Rehberg: Europa - Alles vorbei, aus der Traum

Frust nach dem Aus: Loris Karius (links) und Johannes Geis. Foto: RSCP/René Vigneron

Aus der Traum von Europa. Der neue 05-Coach Kasper Hjulmand hat den schlechtesten Einstand erwischt, den man sich nur denken kann. Das Europa-Abenteuer ist nach nur zwei Spielen...

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. Der neue 05-Coach Kasper Hjulmand hat den schlechtesten Einstand erwischt, den man sich nur denken kann. Das Europa-Abenteuer, der Lohn für die gute Arbeit einer kompletten Saison, ist nach nur zwei Spielen gegen einen überschaubar gefährlichen Gegner aus Griechenland schon beendet. Alles vorbei. Aus der Traum. Raus in der 3. Qualifikationsrunde zur Europa League. 1:0 und 1:3 gegen: Asteras Tripolis.

Man kann dem neuen Trainer aus Dänemark nicht anlasten, dass er bislang keinen tragfähigen Ersatz für die torgefährlichen Außenstürmer-Abgänge Maxim Choupo-Moting und Nicolai Müller aufbieten kann. Hjulmand ist auch nicht anzulasten, dass die 05er am Donnerstagabend in Tripoli kein Glück hatten: Dem 1:2 ging ein vom Schiedsrichter übersehenes Handspiel voraus, zudem traf Johannes Geis beim Stand von 1:1 mit einem Freistoß nur die Latte, und Shinji Okazaki traf beim Stand von 1:2 mit einem Heber nur den Pfosten. Man kann darüber hinaus positiv erwähnen, dass die Mainzer auf einem schwierig bespielbaren tiefen Rasen in der ersten Halbzeit das wie aus dem Nichts gefallene Glückstor zum 0:1 mental stabil weggesteckt und egalisiert haben.

Sie hatten eine ordentliche Struktur

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Da war in der ersten Hälfte ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar. Die 05er standen defensiv gut, sie malochten, sie gewannen im kompakt gehaltenen Mittelfeld Zweikämpfe, sie hatten eine ordentliche Struktur im eigenen Ballbesitz. Daniel Brosinski war als Rechtsverteidiger ein Gewinn mit seiner Dynamik, Ja-Cheol Koo präsentierte sich am linken Flügel in einer deutlich verbesserten Form. Mehr hoffnungsvolle Eindrücke haben die Mainzer Profis nicht mit nach Hause gebracht von ihrer Griechenlandreise. Im 05-Fanblock im kleinen Stadion von Tripoli flossen die Tränen.

Die Vorstellung nach der Pause lieferte Stoff für eine ultralange Mängelliste. Da war die Spielkontrolle bis zur 65. Minute, in der die 05er technisch haushoch überlegen blieben - aber die Mannschaft strahlte überhaupt keine Torgefahr aus. Ballbesitz ohne Tempo und Zielstrebigkeit, das führt eine Mainzer Mannschaft von jeher an den Abgrund. Und die Hjulmand-Elf stürzte tatsächlich noch ab. Weil die Griechen aggressiver wurden, giftiger, willensstärker. Und weil die passiv gewordenen 05er nicht nur zunehmend im Mittelfeld Zweikämpfe verloren, sondern in der letzten Reihe auch noch utopisch schlecht verteidigten.

Da stimmte in der hinteren Raumorganisation nichts mehr

Insbesondere, nachdem der Trainer mit der Einwechslung des international gestählten Chilenen Gonzalo Jara auf eine Abwehrreihe mit drei Innenverteidigern umgestellt hatte. Da stimmte in der hinteren Raumorganisation nichts mehr. Der eingewechselte Junior Diaz, der im Ballbesitz linker Mittelfeldspieler sein sollte und gegen den Ball linker Verteidiger, verlor völlig den Überblick - diese Seite war eine Ballverlustbahn und in der eigenen Hälfte sperrangelweit offen. Die Abstände zwischen den Gliedern in der Deckungsreihe waren riesig, die Abstände zu den Gegenspielern waren eine Einladung. Das nutzten die spielerisch limitierten Griechen zu ihren wenigen, aber entscheidenden Konterzügen.

Wie die 05er zudem in einer unabgestimmten Raumdeckung Standardbälle verteidigten, das war zuweilen abenteuerlich. Und dass Torhüter Loris Karius beim 1:3 gegen den in einer gar nicht günstigen Körperstellung postierten Pablo Mazza derart ungestüm aus seinem Kasten rannte, das war der letzte Meilenstein auf dem Weg ins Desaster.

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Staikos Vergetis gewann auch das Einwechselpokerspiel. Der Asteras-Coach brachte Khalifa Sankaré, er stellte den 1,90 Meter langen Innenverteidiger in den Sturm, der Hüne lieferte mit seiner Kopfballverlängerung die Vorlage zum 3:1. Nun hätten die 05er noch ein Tor gebraucht, aber Hjulmand konnte offensiv nicht mehr nachlegen, er hatte schon dreimal (defensiv) gewechselt. Und Jokerturm Sankaré stand jetzt im eigenen Strafraum und köpfte souverän die Bälle aus der Gefahrenzone.

Defensivorganisation muss verbessert werden

Gegen diesen Gegner hätten die 05er nicht ausscheiden müssen, man sollte besser sagen: nicht ausscheiden dürfen. Das Hjulmand-Team muss die Defensivorganisation fundamental verbessern - diese Standard- und Konteranfälligkeit wird in der Bundesliga noch übler bestraft. Und in der Offensive bedarf es dringend Verstärkung auf beiden Außenpositionen. Da muss sich Filip Djuricic zügig entwickeln. Und es braucht noch einen weiteren neuen (torgefährlichen) Mann.