Rehberg: Klopps 3:0 gegen seinen Freund Wagner

Jürgen Klopp und David Wagner. Foto: dpa

In England ist diese Begegnung groß aufgemacht worden. Jürgen Klopp gegen David Wagner. Das Duell der beiden besten Freunde. Die ihre Wurzel bei Mainz 05 haben. Klopps FC...

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. Da erzählte David Wagner bei Sky England, wie er einst als Trauzeuge für Klopp den Junggesellenabschied organisierte. Die Kumpels setzten sich zum Besuch des Mainzer Weihnachtsmarktes, um nicht erkannt zu werden, Nikolausmasken auf. Die Masken waren nummeriert, damit jeder wusste, mit wem er gerade anstieß. Klopp war Glühwein nicht gewohnt, seine Ehefrau in spe musste ihn recht früh abholen vom Ort des Trinkgelages.

Klopp hat das Ergebnis dringend gebraucht

Am Samstag haben sich die beiden besten Freunde an der legendären Anfield Road getroffen. Der FC Liverpool hat den Überraschungsaufsteiger Huddersfield Town mit 3:0 besiegt. Klopp hat das Ergebnis dringend gebraucht. Der im hessischen Geinsheim aufgewachsene Wagner, Sohn eines damals in Frankfurt stationierten US-Soldaten, kann mit der Niederlage leben – er hält mit seiner Mannschaft der „Namenlosen“ mit 13 Punkten noch immer Rang 13 in der Premier League. Klopp muss mit seinen „Reds“ mächtig strampeln, um mit seinen 16 Zählern den Kontakt zu den Champions-League-Rängen zu halten.

In der Opel Arena sitzen auf der Haupttribüne regelmäßig zwei Stammgäste mittleren Alters, von denen der eine das alte 05-Trikot mit dem Schriftzug Klopp trägt, der andere das mit dem Schriftzug Wagner. Da gibt es noch Mainzer, die stolz sind auf die ehemaligen 05-Profis, die von 1991 bis 95 gemeinsam am Bruchweg in der Zweiten Liga gekickt haben, Zimmerkollegen waren und Freunde wurden. Wagner war ein schneller Rechtsaußen, Klopp ein zum Rechtsverteidiger umgeschulter schneller Stürmer. Klopp beendete seine Spielerzeit in Mainz und startete dort eine aufsehenerregende Trainerkarriere.

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1995 zum FC Schalke 04 gewechselt

Wagner schaffte im Winter 1995 den Sprung in die Bundesliga. Der langjährige 05-Co-Trainer Hubert Neu war in selbiger Funktion zum FC Schalke 04 gewechselt. Dort überredete Neu seinen Chef Jörg Berger, den Mainzer Wagner zu holen. Der kurierte gerade einen Wadenbeinbruch aus. Dennoch zahlte der Bundesligist die damalige 05-Rekordablöse von 500.000 D-Mark. Ein Segen für die damals überstrapazierte 05-Kasse. Wagner kam bei den Schalkern über den Status des Einwechselspielers nie hinaus. Aber der Gewinn des Uefa-Cups mit den Knappen unter Huub Stevens entschädigte den technisch nicht überragend begabten Angreifer für alles.

Der Außenstürmer zog nach zwei Jahren weiter zum FC Gütersloh. In Erinnerung geblieben ist ein Zweitligaauftritt der 05er 1998 in Gütersloh. Als David Wagner beim 6:1-Sieg der Gastgeber gegen seinen verteidigenden Freund Jürgen Klopp drei Tore schoss. Davor hatte Wagner nicht getroffen in jener Saison, danach traf er auch nicht mehr.

Eine große Trainerkarriere hatte David Wagner nach seiner Profizeit nie im Sinn. Der mit einer Mainzerin verheiratete Familienvater studierte in Darmstadt Sport und Biologie für das Lehramt, nebenbei verdingte er sich als Jugendcoach bei der TSG Hoffenheim. Mitten in seiner Zeit als Referendar an einem Gymnasium in Gernsheim holte ihn Klopp als Trainer zur U23 von Borussia Dortmund. Und obwohl Wagner in seinem letzten Jahr beim BVB den Drittliga-Abstieg nicht vermeiden konnte, schaffte er - auf Vermittlung von Klopps Management - den Sprung in die englische Zweite Liga.

Aufstieg nach Elfmeterschießen

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Huddersfield Town. Am 29. Mai 2017 stieg Wagner mit dem Underdog vor 76.000 Zuschauern im Londoner Wembleystadion im Playoff-Duell mit dem FC Reading nach Elfmeterschießen in die Premier League auf. Eine Sensation. Den entscheidenden Elfer verwandelte der bei 1860 München ausgebildete deutsche Innenverteidiger Christoph Schindler. Klopp saß gemeinsam mit Ehefrau Ulla im Ferienhaus in Frankreich vor dem Fernseher – und heulte vor Glück. Seitdem steht das zwei Autostunden von Liverpool entfernte 150.000-Einwohner-Städtchen Huddersfield auf dem Kopf.

In der taktischen Herangehensweise sind sich Klopp und Wagner sehr ähnlich. Tempogeladener Umschaltfußball, geprägt von 90-minütigem Pressing und Gegenpressing. Beim ersten direkten Duell hielt die Wagner-Elf bis zur Pause ein 0:0; der ehemalige 05-Torwart Jonas Lössl parierte in der 42. Minute einen Strafstoß von Torjäger Salah. Dann trafen Sturridge (50.), Roberto Firmino (58.) und Wijnaldum (75.) zum 3:0. Der Liverpooler Innenverteidiger Joel Matip, ein einstiger Schalker, erklärte nach dem Abpfiff: „Unser Trainer kannte den Gegner sehr gut!“