Rehberg: Kein Spaziergang für Mainz 05 beim Auftakt in der...

Gegen Gaz Metan Medias reichte es vor drei  Jahren nur zu zwei 1:1-Unentschieden in der regulären Spielzeit. Unser Foto zeigt eine Szene mit den Mainzer Anthony Ujah, Marcel Risse und Andreas Ivanschitz aus dem Hinspiel. Archivfoto: hbz / Jörg Henkel

Quizfrage: Für welchen Verein spielt der Stürmer Thaer Fayed Al-Bawab? Bitte Musik, bitte Bedenkzeit! Gut, das ist heute keine Kunst mehr, iPhone raus, googlen, und schon...

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. Quizfrage: Für welchen Verein spielt der Stürmer Thaer Fayed Al-Bawab? Bitte Musik, bitte Bedenkzeit! Gut, das ist heute keine Kunst mehr, iPhone raus, googlen, und schon kommt das Aha-Erlebnis. Gaz Metan Medias. Das ist jener rumänische Klub, der 2011 die 05er in der dritten Runde der Uefa-Pokal-Qualifikation eliminiert hat.

Als krasser Außenseiter. Und dieser kleine Thaer Bawab, ein Jordanier mit libanesisch-palästinensischen Wurzeln, der seit seinen Kinder- und Jugendzeiten bei Real Madrid und beim FC Barcelona auch einen spanischen Pass hat, war der gefeierte Held. Der heute 29-Jährige erzielte beim 1:1 in der Coface Arena den Ausgleich, er schaffte beim 1:1 im Rückspiel den Ausgleich - und im Elfmeterschießen markierte er gegen Keeper Christian Wetklo das entscheidende 4:3. Bawab spielt noch immer für Gaz Metan.

Europapokal-Atmosphäre

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Ohne Wettbewerbsdruck hätten die 05er diese rumänische Mannschaft in fünf Spielen wahrscheinlich viermal geschlagen. Und Thaer Bawab hätte diese Sternstunde seiner Karriere nie erlebt. Das ist der Punkt. Europapokal-Atmosphäre. Die weht auch am Donnerstagabend wieder durch die Coface Arena. Natürlich sind die Mainzer Profis, zuletzt Siebter in der Eliteliga des Weltmeisterlandes, favorisiert gegen Asteras Tripolis. Aber wer weiß schon, welchen Helden die Griechen am Start haben.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Rumänen? Dorin Nicolae Goian. 1,94 Meter groß, 33 Jahre alt, Innenverteidiger. Der war mal als Defensivspezialist im Trikot von Steaua Bukarest im Uefa-Pokal-Wettbewerb der beste Torschütze seines Teams - mit Treffern gegen Velerenga IF, den RC Lens, Halmstad BK, den SC Heerenveen und den FC Middlesborough. Später erreichte der Rumäne mit US Palermo das Finale der Coppa Italia (Niederlage gegen Inter Mailand), vor seinem Wechsel nach Tripolis grätschte er eine Saison für die Glasgow Rangers. Mit der rumänischen Nationalmannschaft hat der Hüne die EM 2008 gespielt. Der Bursche weiß, wie sich internationale Luft anfühlt.

Internationale Erfahrung? Absolut hinreichend

Nun, das wissen auch viele der 05er, die in ihren Heimatländern Nationalspieler sind. Junior Diaz hat gerade mit Costa Rica eine große WM 2014 gespielt. Das gilt auch für den Chilenen Gonzalo Jara. Shinji Okazaki, Ja-Cheol Koo und Jo-Hoo Park waren beim Turnier in Brasilien dabei. Nikolce Noveski hat international viel erlebt in seiner Karriere, auch Julian Baumgartlinger oder Elkin Soto. Nicolai Müller hatte sogar mal zwei Länderspieleinsätze für Deutschland. Also, an fehlender internationaler Erfahrung muss die Europaliga-Mission 2014 nicht scheitern.

Die Umstände sind es, die ein Fragezeichen setzen hinter diesen Mainzer Saisonstart auf europäischer Bühne mit dem die Nerven kitzelnden K.o.-Faktor. Neuer Trainer, neue Trainingsinhalte, neue taktische Ideen. Die WM-Fahrer stecken noch mitten im Aufbauprogramm. Neuzugänge müssen die verloren gegangenen einstigen Stammspieler Zdenek Pospech und Maxim Choupo-Moting ersetzen. Und der aktuell einzige Turbosprinter im Angriff ist beschäftigt mit Wechselgedanken: Nicolai Müller.

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Eine neue Situation für den Turbosprinter

Was mag im Kopf des 26-Jährigen vorgehen? Ein Profi kann das wegstecken, sagt man gerne. Doch so ganz genau weiß man das im Einzelfall nie. Da schwirrt eine hohe Ablöse durch die Medienwelt, der Stürmer könnte bei einem Wechsel sein Gehalt sicher verdoppeln bis verdreifachen, die täglichen Telefonate mit dem Berater, die Schmeicheleien der interessierten Trainer. Für Müller, der auch noch die beiden Testspiele im Trainingslager in England angeschlagen verpasst hat, ist das eine neue Situation.

Und eine sonderlich überzeugende Rückrunde 2013/14 hat der offensive Umschaltspezialist auch nicht im Kreuz, seinen acht Vorrundentoren folgte bis zum Saisonende nur noch ein Einschlag. Spannend. Die Mannschaft wird die Topstärken von Müller - das sind Dynamik, Lauffreude, Geschwindigkeit und Torgefährlichkeit - brauchen gegen die wahrscheinlich sehr defensiv auftretenden Griechen aus Tripolis. Die in den beiden harten Duellen mit den Finnen aus Rovaniemi schon Wettbewerbspraxis erlebt haben.

Ein Spaziergang steht den 05-Profis nicht ins Haus. Das Team von Kasper Hjulmand wird viel regeln müssen über Emotionalität, über Willenskraft und über das Kollektiv. Und auch über die Atmosphäre im Stadion.