Rehberg: Lauf- und Kampfkraft gepaart mit Sprintpotenzial

Blogger Reinhard Rehberg meint, Mainz 05 kann nur über das Kollektiv gegen Schalke 04 bestehen. Foto: dpa

Den 05ern geht es nicht gut. Und das Heimspiel am Mittwochabend gegen RB Leipzig ist auch kein Wellnessprojekt. Wie die Mainzer gegen Leipzig bestehen könnten, erklärt unser...

Anzeige

. Die Konzernkicker aus Leipzig haben einen glasklaren Spielansatz. Da wird in jeder Zone der Gegenspieler in hohem Anlauftempo und aggressiv unter Zeitdruck gesetzt – und nach den Balleroberungen spielen die Leipziger nach vorne konsequent ihre Geschwindigkeitsvorteile aus. Aus der disziplinierten „Soldaten-Elf“ ragen zwei Ausnahmekönner heraus: Naby Keita und Emil Forsberg. Allerdings: Die brutale fußballerische Stabilität und Erfolgsmentalität aus der Hinrunde hat das Team von Ralph Hasenhüttl im Verlauf der Rückrunde eingebüßt.

Da war das 0:3 zu Hause gegen den Hamburger SV, da war das mühsame 2:2 in Augsburg, da war das 0:1 zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, da war das 0:3 in Bremen. Und selbst beim jüngsten 4:0 in Leipzig hatte das Schlusslicht Darmstadt 98 ein halbes Dutzend ordentlicher bis guter Torchancen. In all diesen Spielen hat sich gezeigt: Wer es schafft, den ersten Pressingwall von RB zu überwinden, der findet bespielbare Räume. Und: Wer sich in den Mittelfeldzonen keine leichten Ballverluste leistet, der nimmt RB das Futter für die blitzartigen offensiven Umschaltüberfälle auf den ganz kurzen Wegen.

Pressingmaschinerie mit langen diagonalen Flugbällen überwinden

Und damit sind wir bei den Mainzern. Auf einen Schlagabtausch im Mittelfeld wird sich Martin Schmidt nicht einlassen. Dieser Ansatz würde die Gefahr bergen, mit zu vielen Ballverlusten in den relevanten Zonen den Leipzigern in die Karten zu spielen. In diesen 90 Minuten könnte es ratsam sein, die gegnerische Pressingmaschinerie mit langen diagonalen Flugbällen zu überwinden. Und dann geht es im Angriffsdrittel in den Kampf um die abgewehrten Bälle. Da hat man eine Erfolgschance von etwa 50 Prozent. Das ist nicht viel. Aber auch bei den Bällen, die sich der Gegner schnappt, regnet es nicht sofort gefährliche Konterzüge. Denn die Wege nach vorne sind für RB in diesen Fällen noch weit. Es macht für die Leipziger einen Unterschied, ob sie die Kugel an der Mittellinie klauen oder 30, 40 Meter weiter hinten.

Anzeige

Das Konzept würde dann lauten: Gut organisiert, massiert, engmaschig und aggressiv in einer Blockstellung verteidigen – und nach aktiven Balleroberungen sehr zügig, geradlinig und zielstrebig nach vorne umschalten. Wenn Letzteres gerade nicht geht, dann muss der lange Schlag helfen.

Demnach müsste der 05-Coach eine Startelf bauen, die Lauf- und Kampfkraft verbindet mit Sprintpotenzial. Danny Latza ist der Mittelfeldkämpfer, der auch die technischen Voraussetzungen hat für die präzise Einleitung des offensiven Umkehrspiels. Latza fehlt heute Abend. Gelb-Sperre. Jean-Philippe Gbamin ist der wuchtige Mittelfeldkämpfer, der im Gegenzug auch mit Ball am Fuß Räume überwinden kann. Dessen Partner? Fabian Frei oder Ramalho. Frei ist der mit Abstand bessere Passspieler, Ramalho ist der mit Abstand giftigere Zweikämpfer. Frei oder Ramalho? Frei. Ramalho wirkt als Mittelfeldspieler zuweilen sehr unstrukturiert.

05-Konterqualität hat nachgelassen

Als Seitenliniensprinter bieten sich Levin Öztunali, Pablo de Blasis, Jairo und Robin Quaison an. Öztunali hat immer einen Vorteil, weil auch seine mit dem Spann geschlagenen Freistoßflanken, die im Fünfmeterraum herunterfallen und gefährlich Richtung Tor eiern, wertvoll sind für die Erzeugung von Torgefahr.

Die Konterqualität der 05er hat nachgelassen in der Rückrunde. Woran mag das liegen? Nicht nur, aber auch daran: Schmidt hat noch keinen Mann gefunden, der im vorderen Mittelfeld den ersten oder zweiten Umschaltpass sicher verarbeitet und weiterleitet. Diese Rolle füllte mal der technisch versierte Tempodribbler Yunus Malli aus. Nicht immer wirkungsvoll, aber er war da. Jetzt beackert meistens Jhon Cordoba diesen Raum. Doch dem Mittelstürmer steht immer ein aggressiv nach vorn verschiebender Innenverteidiger auf den Füßen. Und in der Folgeaktion fehlt dann in der Spitze der Strafraumkiller.

Anzeige

Wer bietet sich sonst noch an als flexible erste Umschaltadresse im Zentrum? Der wendige Techniker Bojan Krkic müsste in diese Rolle hineinwachsen können. Oder Jairo - als nach innen einlaufender Außenspieler. Vielleicht auch der robuste Quaison. Yoshinori Muto hat nicht viel Zeit bekommen, sich dort einzuspielen und zu etablieren. Worum geht es bei dieser Aufgabe? Gutes Freilaufverhalten, sichere Ballannahme, schnelle Drehung, Dribbling oder präzise Verlagerung auf die Seiten, konsequentes Nachrücken Richtung Strafraum. Wenn Schmidt für diese Rolle eine Lösung findet, dann wird sich auch der aufopferungsvoll schuftende Cordoba wieder wohler fühlen.