Rehberg: Lewandowski könnte die Kritiker verstummen lassen

Robert Lewandowski (rechts). Foto: dpa

Zuletzt stand er unvermittelt in der Kritik: Robert Lewandowski, Torjäger des FC Bayern München. Dass er auch in den großen Spielen treffen kann, muss der Pole am Dienstag in...

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. Dietmar Hamann hat mit dem FC Bayern die Deutsche Meisterschaft gewonnen, den DFB-Pokal und auch den Uefa-Pokal. Mit dem FC Liverpool hat der einstige Mittelfeldstratege sogar die Champions League gewonnen. Der heutige Sky-Experte wird also an diesem Dienstagabend, wenn Bayern München im CL-Achtelfinale in Liverpool antritt, sehr emotional dabei sein. Und sehr, sehr genau hinschauen wird der ebenso scharf wie fachmännisch urteilende Kritiker bei: Robert Lewandowski.

Hamanns heftige Kritik

Vor 14 Tagen hat Hamann gegen den Torjäger des FC Bayern eine Fundamentalkritik rausgeballert. Lewandowski sei nicht mehr genügend engagiert im Sturmzentrum, er gehe nicht mehr die ganz weiten Wege, er habe eine negative Körpersprache, er sei isoliert im Kader, er sei ein von sich sehr überzeugter Einzelgänger, in den wirklich bedeutenden Spielen treffe er nicht, er sei längst ein Problem für diese Mannschaft – und von daher sollte der Klub den Polen im kommenden Sommer verkaufen.

Das kam sehr unvermittelt. Und das war hart. Knochenhart. Sollte Lewandowski in den beiden Spielen gegen den Vorjahres-Finalisten FC Liverpool keine guten Szenen haben, dann wird sich Hamann bestätigt fühlen. Und dennoch müsste man auch dann konstatieren: Der Sky-Kritiker hat den falschen Zeitpunkt gewählt für seine sehr grundsätzliche Attacke. Die aktuelle Saison: 13 Tore plus acht Torvorlagen in der Bundesliga, acht Tore in sechs Champions-League-Spielen – da braucht es viel Phantasie, um den Polen zu einem Problemfall zu stilisieren. Jürgen Klopp, der den Mittelstürmer einst als junges und phlegmatisches Talent nach Dortmund geholt hat, wird als Trainer der „Reds“ Hamanns Einschätzung nur schwer nachvollziehen können.

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Lewandowskis hängende Schultern

Kurz gesagt: Einen Hang zur Lethargie hatte Lewandowski schon immer; wegwerfende Handbewegungen oder hängende Schultern hat man bei ihm schon immer gesehen, wenn er sich in einer günstigen Strafraumposition übergangen gefühlt hat; inaktive und/oder unkonzentrierte Phasen in der vordersten Linie hatte der Techniker auch schon immer; „Sitzstreiks“ mit hoch erhobenen Armen nach gar nicht mal so harten Fouls - auch nicht neu. Aber ob seiner Trefferbilanzen hat man dem nahezu nie verletzten Leistungsträger all das wohlwollend nachgesehen. 193 Tore in 280 Bundesligaspielen, 26 Tore in 39 DFB-Pokalspielen, 53 Tore in 78 Champions-League-Spielen.

Weltweit gibt es nur zwei Toremacher, die das besser können: Lionel Messi und Ronaldo. Das sind zwei Künstler, die regelmäßig auch die ganz großen Spiele ihrer Klubs entschieden haben und entscheiden. Das ist das Einzige, was Lewandowski fehlt: Die ganz großen Auftritte in den ganz großen Spielen.

In den vergangenen fünf Jahren ist der FC Bayern in der Champions-League einmal im Viertelfinale (Real Madrid) und viermal im Halbfinale (zweimal Real Madrid, FC Barcelona, Atletico Madrid) gescheitert – und fast immer hatte Lewandowski in den Entscheidungsspielen nicht seinen besten Tag. Und genau an diesen Tagen wirkt der Stürmer phasenweise, als mangele es ihm an Willenskraft. Aber wir dürfen davon ausgehen: Klopp wird den FCB-Mittelstürmer am Dienstagabend an der Anfield Road extrem scharf bewachen lassen.