Rehberg: Jonker führt Wolfsburg zum Gastspiel bei Mainz 05

Er soll es in Wolfsburg richten: Andries Jonker, der neuen Cheftrainer beim VfL. Foto: dpa

Der nächste Gast von Mainz 05 kommt mit dem neuen Trainer Andries Jonker in die Opel Arena. Er soll den VfL Wolfsburg mit seinen exzellenten Einzelkönnern wieder zu einer...

Anzeige

. Als die 05er in der Hinrunde in Wolfsburg ein 0:0 erkämpften, da hatte beim Gegner noch alles seine Ordnung. Der Manager hieß Klaus Allofs, der Trainer Dieter Hecking - und man dachte, das würde noch ein paar Jahre so bleiben. Dann ging alles sehr schnell. Eine Woche später wurde Hecking beurlaubt. Allofs durfte noch den U23-Coach Valerien Ismael auf den Chefsessel hieven. Bald darauf senkten die VW-Bosse den Daumen für den Sportvorstand. Das Aus für Allofs. Zu enge Bindung an einen Spielerberater, lautete einer der Vorwürfe.

An diesem Samstag schlägt der VfL Wolfsburg in die Mainzer Opel Arena auf. Nicht mit Ismael. Den hat der junge Allofs-Nachfolger Olaf Rebbe am vergangenen Sonntag gefeuert. Seit drei Tagen heißt der neue Cheftrainer in der Autostadt: Andries Jonker. Und diesen 54 Jahre alten Holländer hat mal gar keiner der Glaskugel-Experten auf dem Zettel. Warum auch? Jonker, der nie als Profifußballer aktiv war, ist der klassische Schattenmann. Der zu Beginn seiner Karriere wenig aufregende Stationen als Chefcoach in Volendam, Maastricht und Tilburg hatte. Danach arbeitete er überwiegend als Co-Trainer. Zuletzt war er Chef des Nachwuchsleistungszentrums von Arsenal London.

Coach mit reichlich Überzeugung

In der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde Jonker nur ein einziges Mal. Als sein prominenter Chef Louis van Gaal im April 2011 in München entlassen wurde. Die Bayern waren im DFB-Pokal-Halbfinale am FC Schalke 04 gescheitert, danach im Champions-League-Achtelfinale an Inter Mailand. Und in der Bundesliga stand der erneute Einzug in die CL auf der Kippe. Die Bayern-Bosse einigten sich für diese heikle Mission auf die Interimslösung Andries Jonker. Der Holländer lieferte. Fünf Siege und ein Remis. Der heutige Wolfsburger Mittelstürmer kann sich an diese Endphase mit den Bayern sicher noch gut erinnern: Mario Gomez schoss damals in diesen sechs „Jonker-Spielen“ nicht weniger als neun Tore (drei beim 5:1 gegen Bayer Leverkusen, eins beim 1:1 in Frankfurt, eins beim 4:1 gegen Schalke 04, drei beim 8:1 als Gast des FC St. Pauli, eins beim 2:1 gegen den VfB Stuttgart). Die 05-Profis sind gewarnt für den kommenden Samstag: Jonker und Gomez – das hat mal gepasst.

Anzeige

Danach sollte Jonker den FC Bayern II, dessen wichtigster Spieler der heute für den FC Liverpool aktive Emre Can war, zurück in die Dritte Liga führen. Das funktionierte überhaupt nicht. Rang 14 in der Regionalliga. Jonkers Vertrag wurde nicht verlängert. Er wechselte zum VfL Wolfsburg. Dort fungierte er als Co-Trainer unter Felix Magath, Lorenz-Günther Köstner und Dieter Hecking. Im Sommer 2014 folgte der Holländer dem Ruf von Arsene Wenger. Jugendchef bei Arsenal. Und nun wieder Wolfsburg. Die erste große eigenverantwortliche Aufgabe im großen Fußball. Abstiegskampf.

Ljungberg als Helfer fürs Mentale

Sein Landsmann habe auf diesem Gebiet überhaupt keine Erfahrung, hat der Altmeister Huub Stevens gestern in einem Interview gemeckert. Aber was heißt das schon? Die Trainer, die ohne große Erfahrung antreten, sind im Schnitt genauso erfolgreich oder weniger erfolgreich wie diese Haudegen, die man gerne als „Feuerwehrmann“ bezeichnet. Jonker hinterließ bei seiner Vorstellung einen sehr abgeklärten, in sich ruhenden Eindruck. Der Mann ist von sich überzeugt. Und er weiß, worauf er sich eingelassen hat. Er übernimmt von Ismael eine Mannschaft, die von ihrer individuellen Qualität her nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben dürfte, die aber selten eine emotional wilde Leistung abruft und die Probleme hat, als geschlossene Gemeinschaft aufzutreten. Der neue Trainer muss aus einer Ansammlung von – zum Teil mit Abwanderungsgedanken beschäftigen - Einzelkönnern eine Kampfeinheit formen. Helfen soll dabei der prominente Co-Trainer, dem Stärken in der Mentalarbeit nachgesagt werden: Fredrik Ljungberg, langjähriger schwedischer Nationalspieler, 2002 und 2004 Englischer Meister im Trikot von Arsenal London.

Und dann ist da noch Yunus Malli...

Unter Ismael haben die VfL-Profis zumindest wieder vernünftig miteinander gespielt. Aber noch nicht radikal füreinander. Fünf Siege in 15 Spielen, das war dem brummigen Sportdirektor Rebbe, den Allofs einst aus der Marketingabteilung von Weder Bremen mit nach Wolfsburg genommen hatte, zu wenig.

Anzeige

Und dann ist da noch Yunus Malli. Der Winterzugang aus Mainz, für den die Wolfsburger fette 12,5 Millionen Euro Ablöse vom Festgeldkonto geholt haben, lässt in einzelnen Szenen seine spielerische Klasse aufblitzen. Aber ein verlässlicher Leistungsträger ist der Tempodribbler in Wolfsburg (noch) nicht. Und wenn Andries Jonker nun die holländische 4-3-3-Grundordnung etablieren sollte, dann kann es für den türkischen Nationalspieler schwierig werden, überhaupt noch einen Startelfposten zu ergattern. Zwei Flügelangreifer, Torjäger Mario Gomez in der Mitte - und dann noch Yunus Malli im Mittelfeld? Das wäre eine extrem offensiv ausgerichtete Variante. Insbesondere gegen die Mainzer Konterspezialisten. Mehr dazu im Freitagblog.