Rehberg: Experten, Ideen und ein Ziel - den Arbeitssieg gegen...

Bundestrainer Joachim Löw (r.) spricht beim Training in Sotchi mit Torwart Manuel Neuer. Foto: dpa

Fußball-Experten gibt es viele - doch sollte Jogi Löw vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden auf diese hören? Oder soll alles so bleiben, wie es gegen...

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. Eigentlich kann gegen Schweden gar nichts schief gehen. Jogi Löw bekommt aus externen Expertenkreisen derart viele gute Tipps, da wird der Schlüssel für den notwendigen Sieg im zweiten Gruppenspiel schon zu finden sein. Sollte sich der deutsche Bundestrainer vor der Samstag-Partie noch nicht ganz sicher sein, dann könnte er in das schöne Sotschi-Quartier noch flugs einen Experten-Stammtisch einfliegen lassen.

63 Teilnehmer für 63 Programmpunkte. Stefan Kuntz, Holger Stanislawski, Olli Kahn, Christopher Kramer, Waldi Hartmann, Berti Vogts, Stefan Effenberg, Olaf Thon, um nur einige potente Persönlichkeiten zu nennen; und weil ohne Bayern in nationaldeutschen Fragen ja gar nichts mehr geht, müssten für die Masterplan-Diskussion auch noch drei Holzstühle frei bleiben für Edmund Stoiber, Markus Söder und Horst Seehofer. Die Kanzlerin? Die ist raus. Statt Angie werden noch 2000 ausgewählte Wutbürger aus den Sozialen Medien per Video zugeschaltet. Dann wird eine Nacht wild gerungen um die beste Lösung. Und beim Frühstück am Morgen des Spieltags würde Bundes-Jogi verkünden: Wir konnten uns nicht einigen, es bleibt alles, wie es gegen Mexiko war – wir machen gegen die Schweden einfach nur alles besser.

Und das wäre nicht einmal die schlechteste Idee. Wir dürfen davon ausgehen, dass Schweden die DFB-Elf nicht überraschen wird mit einem ganz ungewöhnlichen Plan. Der Gegner wird mit höchster Disziplin in einem 4-4-2 eng geschlossen, tief gestaffelt und unbequem aggressiv verteidigen und ohne klassischen Konterstürmer auf Konter lauern. Die Löw-Elf steht zwar massiv unter Druck. Aber eine Heldenaufgabe muss man daraus nicht machen. Jonas Hector wird als Linksverteidiger den glücklosen Marvin Plattenhardt ersetzen. Sami Khedira und Joshua Kimmich müssten erinnert werden an eine angemessene Positionsdisziplin im Defensivverhalten. Und Mesut Özil müsste daran erinnert werden, dass Fußball phasenweise auch etwas mit Beschleunigung und Tempo zu tun hat. Und dann müssten die insgesamt biederen Schweden doch zu schlagen sein.

Reus oder Draxler?

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Worüber man diskutieren kann, das ist der Einsatz von Marco Reus. Der Dortmunder hat ein Gefühl dafür, sich Richtung gegnerischen Strafraum in die tiefen Räume zu schleichen und torgefährlich zu werden. Eine Qualität, die bei dem talentierten Julian Draxler zu selten zum Vorschein kommt. Reus aber nun gleich zum Retter, zum Glücksjoker zu machen, das wäre Unfug. Auch bei dem kleinen Techniker mit dem dünnen Stimmchen („Ich hoffe, dass ich spielen darf und der Mannschaft helfen kann…“) fehlen noch aussagekräftige Belege, dass er im DFB-Team sein bestes Niveau entfalten kann. Ein Torschuss gegen Mexiko macht aus einem Stürmer noch keinen Hoffnungsträger, schon gar keinen Entscheider.

Worauf es bei den Deutschen ankommt, das ist die Rückkehr zu einem Gemeinschaftsgeist, der jedes kleine taktische Detail miteinschließt. Jeder ist für alles verantwortlich. Für Gegenpressing, für das Zustellen der rückwärtigen Räume, für gegenseitiges Absichern, für den Ballbesitz, für Umschaltmomente. Wen auch immer Löw aufstellen mag, es mangelt in diesen Bereichen nicht am Können. Es mangelte gegen Mexiko an der gemeinsamen Idee - und an Laufbereitschaft, an Leidenschaft, an Verantwortungsgefühl. Eine Woche Pause für die Aufarbeitung sollte für einen Umschwung im Denken und Fühlen ausreichen. Und mehr als einen Arbeitssieg verlangt in dieser Situation auch niemand. Außer vielleicht der Experten-Stammtisch und die Wutbürger aus den Sozialen Medien.