Rehberg: Ein klassisches Schwellenspiel gegen Freiburg

Shinji Okazaki und Tony Jantschke beim Zweikampf. Foto: dpa

Die Mainzer stecken mit ihren 15 Zählern tabellarisch in einem Mittelblock. Der SC Freiburg hat sein Konto mit den beiden jüngsten Siegen ohne Gegentor aufgestockt auf elf...

Anzeige

. Thomas Tuchel durfte man in seinen fünf Jahren am Bruchweg vor einem Bundesligaspiel niemals mit einer bedeutungsschwangeren Tabellenkonstellation kommen. Dann raste und tobte der Trainer, der ausschließlich fußballerische Inhalte auf seinem Themenzettel hatte. Oder er tat so, als kapituliere er mit nachsichtiger Gelassenheit vor dem journalistischen Stumpfsinn. Kasper Hjulmand sagt vor dem Heimspiel der 05er gegen den SC Freiburg am 12. Spieltag: "Das ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel für uns." Nennen wir es: ein klassisches Schwellenspiel.

Die Mainzer stecken mit ihren 15 Zählern tabellarisch in einem Mittelblock. Auf einer Höhe mit den punktgleichen Teams aus Augsburg, Paderborn und Köln. Der SC Freiburg hat sein Konto mit den beiden jüngsten Siegen ohne Gegentor (1:0 in Köln und 2:0 gegen Schalke 04) aufgestockt auf elf Punkte, Platz 13, aktuell die erste Stufe der Kellertreppe.

Weiterentwicklung oder Stagnation?

Da macht es für die 05er schon einen Unterschied, ob mit einem Sieg der Anschluss nach oben gelingt (die TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen haben mit ihren 17 Zählern unangenehme Auswärtsaufgaben beim FC Bayern und in Hannover vor der Brust), oder ob die Freiburger mit einem Erfolg in der Coface Arena die 05er näher an den Tabellenkeller heranziehen. Die beiden aufgezeigten Konstellationen haben jeweils einen sehr unterschiedlichen Einfluss auf die Atmosphäre in der Stadt, im Klub, auch auf die Stimmung im Kader und auf das Selbstvertrauen der Spieler. Und diese komplexe Gemengelage hat zweifellos eine Bedeutung für die letzte Phase im Jahr 2014.

Anzeige

Fußball spielt sich nun mal ab in unterschiedlichen Phasen mit speziellen atmosphärischen Strömungen. Da duellieren sich selten Mannschaften, bei denen es sich "nur" darum dreht, dem maximalen Leistungspotenzial möglichst nahe zu kommen. Die Frage lautet eher: Welche Qualität kann eine Mannschaft an diesem Tag in einer aktuell guten/mittelprächtigen/ schwierigen Lage abrufen? Auch da steht die Hjulmand-Elf gerade auf einer Schwelle: Kommt der nächste Entwicklungsschritt nebst dem passenden Ergebnis - oder stagniert der im Sommer begonnene Aufbauprozess?

Keine Saisonentscheidung, aber eine Tendenz

Die Freiburg-Partie wird da keine Saisonentscheidung herbeiführen. Aber womöglich eine Tendenz einläuten. Erfolg zieht nicht selten Erfolg nach sich, Misserfolg produziert häufig die nächste Niederlage. Den Schluss zu ziehen, man könne nun mit einer besonderen Spielweise darauf reagieren, wäre falsch. Aber diese Überlegungen können die Sinne schärfen, das kann dafür sorgen, dass die Spieler und auch die Zuschauer im Stadion ihre Antennen noch etwas weiter ausfahren im Kampf um das - die nächste Wegstrecke beeinflussende - Ergebnis.

Der Sport-Club ist dafür bekannt, läuferisch und kämpferisch niemals etwas leichtfertig liegen zu lassen. Der impulsive Trainer Christian Streich bringt Mannschaften an den Start, die emotional bis an die Zähne bewaffnet und darüber hinaus taktisch hervorragend eingestellt sind. Die Freiburger haben kein Problem damit, wenn sich der Gegner mal 20, 30 Minuten im eigenen Ballbesitz kunstvoll austobt. Dann wird gerannt, zugestellt, gepresst und auch mal massiert und tiefer verteidigt - und irgendwann wieder überfallartig gekontert. Eine Spielweise, die den im Moment nicht überragend torgefährlichen 05ern sehr viel Arbeit, Konzentration und Konsequenz, auch Geduld und Schläue abverlangen wird. Überspringen die 05-Profis die Breisgau-Hürde, dann kann das viel bedeuten für die Zeit bis am Weihnachtsbaum die Kerzen brennen.

Stürmer schießen keine Tore

Anzeige

Zwei Aspekte gilt es sportlich zu beachten beim Gegner: Die Freiburger haben ihre Defensive stabilisiert - aber die Stürmer schießen keine Tore.

Zur Abwehrarbeit. Streich hat inzwischen einen gut funktionierenden defensiven Mittelblock gebaut. In der Innenverteidigung hat sich neben dem ehemaligen Lauterer Marc Torrejon Neuzugang Stefan Mitrovic etabliert. Letzterer ist ein 24 Jahre alter Serbe, der zuletzt seine ersten drei Länderspiele absolviert hat, zwei davon gemeinsam mit 05-Stürmer Filip Djuricic. Beide waren zuvor auch gemeinsam beschäftigt bei Benfica Lissabon, da kam der 1,89 Meter große Mitrovic, der auch schon in Tschechien und in Belgien Geld verdient hat, allerdings nur in der zweiten Mannschaft (Zweite Liga) zum Einsatz. Torrejon und Mitrovic standen glänzend beim 2:0 gegen die spielerisch gefälligen, aber wenig durchschlagskräftigen Schalker. Davor räumten die lauf- und umschaltstarken Sechser Vladimir Darida (tschechischer Nationalspieler) und Nicolas Höfler (SC-Eigengewächs) ab.

Okazaki als entscheidender Vorteil?

Einen Torjäger haben die Freiburger nicht. Nicht ein einziger Stürmer hat bislang ein Tor geschossen, der technisch brillante und die weiten Wege nicht scheuende Admir Mehmedi nicht, der erfahrene Mittelstürmer Sebastian Freis nicht, der bullige Karim Guidé nicht, auch nicht das aufstrebende Offensivtalent Maximilian Philipp - und auch nicht der aus Mainz geholte Leihangreifer Dani Schahin. Letzterer hatte aber auch erst drei Einsätze. Einen Treffer stehen hat seit der Schalke-Partie zumindest der antrittsschnelle rechte Mittelfeldspieler Jonathan Schmid, der mehr der Vorlagenkönig ist. Der beste Torschütze: Der Sechser und Freistoßspezialist Vladimir Darida (drei Treffer).

Die 05er haben den im gegnerischen Strafraum gierigen Shinji Okazai. Das kann an diesem Samstag, der bestimmt sein wird von aufwendiger Lauf- und Kampfarbeit, der entscheidende Vorteil sein. Mit einer nicht unwesentlichen Einschränkung: Das Hjulmand-Team hat einen unermüdlich rackernden und lauernden Toremacher, doch der wartet noch zu häufig vergeblich auf jene Pässe und Flanken, die ihn in günstige Abschlusssituationen bringen. Da besteht bei den 05ern, die gut organisiert verteidigen, variabel aufbauen und die Flügel öffnen können, nach wie vor der größte Verbesserungsbedarf. Auf diesem Gebiet haben Daniel Brosinski, Junior Diaz, Ja-Cheol Koo, Yunus Malli oder Jairo ein erhebliches Steigerungspotenzial. Am Können ist nicht zu zweifeln. Vielleicht braucht es nur mal eine Bestätigung, eine Initialzündung. Zum Beispiel im Schwellenspiel gegen den SC Freiburg.