Rehberg: Kovac oder Favre? Wer macht den Meister?

Niko Kovac. Foto: dpa

Beim Duell zwischen Bayern München und Borussia Dortmund um die Meisterschaft stehen auch die zwei Trainer im Mittelpunkt. Kurios dabei: Beide sind bei ihren Vereinen trotz...

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. Am Samstag gegen 17.20 Uhr wissen wir, wer Deutscher Meister 2019 ist. Die Bayern brauchen nach menschlichem Ermessen im Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht nur noch einen Punkt, um als Erster über die Ziellinie zu fallen. Borussia Dortmund muss in Mönchengladbach gewinnen - und ein Betreuer muss mit einem Ohr 90 Minuten am Handyradio hängen und hören, ob die Frankfurter in München die Sensation schaffen. Vorteil Bayern.

Was dieses Duell besonders macht, das ist die Tatsache, dass beide Trainer keine Lobby haben. Kurios. Beginnen wir bei Lucien Favre. Der Schweizer hat mit seiner detailversessenen Arbeit in rasender Geschwindigkeit aus einer Dortmunder Problem-Mannschaft ein Siegerteam geformt. 42 Punkte in der Hinrunde. Grandios. Aber seine Mannschaft hat in einer Schwächephase neun Punkte Vorsprung auf die Bayern verspielt. Und nachdem der BVB das Heimderby gegen Schalke 04 vergeigt hatte, da gab Favre umgehend die Meisterambitionen auf. Ab diesem Zeitpunkt wuchs die Kritik an dem feinsinnigen, zurückhaltenden, manchmal schüchtern-zerbrechlich wirkenden Grübler und Zweifler.

Die Frage tauchte auf: Ist das der charismatische Anführer und Motivator, der seine Spieler in stürmischen Zeiten mit eisernem Überlebenswillen und hoch erhobenen Haupt ins gelobte Land hievt?

Hans-Joachim Watzke ist dann stellvertretend ein wenig in diese Rolle geschlüpft. Der Klubchef setzte sich in einer Pressekonferenz neben seinen Trainer und formulierte eine Kampfansage. Der große Druck sei jetzt nach Süden abgewandert. Und Favre hat man intern beigebracht, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Floskel zu bemühen: „Es ist noch alles möglich!“ Dabei wirkte Favre so überzeugend wie ein kleiner Kläffer vor einer riesigen Bulldogge. Als wollte er eigentlich sagen: Wenn wir in Gladbach nicht gewinnen, dann ist es aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen noch möglich, dass wir vielleicht nicht mal in die Champions League einziehen…

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Und die Dortmunder erinnern sich seitdem an einen gewissen Jürgen Klopp, der 2011 und 2012 seine Titelmissionen durchgezogen hat, mit der motivierenden und jeden Mitarbeiter erleuchtenden Strahlkraft einer 5000-Watt-Birne.

Kommen wir zu Niko Kovac. In München ist der Boss Karl-Heinz Rummenigge der Meinung, er müsse seinen Trainer täglich unter Spannung halten. Der im Traineramt noch relativ unerfahrene Kovac hat eine komplette Saison gegen Zweifel ankämpfen müssen. Seit dem Champions League-Aus gegen den FC Liverpool rettet den Berliner Kroaten nicht mal die große Aufholjagd in der Bundesliga vor einer permanenten Hinterfragung aus dem eigenen Haus.

Kovac ist in diesem intern erzeugten und ständig neu angekurbelten Gewitter immer ruhig geblieben. „Bei Bayern München muss man liefern“, erzählt Rummenigge in einer Endlosschleife. „Wenn wir Meister werden, dann können wir mit Niko Kovac feiern. Kein Problem!“ Ach so, es ist kein Problem, mit einem Meistertrainer ein paar große Gläser Weißbier zu leeren und ein paar Jubellieder zu singen. Wie gönnerhaft. Aber wenn der Chefcoach eine Woche später das DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig nicht gewinnen sollte, dann…?

Dass TV-Journalisten bei Rummenigge ständig auf einem Job-Garantie-Bekenntnis zugunsten von Kovac beharren, das ist natürlich Unfug. In diesem Klub, dem deutschen Branchengiganten, extrem hohe sportliche Ansprüche zu stellen, das ist nicht unmenschlich. Aber die Führungsriege könnte in der entscheidenden Saisonphase auch mal freundlich sein, unterstützend wirken – oder einfach mal die Klappe halten.

Die Bayern werden in diesem Transfersommer 200 bis 300 Millionen Euro investieren. Und da lautet die Frage: Ist der bodenständige Facharbeiter Kovac der Mann, der diesen neu aufgestellten und dann sicher auch sehr edlen Kader mit einer glasklaren Handschrift ohne Umwege wieder an die europäische Spitze führt? Die Antwort auf diese strategische Frage geben nicht nur Titel. Aber: Ein abgezockter Welttrainer wie Carlo Ancelotti ist an dieser Aufgabe auch schon gescheitert. Inhaltlich.

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Wer wird der Meistertrainer? Favre oder Kovac? Eines wissen wir: Einen intern umstritteneren Meistertrainer hat es lange nicht mehr gegeben.