Rehberg: FC Bayern fehlt der Glaube ans Gelingen

Enttäuscht: die Bayern-Spieler. Foto: dpa

Chancenverhältnis: 8:3 für den FC Bayern. Aber warum hat dann Real Madrid das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League in München mit 2:1 gewonnen? Die abgebrühte...

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. Erfolgreiche Spieler gewinnen deshalb sehr oft, weil sie oft gewinnen. Topstars verschaffen sich Sicherheit, Überzeugung, eine Unverwundbarkeits-Haltung durch die Serie an bestandenen Prüfungen in unterschiedlichsten Stressmomenten. Real Madrid hat in den vergangenen beiden Jahren den Henkeltopf gewonnen. Die Bayern sind in den vergangenen vier Jahren dreimal im Halbfinale (gegen Real, gegen Barca, gegen Atletico Madrid) und zuletzt im Viertelfinale (gegen Real) gescheitert.

Der FCB stellte das bessere Team

Den Unterschied hat man den beiden überragend besetzten Mannschaften in der Allianz Arena angesehen. Der Deutsche Meister stellte das bessere Team, die Elf von Jupp Heynckes spielte genügend Torchancen heraus für einen Sieg mit zwei oder drei Toren Vorsprung. Aber ganz frei im Kopf, unbeschwert, wild entschlossen und getragen von der unbarmherzigen Überzeugung eines Seriensiegers waren die Bayern gegen Real nicht. Das führte zu den utopischen Abwehraktionen von Javier Martinez und Rafinha bei den beiden Gegentoren, das führte zu vielen schlampigen Pässen von Mats Hummels, Thiago und Martinez – und das führte zu der mangelnden Kaltblütigkeit im Torabschluss.

Die größte Stärke der Bayern, die brutale Konzentration, Gier und Effizienz vor dem gegnerischen Kasten, funktionierte diesmal nur auf Stufe zwei. Die Münchner verscherbelten gegen den selbstbewussten, aber mittelprächtig auftretenden, dennoch nur in kurzen Phasen die Ruhe verlierenden Titelverteidiger, bei dem der Welt-Torjäger Cristiano Ronaldo überhaupt nicht wahrnehmbar war, ihre Möglichkeiten im Stil eines Außenseiters, der sehr viel will und sehr viel macht und auch sehr viel gut macht, der aber nicht den letzten Funken Glauben ans Gelingen am Start hat. Ein Grund dafür sind die gescheiterten CL-Versuche in den Jahren 2014, 2015, 2016 und 2017.

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Rückspiel? Alles oder nichts!

Dass nach einer guten halben Stunde mit Arjen Robben und Jerome Boateng zwei Weltklassespieler wegen Muskelverletzungen schon nicht mehr auf dem Feld standen, das war Pech. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngste CL-Geschichte des deutschen Vorzeigeklubs: In der entscheidenden Phase des Wettbewerbs haben die Gegner ihre bestmögliche Mannschaft gesund am Start - die Bayern schon seit vier Jahren nicht mehr.

Das Rückspiel? Alles oder nichts, das muss der Ansatz des FCB sein. Sollte sich Real einen Tick zu sicher fühlen nach dem nicht sonderlich verdienten Auswärtssieg, dann kann die Nacht im Bernabeu-Stadion tatsächlich noch lang werden. Die Heynckes-Elf hat in Madrid nichts mehr zu verlieren. Diese Haltung mag die Köpfe frei räumen. Und dann könnte Robert Lewandowski zeigen, dass er sich auch in ganz großen Spielen zum Entscheider aufschwingen kann. Der Pole lebt von seinem Talent, von seinem brillanten Können. Ein feuriger Kämpfer und Unterschieds-Spieler ist der Bayern-Torjäger in engen Druckspielen nur manchmal. An diesem unglücklichen Abend in München mal wieder nicht.

Der Endspielgegner sollte der FC Liverpool sein. Selten ist eine italienische Mannschaft derart überrannt worden wie die AS Rom beim 2:5 an der Anfield Road. Ein 3:0 für die Römer im Rückspiel ist nicht wahrscheinlich. Dem Team von Jürgen Klopp werden sich Konterräume bieten. Der ägyptische Flitzer Mo Salah in seinem aktuellen Weltklasseflow nutzt nahezu jede Chance. Die Römer können womöglich drei Tore schießen. Das eigentliche Problem besteht aber darin, den Umschaltriesen FC Liverpool mit den „drei Amigos“ Salah, Firmino und Mané auf null zu halten.