Rehberg: Kontinuität? In Paris ein Fremdwort

Der Präsident von Paris Saint-Germain, Nasser Al-Khelaifi. Archivfoto: dpa

Das im vergangenen Sommer mit 400 Millionen Euro aufgemöbelte Paris Saint-Germain war beim 1:2 im Heimspiel gegen Real Madrid nahezu chancenlos. Trainer Unai Emery wird nach...

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. Der Standardspruch kursiert immer noch. „Geld schießt keine Tore.“ Dann kommt das Gegenargument. „Doch, Geld schießt Tore.“ Dann wird es schon mal satirisch: „Hast du schon mal einen Geldschein gesehen, der ein Tor schießt?“ Sagt der andere: „Nö, aber mit Geld kannst du dir die besseren Stürmer kaufen.“ Entgegnet der andere: „Das ist aber keine Garantie, dass der bessere Stürmer auch regelmäßig trifft und dass der vor allem auch regelmäßig die entscheidenden Tore macht.“ Lange Rede, kein Sinn: Cristiano Ronaldo hat 100 Millionen gekostet – und der Portugiese trifft immer, vor allem auch in den entscheidenden Momenten.

Ein bemerkenswerter Spieltag in der Champions League hat das wieder unter Beweis gestellt. Traditionalisten werden sich darüber gefreut haben, dass Paris St. Germain schon im Achtelfinale gescheitert ist. Das im vergangenen Sommer mit Ablöse-Investitionen von 400 Millionen Euro aufgemöbelte katarische Staatsunternehmen war beim 1:2 im Heimspiel gegen Real Madrid nahezu chancenlos. Fußballexperten hatten mehr Gegenwehr erwartet von dem Team um Trainer Unai Emery. Der Spanier hat mit dem FC Sevilla dreimal die Europaliga gewonnen. Nun steht der erfolgsverwöhnte Fachmann in Paris vor dem Aus.

Keine Kontinuität

Auch diese Ungeduld von PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi, der zuvor schon Toptrainern wie Laurent Blanc und Carlo Ancelotti keine Zeit gegeben hatte, führt dazu, dass diese Mannschaft, die seit 2011 mit 935 Millionen Euro aus Katar gepusht worden ist, immer wieder von vorne beginnen muss. Blanc war der Meister der disziplinierten Defensivkunst, Ancelotti war der Meister der freizügigen Offensivkunst, Emery ist der Lehrer eines kontrollierten Kombinationsfußballs. Kontinuität? Zeit für nötige Entwicklungsprozesse innerhalb eines mittelfristig angelegten Plans? Darauf steht Al-Khelaifi nicht. Der französische Meistertitel ist nicht mehr als ein Pflichtprogramm. Wer die Champions League nicht binnen maximal zwei Jahren gewinnen kann, der fliegt.

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Im Hinspiel in Madrid hat PSG eine Stunde lang einen guten Fußball gespielt. Dann glitt der Elf, die beim Stand von 1:1 lange auf dem Weg zu einem Auswärtssieg war, die Partie aus den Fingern. Real schoss mit höchster Effizienz noch zwei späte Tore. Weltstar Neymar zeigte dynamische Tempodribblings. Auf der Gegenseite bot Ronaldo eher wenig. Neymar hatte ein paar kläglich gescheiterte Abschlussversuche. Ronaldo traf zum 2:1. Im Rückspiel fehlte der frisch operierte brasilianische 222-Millionen-Stürmer. Killer Ronaldo beerdigte mit seinem Kopfballtor zum 1:0 für Real alle Träume der reichen Franzosen. Die Pariser spielten sich in ihrem drucklosen Kurzpassstil einen Wolf gegen das defensiv glänzend organisierte und nach vorne sehr flexible Madrider 4-4-2. Trainer Zinedine Zidane hatte für diese schmucklose Variante sogar seine - in der Woche zuvor leicht angeschlagenen - Mittelfeldstars Toni Kroos und Luca Modric auf die Bank gesetzt.

Der Emir wird wieder Scheine locker machen

Hätte PSG mit Neymar besser ausgesehen? Das ist reine Spekulation. Erkennbar war, dass gegen das unendlich erfahrene Real-Team mehr passen muss als „nur“ individuelle Sonderklasse. Mittelstürmer Cavani, der das 1:1 besorgte, war ansonsten abgeklemmt vom Kurzpassfestival. Rechtsaußen Mbappé, das Wundertalent mit den flotten Beinen, hatte gar keinen Plan. Der 35 Jahre alte Thiago Motta war im zentralen Mittelfeld nie in der Lage, Tempo aufzuziehen. Nebenmann Verrati, im Hinspiel der überragende Zweikämpfer und Antreiber, hat gegen tief und engmaschig stehende Defensivreihen keine kreativen Mittel. Und dem jungen Franzosen Rabiot mangelt es auf Topniveau an Dynamik und Torgefährlichkeit.

Real ist der nächste CL-Titel zuzutrauen. Das ist jetzt eine Mannschaft, die in der Liga satt ist, die sich aber zu den Höhepunkten der Saison noch sehr gezielt aufschwingen kann zu vor Erfahrung triefenden Effizienz-Leistungen. Und Ronaldo trifft immer. PSG? Der Emir wird im kommenden Transfersommer wieder ein paar ganz große Scheine lockermachen. Diesmal für die überalterte Abwehr und für das technisch starke, aber tempoarme Mittelfeld. Und dann wird ein neuer Vordenker erneut eine neue Spielstrategie an den Start bringen. Der neue Trainer wird wieder maximal zwei Jahre Zeit bekommen, den Henkeltopf nach Frankreich zu holen. Und irgendwann, spätestens nach der WM 2022 in Katar, kann es passieren, dass die Scheichs keine Lust mehr haben auf den sündhaft teuren, mit den Regeln des Financial Fairplay eh nicht zu vereinbarenden Marketing-Zirkus in Paris. Einen Toremacher kann man mit viel Geld kaufen. Auch zwei oder drei. Geduldig eine ausgewogene Weltklassemannschaft entwickeln, das hat nicht nur mit Geld zu tun.