Rehberg: Geldstrafe gegen Manchester City eine Farce

Finanztricksereien des aus Abu Dhabi alimentierten Manchester City bleiben praktisch ungesühnt. Archivfoto: dpa

Der Ausschluss von Manchester City aus der Champions-League-Saison ist in eine Geldstrafe umgewandelt worden. Das ist nicht der erste Sündenfall. Reinhard Rehberg blickt zurück.

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. Wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay (FFP) ist Manchester City von der Uefa aus der Champions-League-Saison 2020/21 ausgeschlossen worden. Der Internationale Gerichtshof CAS hat das Urteil umgewandelt in eine Geldstrafe. Wobei das Wort „Strafe“ nicht zu ernst genommen werden sollte, denn wenn es den City-Eigentümern aus Abu Dhabi an etwas nicht mangelt, dann ist das Geld.

Aus welchen Gründen ManCity bestraft worden ist? Das ist bis heute nicht bekannt geworden. Transparenz in den Details? Fehlanzeige. Das 2010 von der Uefa erdachte Financial Fairplay sollte zur wirtschaftlichen Gesundung des Profifußballs sowie zu einem Mindestmaß an Gleichberechtigung unter den an den europäischen Wettbewerben beteiligten Klubs beitragen. Die Regel besagt: Teilnehmer an der CL und an der EL sollen über einen Zeitraum von drei Jahren nicht mehr Ausgaben tätigen, als sie an Einnahmen erzielen. Spielraum 1: Ein Defizit bis zu fünf Millionen kann akzeptiert werden. Spielraum 2: Höhere Defizite können in Ausnahmefällen durch Partner des Klubs gedeckt werden. Alles schwammig.

Paris St. Germain und ManCity sind schon mal bestraft worden. 2013. Die Spitzenklubs mussten jeweils 20 Millionen Euro an die Uefa überwiesen. Damals hatte sich Fifa-Boss Giovanni Infantino massiv dafür eingesetzt, dass die beiden Marketing- und TV-Einschaltquoten-Zugpferde für die anstehende CL-Runde nicht gesperrt werden.

2017 ereignete sich dann der nächste Sündenfall. Paris St. Germain verpflichtete vom FC Barcelona Torjäger Neymar. Ablöse: 222 Millionen Euro. Dem standen keine Einnahmen in ähnlicher Größenordnung gegenüber. Der Klub-Eigentümer, der Staatsfonds von Katar, ersann einen Trick. Im Hinblick auf die WM 2024 in Katar wurde Neymar zum Markenbotschafter des Landes ernannt, die 222 Mios. wanderten als Honorar auf das Konto des brasilianischen Stars – und der kaufte sich mit den Öl-Scheinen quasi privat aus dem Barca-Vertrag raus.

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Die Uefa prüfte – und befand den Deal für korrekt. Neymar schnappt seitdem ein Grundgehalt von drei Millionen Euro - pro Woche. Das macht zwölf Mios. pro Monat, das ergibt 48 Mios. pro Jahr. Obendrauf kommen fette Prämien für Einsätze, Tore und Titel. In der vergangenen Woche hat Neymar das 1:0-Siegtor für Paris im Cup-Finale gegen die in der Liga abgeschlagene AS St-Etienne erzielt. Trainer Thomas Tuchel hat seinen Liebling ausgiebig geherzt. Wie Neymar in Paris gelandet ist, das interessiert niemanden mehr.

In jenem Jahr 2017 verpflichtete PSG zudem vom AS Monaco das Welt-Stürmertalent Kylian Mbappé. Ablöse: 145 Millionen. Nicht darstellbar nach den FFP-Regeln. Der Trick: Mbappé wurde kostenfrei für ein Jahr ausgeliehen – und die Ablöse erschien erst im folgenden Geschäftsjahr in den Büchern. Und weitere 35 Mios. wandern nach Monaco, sobald Mbappé weiterkauft oder seinen Vertrag in Paris verlängern sollte. Eine der beiden Optionen wird eintreten. Also liegt die über mehrere Jahreshaushalte aufgeteilte Ablöse bei 180 Millionen.

Als die Uefa diese beiden Deals genehmigte, da war das FFP bereits ausgehöhlt, entkernt. Jürgen Klopp fragte damals: „Ist das Financial Fairplay eine Regel, oder nur ein netter Vorschlag?“ Letzteres. ManCity hat 2017 in vier Zugänge (Mendy, Bernardo Silva, Walker und Torwart Ederson) insgesamt 250 Millionen Ablöse investiert. City gab entsprechende Marketingeinnahmen an. Vermutet wird, dass die Scheichs aus Abu Dhabi gemogelt und einfach nur immer mehr Kohle in den Klub geschossen haben. Der CAS „verdonnerte“ City jetzt zu einer „Strafe“ von zehn Millionen.

Das FFP ist eine Farce. Löschen. Neu formulieren. Eine unabhängige Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft mit der Kontrolle beauftragen. Regeln durchsetzen. Alles andere macht keinen Sinn.