzspielerabteilung, ab dem 4. Januar 2013 als Sportlicher Leiter und ab dem 20. Februar (nach der Beurlaubung von Mike Büskens) auch noch für ein paar Tage als Assistent von Interimscoach Ludwig Preis. Dreieinhalb Jahre später kreuzt der in der vergangenen Woche 40 Jahre alt gewordene Fachmann als Mainzer Sportdirektor bei den Kleeblättern auf.