Rehberg: Koo - ein Transfer, der Sinn macht

Vor dem 05-Logo: Ja-Cheol Koo. Foto: dpa

Reinhard Rehberg blickt im Blog auf das Geschehen bei Mainz 05: Vier Millionen Euro für Ja-Cheol Koo. Mindestens. Die 05er haben bezüglich Transferausgaben einen Rekord...

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. Ja-Cheol Koo. Ablöse: vier Millionen Euro, dazu kommen wahrscheinlich noch ein paar Nebengeräusche, sollte der FSV Mainz 05 Erfolg haben mit diesem Wintereinkauf. Rekordtransfersumme für den mittelständischen Fußball-Bundesligisten aus Rheinhessen. Wahnsinn? Dramatisch erhöhte Risikobereitschaft? Eher nicht. Die WM 2014 steht vor der Tür. Koo ist Kapitän der südkoreanischen Nationalmannschaft. Zwei, drei starke Spiele des Mittelfeldspielers beim Eliteturnier in Brasilien, und der Marktwert des 24-Jährigen kann sich schon verdoppelt oder verdreifacht haben. Englische Klubs zahlen diese Summen. Koo ist ein klassischer Transfer mit Mehrwertperspektive.

In der Pressekonferenz am Donnerstag vor dem Rückrundenauftakt der 05er beim VfB Stuttgart hat Thomas Tuchel bemerkenswerte Sätze zur Konkurrenzsituation der Mainzer verlautbart. Die Bundesliga habe an Qualität enorm zugelegt in den viereinhalb Jahren, in denen der 40-Jährige am Bruchweg der Cheftrainer ist. Die Liga sei im physischen, im fußballerischen, im taktischen Bereich stärker geworden, individuell und mannschaftlich. In der Spitze, vor allem auch in der Breite. Spiele zu gewinnen, das sei zunehmend schwieriger geworden. In der Breite sei die deutsche Eliteliga sehr stabil mit die stärkste in Europa.

Mehr laufen, schneller laufen, öfter schneller laufen

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In diesem brutal engen, ausgeglichenen Wettbewerb müssen sich die wirtschaftlich durchschnittlich ausgestatteten Klubs von jeher mit besonderen Anstrengungen behaupten. Mario Gomez, der ehemalige Torjäger des FC Bayern München, hat vor drei Jahren mal erzählt: "Wir sind die faulste Mannschaft, aber wir schießen die meisten Tore." Darauf war der heutige Stürmer des AC Florenz stolz. Dann wurde Borussia Dortmund zweimal hintereinander Deutscher Meister. Mit welchem Ansatz? Jürgen Klopp ließ emotional aufgeladene Spieler mehr laufen, schneller laufen, öfter schneller laufen, pressen und offensiv umschalten auf Teufel komm raus.

Wenn nun schon eine Spitzenmannschaft mit diesem auf mehr physischen Invest angelegten Konzept im Zweikampf mit dem Branchengiganten FC Bayern den Unterschied erzwingt, dann sagt das etwas aus über den Wettbewerbsdruck, dem die "kleinen" Klubs unterliegen. Nur mit emotionalem und athletischem Mehraufwand ist es längst nicht mehr getan. Rennen, pressen, sich mit Leidenschaft verausgaben, das machen die in der individuellen Qualität hoch überlegenen Großen auch - und erst recht die tabellarischen Hinterbänkler.

Über einen Plan verfügen alle

Taktisch haben alle Bundesligisten einen Plan. Raumverengung im Kettenverschiebesystem, Überzahlsituationen in der Nähe des Balles, Balljagd und Balleroberung, Muster im Anlaufverhalten und im Eröffnungsspiel, taktische Flexibilität - aus der Tiefe heraus die Kugel am Boden halten und sicher kombinieren, wenn der Gegner im engen Block verteidigt, blitzschnelle offensive Umschaltüberfälle in Situationen, in denen der Gegner defensiv ungeordnet ist -, all das gehört in der Bundesliga längst zum Standardrepertoire. Und seit Experten wie Jupp Heynckes und Pep Guardiola das auch den Bayern-Stars beigebracht haben, hat Borussia Dortmund keine Titelchance mehr.

Was das für den FSV Mainz 05 bedeutet? Das Tuchel-Team kann ab und an auf der Basis der gerade beschriebenen Grundlagen die bessere Tagesform haben und intelligenter spielen als der Gegner. Auf Sicht aber hat die Wettbewerbsfähigkeit in hohem Maße auch zu tun mit der Verbesserung der individuellen Qualität. Und dafür steht zum Beispiel der zweifellos teure Ja-Cheol Koo.