Rehberg: Gegen den 1. FC Köln fehlten Mainz 05 die...

Jhon Cordoba beim Spiel von Mainz 05 gegen 1. FC Köln. Foto: Harald Kaster

Es sah lange so gut aus für den FSV Mainz 05 - aber am Ende gab es gegen den 1. FC Köln doch eine 2:3-Niederlage. Für Trainer Martin Schmidt war die Ursache schnell gefunden:...

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. Die Lehren aus diesem Negativerlebnis zog Martin Schmidt unmittelbar nach dem Spiel. Der 05-Trainer erklärte das 2:3 in der Coface Arena gegen den 1. FC Köln psychologisch. Zu viele Europapokalgedanken in den Köpfen seiner Spieler machte der Schweizer aus als Ursache für den Einbruch nach der schönen 2:0-Führung. Sagen wir es so: Das Ergebnis entsprang einer Mischung aus psychologischen Störfaktoren, individuellen Aussetzern und der Tatsache, dass die Mannschaft in diesen Regionen der Tabelle nun mal noch in einem Entwicklungsprozess steckt.

Die Leistung der Mainzer nahm sich an diesem Sonntagabend etwas paradox aus. In günstige Bahnen lenkten die 05-Profis das Geschehen mit Elementen, die nicht unbedingt fest verankert sind ihrem Fähigkeitenkatalog. Das waren: 50 Minuten lang eine gute Spielkontrolle über ordentlichen Ballbesitzfußball plus zwei Tore nach Standardbällen. Hätte am Ende das Ergebnis gepasst, dann hätte man geurteilt: So macht man das gegen einen defensivstarken, konterstarken, die gesamte Saison über auswärtsstarken Gegner. Die Kölner traten defensiv an in einer 5-4-1-Formation, also mit einer tief stehenden Fünferabwehrreihe mit drei baumlangen Innenverteidigern im Zentrum und einer davor sehr eng verschiebenden Viererkette. Gegen ein solches Bollwerk kann man sich einen Wolf spielen, immer mehr ins Risiko gehen und irgendwann ein Kontergegentor einfangen. Das ist den Hausherren nicht passiert.

Kurz nach Wiederanpfiff das 2:0

Die 05er passten geduldig, sie griffen mit aggressiven Gegenpressingmaßnahmen die offensiven Umschaltversuche des Gegners früh ab, die eigenen Abschlussaktionen waren zahlreich genug, um die Pausenführung zu rechtfertigen. Das 1:0 durch Jhon Cordoba ereignete sich nach einem Eckball. Das braucht man mal gegen einen derart massiv verteidigenden Gegner. Yunus Malli hätte schon kurz vor dem Pausenpfiff frei vor dem Kölner Kasten das 2:0 erzielen können. Das fiel dann kurz nach Wiederanpfiff, als Leon Balogun einen seitlichen Freistoß mit der Rübe ins Netz rammte. Alles gut.

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Jetzt lautete der Auftrag, die Seele des eigenen Spiels, genau die inhaltlichen Stärken, die dieser Mannschaft eine unverwechselbare Identität gegeben und durch diese Erfolgssaison getragen haben, auf den Platz zu brennen: Viel zu laufen, schnell zu laufen, oft schnell zu laufen, gut organisiert und eng zu verteidigen, aggressiv Bälle zu erobern und überfallartig Konterzüge zu fahren. Und genau diese Anschlussleistung mobilisierte die Schmidt-Elf an diesem Abend nicht. Das schuf die Grundlage für die Wende im Spiel.

Wende beginnt mit Personal- und Systemwechseln

Das begann mit Personal- und Systemwechseln. Schmidt musste den angeschlagenen Danny Latza rausnehmen. Der eingewechselte Fabian Frei wirkte im Mittelfeldzentrum uninspiriert, orientierungslos. Der Kölner Coach Peter Stöger wechselte mit Milos Jojic und Yuya Osako zwei Offensivspieler ein, er löste seine Fünferabwehr auf und stellte um auf ein deutlich offensiver ausgerichtetes 4-2-3-1. Die Mainzer führten keine wilden Zweikämpfe, sie übten sich in der Zonendeckung, sie gewannen kaum Zweikämpfe, sie zogen überhaupt kein Tempo auf. Der Ex-05er Marcel Risse markierte mit einem Traumschuss den Anschlusstreffer. Und von dieser Minute an war erkennbar, dass die Gastgeber emotional beeindruckt waren.

Die 05er kamen aus ihrem Ballbesitztrott nicht mehr raus, sie waren nicht mehr aktiv, sie reagierten nur noch – und hinzu gesellten sich Verlustängste ob der nur noch knappen Führung. Der FC spürte den Aufwind und spielte, angetrieben von 4.000 Fans, munter weiter nach vorne. Die Wende nahm ihren Lauf. Dass dann mit Stefan Bell der zuletzt überragende Innenverteidiger bei den Toren zum 2:2 und 2:3 gleich zweimal nicht aufmerksam, nicht wach, nicht kompromisslos genug war, kam als individuelle Unpässlichkeit noch oben drauf.

Die Lehre aus dieser Verlustpartie lässt sich leicht formulieren. Gleich, welcher Matchplan ausgegeben ist, gleich, ob die 05er eher mal über Ballbesitz kommen oder über den bewährten Umschaltfußball, die grundlegenden Stärken müssen immer am Start sein: Und das sind Kilometer fressen, konzentrierte und taktisch disziplinierte Defensivarbeit in der letzten Reihe, Balljagd, enge Abstände und giftige Zweikämpfe im Mittelfeldzentrum und Sprintbestleistungen auf dem Weg nach vorne. Wie sagte Martin Schmidt nach dem ab dem 2:0 verschenkten Köln-Spiel: „Ohne das gewinnen wir kein Bundesligaspiel, wir brauchen alles.“

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"Derby gewinnen"

An diesem Tag sei die Arbeit gegen den Ball „ungenügend“ gewesen. Die Mannschaft habe das Saisonziel (48 Punkte) bereits in der Hand gehalten und wieder fallen gelassen. Der Trainer gab in diesem Sinne umgehend ein neues Ziel aus: „Derby gewinnen.“ Wenn das gelingt am kommenden Sonntag in Frankfurt, dann dürfte die Eintracht vor dem Abstieg nicht mehr zu retten sein. Und die 05er haben ihre 48 Punkte sicher – und es sind immer noch neun Zähler im Topf. Es bleibt spannend.