Rehberg: Hummels zurück beim BVB - Es geht um Wertschätzung

Mario Götze (li) und Mats Hummels beim Training vno Borussia Dortmund. Foto: dpa

Mats Hummels ist wieder zurück bei Borussia Dortmund. Ein ungewöhnlicher Wechsel, findet unser Kolumnist Reinhard Rehberg und beleuchtet die Hintergründe des Transfers.

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. Wenn es innerhalb der aktuellen Transferperiode bis jetzt eine Überraschung gab, dann war das der Wechsel von Mats Hummels. Dass ein Weltmeister im Alter von 30 Jahren noch einmal vom Meister zum stärksten Konkurrenten wechselt, das ist ungewöhnlich. Die Rückkehr von Dortmund nach München vor drei Jahren, das schien eine Lebensentscheidung gewesen zu sein. Das war es nicht. Künftig spielt der Innenverteidiger wieder für den BVB. Das Ablösepaket soll 38 Millionen Euro schwer sein.

Vater Hermann Hummels, zu Beginn der 1990er beim FSV Mainz 05 Co-Trainer in der Zweiten Liga von Josip Kuze und 1994/95 auch für acht Monate Chefcoach am Bruchweg, ist der Berater seines Sohnes. Ein Profifußballer werde in zwei Währungen bezahlt, hat Hummels senior in dieser Woche erklärt: „Geld und Wertschätzung.“ An Wertschätzung habe es gemangelt in München. Näher ausführen mochte der Vater das nicht. Zum Hintergrund muss man wissen: Als sich der Sohn 2008 als gehobenes Talent vom FCB zur Borussia verabschiedete, da wurde der am Nachwuchsleistungszentrum der Bayern beschäftigte Vater gefeuert; man traf sich vor dem Arbeitsgericht. Dennoch ist der Junior 2016 nach München zurückgekehrt; Insider hatten auch das nicht für möglich gehalten.

Mangelnde Wertschätzung also. Wir dürfen vermuten, dass das schlechte Klima schon zu Beginn der vergangenen Saison entstanden ist. Der neue Bayern-Trainer Niko Kovac erklärte Niklas Süle zur Nummer eins unter den Innenverteidigern. Die Weltmeister Hummels und Boateng besetzten abwechselnd die Position neben dem jungen und schnellen Hünen. In der Rückrunde durfte sich Hummels wieder als Stammspieler fühlen. Weil Boateng nie mehr seine Topform erreichte.

Im Frühjahr 2019 ereignete sich das Aus in der Champions League gegen den FC Liverpool. Hummels, häufig der Sprecher der Mannschaft vor den TV-Kameras, ließ an jenem Abend rhetorisch geschickt durchblicken, dass der Matchplan des Trainers nicht ganz so toll war. Die Taktik sei zu vorsichtig, das Tempo zu gering, der Mut im Offensivspiel nicht erkennbar gewesen. Niko Kovac hat darauf nicht reagiert in der Öffentlichkeit. Als verdeckte Kritik am Trainer dürfte der Chef die sehr intelligent formulierte Einlassung von Hummels durchaus eingestuft haben. Warm geworden sind der Spieler und sein Boss in diesem einen Jahr nie miteinander.

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Da spielte schon das DFB-Pokal-Finale von 2018 eine Rolle. Kovac hatte in Berlin mit der Frankfurter Eintracht die Bayern geschlagen. Eintracht-Spielmacher Kevin Prince Boateng hat später verraten, dass die Anweisung von Kovac gelautet habe: Wir spielen jeden Konter über die Bahn von Hummels, weil der im Antritt wenig explosiv sei und im Sprintduell mit Ante Rebic keine Chance habe. Rebic schoss beim 3:1-Sieg der Eintracht zwei Tore. Zu diesem Zeitpunkt war schon entschieden, dass Kovac künftig bei den Bayern der neue Vorarbeiter von Hummels sein würde. Die Basis für ein enges Vertrauensverhältnis war also von Anfang an nicht gegeben.

Nun ist es zur Trennung gekommen. Wahrscheinlich unausweichlich. Dass die Bayern den Wechsel von Hummels ausgerechnet nach Dortmund akzeptiert haben, das verwundert: Der FCB verliert einen im Innenleben nicht immer bequemen, auf dem Platz aber in der Rückrunde noch mal überragend dominanten Abwehrspieler – der BVB gewinnt den im Personalpuzzle bislang fehlenden Abwehrchef und erfahrenen Führungsspieler. Stand heute: Vorteil Dortmund.

Das könnte sich nur drehen, sollte sich das Binnenklima bei den Bayern nach dem Abgang des auch von einigen Mitspielern nicht unbedingt angehimmelten Hummels nachhaltig verbessern. Letztlich wird der Titel 2019/20 aber über die Qualität auf dem Platz entschieden. Die Dortmunder haben sich in allen Mannschaftsteilen bereits massiv verstärkt. Die in nicht unerheblichen Umbaumaßnahmen steckenden Bayern haben noch große Lücken im Kader. Und ob die neuen Innenverteidiger Benjamin Pavard und Lucas Hernandez die fußballerische Klasse eines Hummels erreichen, das weiß heute noch kein Mensch.