Rehberg: Kommt ein Zehner oder liegt die Lösung vor der Haustür

05-Stürmer Yoshinori Muto könnte auch in Kombination mit Jhon Cordoba als Doppelspitze auftreten. Unser Foto zeigt im Zweikampf mit Jonas Hector vom 1. FC Köln. Foto: Sascha Kopp

Muss Martin Schmidt seinen Stamm-Zehner auf dem eigenen Hof finden, oder gibt es noch einen Wechsel, mit dem sich Mainz 05 in der Winterpause verstärken kann? Das wäre...

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. Der letzte Hinrunden-Spieltag in der Bundesliga war kein Hingucker. Wir Normalsterblichen wissen nicht, wie es sich anfühlt, nach einer Winterpause in ein Neues Jahr zu starten bei eisigen Temperaturen und schwierigen Bodenverhältnissen. Natürlich sind das keine idealen Bedingungen für einen Neustart.

Der FC Bayern hat sich in Freiburg extrem schwergetan, bis der Weltklassestürmer Robert Lewandowski kurz vor dem Abpfiff mit einem Tor aus der Kunstakrobatikabteilung den 2:1-Sieg erzwang. Borussia Dortmund benötigte viel Glück beim 2:1 in Bremen, obwohl das Werder-Team eine gute Stunde in Unterzahl überstehen musste. Der FC Schalke 04 stand beim 1:0-Heimsieg gegen den FC Ingolstadt in einer niveauarmen Partie dicht vor einem torlosen Remis. Die Gladbacher hatten beim 0:0 in Darmstadt erhebliche Mühe, drei, vier halbwegs vernünftige Torchancen herauszuspielen. Und auch der VfL Wolfsburg kam trotz Millionen-Einkauf Yunus Malli nicht richtig in die Gänge beim 1:0-Heimsieg gegen einen Hamburger SV, der eine knappe Stunde in Unterzahl spielen musste. Von daher haben sich die 05er mit ihrem 0:0 in der Opel Arena gegen den 1.FC Köln eingereiht in einen überwiegend ereignislosen Spieltag.

Für die Mainzer geht es weiter mit dem nächsten Heimspiel. Borussia Dortmund. Dann haben wir den 30. Januar. Zwei Tage später ist die Winter-Transferperiode beendet. Bis dahin muss geklärt sein, ob noch ein Ersatz für Yunus Malli kommt. Defensiv waren die 05er sehr stabil gegen die ohne Risiko aufspielenden Kölner. Die Offensive? Viel Laufarbeit, wenig Durchschlagskraft, wenige klare Torchancen. Der gesperrte Zentrumsbrecher Jhon Cordoba hat gefehlt. Der Kolumbianer ist beim ersten Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim wieder dabei. Malli ist weg. Martin Schmidt hat als Grundordnung ein flexibles 4-4-2 gewählt, der Trainer hat die Zehnerposition zunächst gestrichen. Erkennbar war: In den Konterzügen hat die Mannschaft vergeblich den Zielspieler gesucht.

Jairo als Zielspieler? Könnte klappen

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Es gab ein paar Szenen, in denen der ins Zentrum eingerückte Flügelstürmer Jairo diese Funktion ausfüllte. Das könnte eine Lösung sein. Der Spanier ist technisch stark, er ist wendig und flink, er kann sich aufdrehen mit Ball und dribbeln, er kann den Lückenpass spielen oder aus der Distanz abschließen. Sollte am Ende der Markt keinen Malli-Ersatz hergeben, dann könnte Jairo durchaus eine Option sein als Umschaltzehner. Wenn er gegen den Ball taktisch noch disziplinierter und in den direkten Duellen nach vorne (in enger besetzten Räumen) physisch noch robuster wird. Auch die Variante mit einer Doppelspitze Jhon Cordoba/Yoshinori Muto ist noch im Plan. Cordoba hat die Gewohnheit, dem Mittelfeld entgegenzukommen, der leichtfüßige Muto könnte sich in dessen Rücken in die torgefährlichen Räume schleichen.

Dass ein später Zukauf als Zehner auf Anhieb funktioniert, das ist zumindest nicht überragend wahrscheinlich. Welche Qualität müsste Sportdirektor Rouven Schröder da aus dem Hut zaubern? Das müsste ein gestandener Profi sein aus einer der Topligen in Europa. Da werden in der Regel Summen fällig, die das Mainzer Budget nicht hergibt. Manchmal gibt es Glücksfälle. Das waren in der Sommerperiode mal die Ausleihgeschäfte mit dem jungen Lewis Holtby und später mit dem erfahrenen Andy Ivanschitz. Zwei Spieler, die der Zehnerposition in Mainz Konturen verliehen haben. Beide haben sofort funktioniert. Holtby mehr in den klassischen Ballbesitzsituationen, Ivanschitz mehr als Umschaltzehner in der Rautenformation.

Überhitzter Markt, teure Einläufe

Im Winter ist der Markt grundsätzlich überhitzt. Die Dortmunder haben gerade einen blutjungen Mittelstürmer vom schwedischen Erstligisten AIK Solna gekauft. Alexander Isak. Der Junge ist 17 Jahre alt und hat neun Millionen Euro Ablöse gekostet. Das soll den Schlagzeilen nach der neue Zlatan Ibrahimovic sein. Im Sommer wurde der auch nicht eben preiswerte Emre Mor als der neue Lionel Messi gehandelt – der 19-jährige Dribbler spielt bei Thomas Tuchel bislang kaum eine Rolle. Die Wolfsburger haben in den gestandenen Bundesligaspieler Malli 12,5 Millionen Ablöse und ein stattliches Gehalt investiert. Das sollte die Garantie sein, für die Zehnerposition einen Startelfspieler und Leistungsträger gefischt zu haben. Wir werden das beobachten. Schröder soll das in Mainz schaffen mit 30 bis 40 Prozent der Wolfsburger Aufwendungen. Das ist eine Aufgabe.

Wir erinnern uns an den jungen Serben Filip Djuricic. Der kam 2014 an den Bruchweg, zu relativ günstigen Konditionen ausgeliehen von Benfica Lissabon, versehen mit dem Etikett „der Johan Cruyff des Balkans“. Der phlegmatische Galatechniker zog überhaupt nicht. Nach einem guten halben Jahr war das Experiment beendet. Heute kickt der 25-Jährige bei Sampdoria Genua. Einsätze? Im Schnitt knapp zwei Spielminuten in dieser Saison. Ein Zehner, ein Halbstürmer, ein beweglicher Mittelstürmer? Das weiß bis heute niemand so genau. Ähnlich erging es den 05ern mit Ja-Cheol Koo. Fünf Millionen Euro teuer, Nationalspieler, schon viel Erfahrung in Deutschland - aber kein klares Positionsprofil, sozial nie so richtig integriert. Heute ist der Südkoreaner auch beim FC Augsburg kein wirkungsvoller Offensivspieler, schon gar kein torgefährlicher Zehner.

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Schmidt muss Lösung auf dem eigenen Hof finden

Der auf dem Markt heiß gehandelte Hiroshi Kiyotake hat in Hannover in 55 Bundesligaspielen mal zehn Tore geschossen und 12 Tore vorbereitet. Sehr gut. Dann wechselte der Spielmacher und Standardspezialist für 6,5 Millionen Ablöse zum FC Sevilla. Dort ist der Techniker nur ein Mitläufer. Die Spanier rufen nun sieben Mio. als Transferentschädigung auf. Für einen Dauerreservisten, der demnächst 28 Jahre alt wird. Man muss das gar nicht weiter diskutieren: Der Japaner will gar nicht nach Deutschland – der Berater bekundet, seinen Schützling ziehe es mit Macht zurück in die Heimat.

Es bleibt dabei: Die Wahrscheinlichkeit, dass Martin Schmidt seine Zehner-Lösung auf dem eigenen Hof finden muss, ist hoch. Thomas Tuchel hat es in Dortmund auf dieser Position mit Shinji Kagawa versucht. Hat nicht funktioniert. Tuchel bevorzugt in der Offensive längst die 4-1-2-3-Grundordnung. Und der vermeintliche Überzehner Mario Götze sitzt auf der Bank. Wahrscheinlich auch am kommenden Sonntag in Mainz.