Rehberg: Halten die Bayern an Kovac fest?

Niko Kovac. Foto: dpa

Noch ist unklar, ob der FC Bayern München weiter auf Cheftrainer Niko Kovac setzt. Trotz Meisterschaft und Einzug ins DFB-Pokalfinale. Darf er bleiben oder muss er gehen?...

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. Wenn er seine Informationen aus erster Hand nicht gründlich fehlinterpretiere, erläuterte Niko Kovac mitten in den Jubelfeierlichkeiten auf dem Rasen der Allianz Arena sinngemäß, dann dürfe er davon ausgehen, auch in der kommenden Saison den FC Bayern anzuleiten. Die Rede ist vom Cheftrainer des Deutschen Meisters 2019. Kovacs nicht ganz einfach zu führende Mannschaft hat 78 Punkte eingesammelt und 88 Tore geschossen – und am kommenden Wochenende steht bekanntlich noch das DFB-Pokalfinale in Berlin gegen RB Leipzig auf dem Programm.

Betrachtet man die sportliche Bilanz des 47-Jährigen, dann dürfte es um die fachliche Qualität dieses Fußballlehrers im ersten Jahr als FCB-Trainer keine Diskussionen geben. Nur zum Vergleich. Der große Pep Guardiola kam 2015 in seiner zweiten Spielzeit als Guru an der Säbener Straße auf folgende Bilanz: Meister mit 79 Punkten und 80 Toren, Aus im Halbfinale des DFB-Pokals (gegen Dortmund), Aus im Halbfinale der Champions League (gegen Barca). Danach wurde der Welttrainer nicht in Frage gestellt, im Gegenteil, für die Folgesaison wurde ihm nicht weniger als das Triple unterstellt. Es wurde das Double. Und Pep verabschiedete sich nach drei Jahren in München ohne Henkeltopf.

Belastbare Informationen, was Niko Kovac in München als Meistertrainer zu einem Wackeltrainer hat werden lassen, existieren nicht. Gerüchte wabern. Karl-Heinz Rummenigge sei nicht zufrieden damit, wie der Trainer die Mannschaft führt, einstellt und aufstellt. Und manche Spieler würden sich bei den FCB-Bossen beschweren, der Cheftrainer denke zu defensiv und ihm fehle auch ein wirkungsvolles Offensivkonzept. Werfen wir einen Blick auf das Schaffen des Berliner Kroaten.

Wechsel mit Getöse vom DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt zu den Bayern. Kritisiert wurde: Kovac sei vertragsbrüchig geworden, er habe zu wenig Trainererfahrung, er spiele einen klassischen Außenseiterfußball. Dann kam die für die deutsche Nationalmannschaft völlig missratene WM 2018, die beteiligten Bayern-Profis kehrten erschöpft, enttäuscht und übelst gelaunt aus Russland zurück. Die Folge: Torhüter Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller spielten in der Hinrunde weit unter Form. Die frischen Toptalente Corentin Tolisso und Kingsley Coman fehlten alsbald über Monate wegen schwerer Verletzungen. Die körperlich instabilen Altstars Franck Ribéry und Arjen Robben waren nur noch bedingt belastbar. Vorstandschef Rummenigge, der lieber Thomas Tuchel verpflichtet hätte, beäugte den neuen Trainer von Beginn an misstrauisch.

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Kovac rutschte nach blendendem Start mit seiner Mannschaft in eine Herbstkrise. Seiner Elf mangelte es nicht an Offensivkraft. Es mangelte ihr an Leidenschaft, an Laufbereitschaft und an taktischer Disziplin in der Konterabsicherung. Mediengetöse: Der kann das nicht. Kovac machte Schluss mit der Rotation, er stärkte das defensive Mittelfeld, er führte energischer. Was folgte, das war eine überragende Rückrunde mit dem Höhepunkt: 5:0 im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund.

Da blieb am Ende nur noch ein Vorwurf übrig: Kovac habe das CL-Rückspiel gegen den FC Liverpool vercoacht, das frühe Ausscheiden auf der Europa-Bühne verursacht. Selbst wenn dem so gewesen sein mag: Die ins Alter gekommenen Bayern sind in ihrem ersten Umbruch-Jahr gescheitert an der aktuell physisch stärksten, willensstärksten, im Pressing, in der Tempohärte und im Umschaltspiel besten Mannschaft Europas.

Kovac hat alle sportlichen Probleme, alle Eitelkeiten der Edelstars, alle Höhen und Tiefen in den Ergebnissen, alle medialen Zweifel an seiner Befähigung und auch alle Unwetter aus der Chefetage moderiert mit der Gelassenheit eines in sich ruhenden und von seiner Arbeit überzeugten Menschen. Eine überzeugende Leistung. Beweisen lässt sich das nicht, aber es lässt sich mit guten Argumenten vermuten: Kein anderer Trainer hätte aus dieser schwierigen Mannschaft in einer problematischen Situation mehr herausgeholt.