Rehberg: Kroatien kämpft sich mit Herzblut ins Finale

Mario Mandzukic. Foto: dpa

Kroatien steht im Finale. Da hat sich eine Mannschaft mit Überraschungspotenzial mit Herzblut und Willen bis zum Ende durchgekämpft. Frankreich gegen Kroatien lautet der...

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. Kroatien steht im Finale. Da hat sich eine Mannschaft mit Überraschungspotenzial mit Herzblut und Willen bis zum Ende durchgekämpft. Frankreich gegen Kroatien lautet der Showdown bei der WM 2018. Der 2:1-Halbfinalsieg der Kroaten gegen England geriet spektakulärer als das extrem zweckmäßige 1:0 der Franzosen gegen Belgien.

Mario Mandzukic. Der ewig grimmig dreinschauende Mittelstürmer ist viel gerannt bei dieser WM. Der 32-Jährige wurde in der Verlängerung der Viertelfinalpartie gegen Russland von Krämpfen geplagt. Kaputt, fertig, ausgelaugt. Man dachte, der Kerl muss vier Wochen in die Eistonne, bevor er noch mal einen schnellen Schritt wagen kann. Gegen die Engländer sah der Juve-Star lange so aus, als sei dieses Halbfinale tatsächlich eine Belastungseinheit zu viel für den Routinier. Doch in der 109. Minute war Mandzukic da. Und in Kroatien bebte die Erde.

Mandzukic nutzte seine große Erfahrung

Vielleicht war das der Unterschied zwischen zwei gleichstarken Teams: Harry Kane gegen Mario Mandzukic. Der englische Torjäger hatte eine einzige Torszene in diesen sich dramatisch zuspitzenden 90 Minuten. Da wickelte der Topstürmer von den Tottenham Hotspurs in der ersten Halbzeit die Kugel aus 20 Zentimetern Entfernung um den Pfosten. Zu diesem Zeitpunkt führten die Engländer mit 1:0 - ein 2:0 wäre womöglich schon die Entscheidung gewesen. Die Kroaten fanden nicht zu ihrer Leistung. Aber die Elf von Gary Southgate bemühte sich fortan kaum noch um ein mögliches 2:0. Mandzukic? Nahezu unsichtbar.

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Als die Kroaten nach etwa einer Stunde das Risiko ein wenig erhöhten, nutzten die Engländer immer noch nicht die sich auftuenden offenen Räume in der gegnerischen Spielhälfte. Das 1:1 entsprang eher dem Zufall. Ivan Perisic hatte mit seinem langen Bein aus dem Rücken des Gegenspielers heraus eigentlich keine Chance. Dieser Moment befeuerte die Kroaten emotional. Mandzukic? Nahezu unsichtbar. Kane? Kaum ein Ballkontakt.

Und dann nutzte Mandzukic in der Verlängerung seine große Erfahrung. Am Ende war der ehemalige Bayern-Torjäger zweimal am hervorragend parierenden englischen Keeper Harry Pickford gescheitert. Und elf Minuten vor dem Abpfiff tat Mandzukic das, was große Torjäger auszeichnet: Die sind da, wenn die gegnerische Abwehr auch nur den kleinsten Fehler macht. Harry Kane? Der 24-Jährige wirkte resigniert. Während Mandzukic trotz mangelnder Zuspiele und Präsenz immer die Antennen ausgefahren behielt, um noch zuschlagen zu können, war Kane längst auch mental abgetaucht.

Überzeugung und Teamgeist

Die Kroaten sind nie hektisch geworden, sie haben Geduld bewiesen, sie haben weniger Fehler gemacht als der Gegner. Die Engländer hatten noch eine Chance in der Verlängerung, als der Standard-Kopfball von Harry MacGuire auf der Torlinie geblockt wurde. Ansonsten hat das Team von Southgate es versäumt, das höhere Geschwindigkeits-Potenzial auszuspielen. Die Konterpässe saßen nicht. Lingard und Allie, die beiden hoch talentierten offensiven Mittelfeldspieler, fanden nach der guten Startphase nicht mehr zu klaren, tempogeladenen Aktionen. Die Kroaten hielten den Glauben an einen sensationellen Finaleinzug hoch. Dem Mittelfeld-Duo Rakitic und Modric gelang auch nicht viel, aber die Mannschaft von Mario Dalic blieb immer sicher in der taktischen Ordnung, nach hinten und nach vorne.

Drei Verlängerungen haben die Kroaten nun schon gespielt in der K.o.-Phase dieses WM-Turniers. Der Finaleinzug zeugt von Überzeugung, von Teamgeist, von Widerstandskraft und von Willensstärke. Und einem Mario Mandzukic traut man jetzt auch das entscheidende Tor im Endspiel zu. Auch wenn er ansonsten womöglich überhaupt nicht mehr zu sehen ist.