Rehberg: Kann Bojan Mainz 05 wirklich helfen?

Wie entwickelt sich Bojan Krkic im Team des 1. FSV Mainz 05, kann er dem Team von Martin Schmidt tatsächlich weiterhelfen? Foto: Sascha Kopp

Nicht Mainz 05 hat Bojan Krkic gefunden, sondern Bojans Berater Carles Puyol Mainz 05. So kam der frühere Weltklassespieler von der Premier League zum Bundesliga-Team der...

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. Mainz 05 hat nicht Bojan Krkic gesucht und gefunden – es war umgekehrt. Oder genauer gesagt: Der Berater hat für seinen Freund und Schützling einen passenden Verein gesucht - und bei seinen Recherchen ist Carles Puyol auf die 05er gestoßen. Das hat Puyol, von 2004 bis 2014 Kapitän des FC Barcelona und heute Mitinhaber einer spanischen Spielerberatungsagentur, dieser Tage bei Sky erzählt.

Bojan war bei Stoke City nur noch Einwechselspieler. Bedingung für einen Wechsel im Winter war also: Puyol sollte für den kreativen Offensivspieler einen Klub finden, der auf dieser Position unbedingt Bedarf hat. Und dann äußerte Bojan noch den Wunsch, dass es schön wäre, mal in der deutschen Bundesliga zu spielen. Die Topligen in Spanien, Italien, Holland und England kannte der 26-Jährige ja schon von seinen Stationen in Barcelona, Rom, Mailand, Amsterdam und Stoke-on-Trent. Puyol schaute sich also die Bundesligisten an. Er sah, dass der FSV Mainz 05 gerade seinen Zehner Yunus Malli verkauft hatte. Da war die ideale Stelle frei für seinen prominenten Schützling. Der Plan war geboren.

Anfangs schien die Idee nicht realistisch

Rouven Schröder kam die Idee anfänglich unrealistisch vor. Bekannt war, dass Bojan von Stoke City fürstlich entlohnt wurde. Rund 2,5 Millionen Euro netto soll der Techniker in der Premier League verdient haben im Jahr. Utopisch für Mainzer Verhältnisse. Aber die Aussicht, bei einem Bundesligisten einen sicheren Stammplatz zu bekommen, in einer starken Liga wieder Spielpraxis zu erlangen, neues Selbstvertrauen aufzubauen, wichtig zu sein für eine Mannschaft und für einen Trainer, all das hat dazu geführt, dass sich Puyol und Bojan einig wurden: Am Geld soll der Job in Mainz nicht scheitern. Und so kam es auch nach zähen Verhandlungen. Die 05er kostet dieses Halbjahres-Engagement rund eine Million Euro. Das war der Rahmen, den der 05-Sportdirektor gesetzt hatte.

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Die letzte Entscheidung hatte Martin Schmidt. Der 05-Coach wusste natürlich um die dünne Einsatzstatistik des Stürmers seit August 2016. Und der Schweizer wusste auch, dass in England - wegen der vielen Spiele auf der Insel - nicht so intensiv trainiert wird wie in Deutschland. Und dass Bojan ein sehr sensibler Typ ist, das war auch bekannt. Schmidt reizte aber der Gedanke, dass da ein Winterzugang auftaucht, bei dem die Kollegen in der Kabine zunächst mal „Wow“ sagen. Und natürlich hat die Nachricht, dass das einstige Wunderkind vom FC Barcelona im Alter von 26 Jahren zu Mainz 05 wechselt, auch eine Marketing-Perspektive. Leere Sitzreihen in der Opel Arena sind ja keine Seltenheit mehr. In dieser Verpflichtung steckte ein nachvollziehbarer Reiz.

Da fehlt die Wettkampfhärte

Nun hat Bojan Krkic zweimal auf dem Platz gestanden. Beim 2:0 gegen den FC Augsburg und beim 0:2 gegen Werder Bremen. Das Talent des Offensivspielers ist unübersehbar. Die mangelnde Wettkampfhärte allerdings auch. Fazit: Dass Bojan in den nächsten Wochen eine verlässliche, qualitativ hochwertige Größe wird in dieser Mannschaft, das ist nach den ersten Eindrücken zumindest nicht überragend wahrscheinlich. Physis aufzuholen und sich darüber wieder Überzeugung, Behauptungswillen, die Selbstverständlichkeit im Handeln aufzubauen, das braucht Zeit. Ohne eine Topphysis, ohne Dynamik und Durchschlagskraft ist es schwierig, in der Bundesliga zu bestehen.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Fähigkeiten von Bojan überhaupt zur Spielweise seines neuen Teams passen. Die 05er sind eine Umschaltmannschaft. Da muss ein zentraler Offensivspieler gegen den Ball die gegnerische Spieleröffnung anlaufen - oder er muss in den Mittelfeldräumen den engen Defensivblock komplettieren. Und nach Balleroberungen sollte dieser Offensivmann in der Konterbewegung der Zielspieler sein, der dann Stärken hat im Freilaufverhalten, in der sicheren Ballbehauptung, im Tempodribbling, im schnellen und präzisen Passspiel, im Durchsetzungsvermögen in den torgefährlichen Räumen. Ob das Bojan irgendwann mal kann in Mainz, das lässt sich in diesem Moment bei diesem physischen Zustand gar nicht beurteilen. Der Spanier ist jung genug, um sich noch Dinge anzueignen, neue Muster zu lernen, eine Entwicklung anzuschieben. Aber wie lange dauert das? Ist dann das halbe Jahr schon vorbei?

Ein Techniker für ein Ballbesitzteam

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Nach den aktuellen Eindrücken würde man eher annehmen: Bojan ist ein Kombinationsspieler, der besser zu einer Ballbesitzmannschaft passt. Ein perfekter Techniker, der sich in kleinen und eng besetzten Räumen flink aufdreht und die Kugel schnell macht. Das 05-Spiel ist aber darauf angelegt, mit Geschwindigkeit große Räume zu überwinden – nach hinten wie nach vorne, letzteres mit und ohne Ball. Bojan ist leichtfüßig, aber wirklich schnell auf Strecke ist er nicht.

Tatsächlich erinnert dieser Fall ein wenig an Emil Kostadinov. Das war die bis dahin spektakulärste Verpflichtung der 05er. 1999 holte Christian Heidel diesen internationalen Topstürmer, der an zwei WM-Turnieren teilgenommen und mit dem FC Bayern den Uefa-Pokal gewonnen hatte, in die Zweite Liga. Sicher, der Bulgare stand damals als 32-Jähriger am Ende seiner Karriere. Doch das Alter war nicht das Hindernis. Auch der leichtfüßige Techniker und ebenso sensible wie sympathische Typ Kostadinov kam ohne Spielrythmus, ohne Wettkampfpraxis, ohne die nötigen pyhsischen Voraussetzungen an den Bruchweg. Der damalige Trainer Wolfgang Frank wollte das zügig aufholen. Nach den ersten harten Trainingseinheiten konnte der Bulgare kaum noch aufrecht gehen. Es blieb am Ende bei vier Einsätzen - vier Einwechslungen, ein Abstaubertor. Nach einem halben Jahr wurde das Experiment in beidseitigem Einvernehmen beendet.

Schmidt setzt beim Umschaltzehner auf starke Szenen

In diese Richtung muss man bei Bojan noch nicht denken. Ob der sympathische Hochbegabte allerdings die Härte aufbringt, binnen weniger Wochen körperliche Rückstände zu kompensieren, neue Abläufe zu verinnerlichen und das absolute Vertrauen seiner Mitspieler zu gewinnen, das ist zumindest fraglich. Tatsache ist: Gerade die Könner im Zehnerraum werden von den Gegenspielern extrem aggressiv bekämpft – und das kann Bojan Krkic in seinem derzeitigen Zustand gar nicht gut ab. Am Fastnachtssamstag in Leverkusen hofft Matin Schmidt darauf, dass der Spanier als Umschaltzehner mehr Freiräume bekommt. Sollte dem so sein, dann könnte das Edeltalent an ein paar starken Szenen wachsen. Die nötige Erfahrung und das Können dafür hat er.