Rehberg: Ein ganz normaler Spieltag ist das nicht

Die Sicherheitsvorkehrungen sind bei den Bundesliga-Spielen am Wochenende erhöht. Archivfoto: dpa

Der erste Bundesligaspieltag nach den Terrorattacken von Paris und dem abgesagten Länderspiel von Hannover wird kein normaler sein, meint unser Kolumnist Reinhard Rehberg. Die...

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. Fußball, das ist Unterhaltung, Freude, Spaß, Spannung. Der erste Bundesliga-Spieltag nach den Terroranschlägen in Paris vermittelt diese Gefühle nur bedingt. Die Unbeschwertheit ist vielen Menschen, die sich zu Großveranstaltungen aufmachen, abhanden gekommen. Das erinnert an 9/11. Das war in New York, weit weg. Paris ist um die Ecke. Und spätestens seit der Absage des Länderspiels Deutschland gegen Holland in Hannover ist die Nervosität auch in unserem Land spürbar. Ein ganz normaler Spieltag ist das nicht.

Wir werden lernen, mit Gefühlen der Unsicherheit umzugehen

Die Sicherheitsvorkehrungen sind erhöht worden. Die Anhänger werden dazu aufgerufen, eine halbe Stunde früher zu den Stadien zu kommen. Der verschärften Kontrollen wegen. An manchen Orten werden Polizisten mit Maschinenpistolen zu sehen sein, es werden Sprengstoffhunde zum Einsatz kommen, Nachrichtendienste werden sich unter das Publikum mischen. Das ist kein Ausnahmezustand, aber auch nicht mehr die pure Freude. Der Ball rollt weiter. Das ist gut und richtig so. Ob sich dadurch die Terroranführer weniger bestätigt fühlen mögen, wie das die Politprominenz („Wir dürfen uns dem Terror nicht beugen…“) immer wieder betont, das ist zweitrangig. Jeder hat das Recht dazu, auf die aktuelle Bedrohungslage zu reagieren, wie es zur eigenen Einstellung passt. Das Leben geht weiter. Und wir werden lernen, mit Gefühlen der Unsicherheit umzugehen.

Die 05er laufen beim 1. FC Köln auf. Wie ticken die Trainer vor einer 52:48-Partie, die den Kölnern nur deshalb einen kleinen Vorteil bietet, weil die Geißböcke im eigenen Stadion antreten? Es geht immer um die Aufdeckung von besonderen Stärken und vermeintlichen Schwächen beim Gegner – und um die Abwägung, ob man dem eigenen Spielstil vertraut, oder ob taktische/personelle Veränderungen Gewinn bringen können im Hinblick auf die Struktur des Gegners.

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Martin Schmidt weiß, dass...

Martin Schmidt weiß, dass der FC mit den Außenverteidigern Jonas Hector und Marcel Risse sowie den Außenstürmern Leonardo Bittencourt und Yuya Osako sowie der zweiten Spitze Philipp Hosiner im Paket sehr viel Geschwindigkeit auf den Außenbahnen zu bieten hat. Schmidt weiß aber auch, dass die Kölner sich schwer tun, über eine Ballbesitzstruktur in die Tiefe zu kommen im Angriffsdrittel. Und der 05-Coach weiß, dass die Kölner mit ihrer nahezu komplett umgebauten Abwehrreihe nicht mehr ganz so gut verteidigen wie noch in der Vorsaison. Und die beiden Mittelfeldsechser Matthis Lehmann und Kevin Vogt sind extrem aggressiv, aber nicht überragend schnell auf den Füßen.

Peter Stöger weiß, dass die 05er gerne in einem engmaschigen Block verteidigen, nach Balleroberungen über ihre schnellen Offensivspieler zügig ausschwärmen, sehr direkt das gegnerische Tor ansteuern und an ihren guten Tagen eine beachtliche Effizienz im Torabschluss haben. Und der FC-Trainer weiß, dass sich die 05er bis zur Wolfsburg-Partie einige läppische Gegentore eingefangen haben nach seitlichen Flanken.

Abnutzungskampf im Mittelfeld

Zieht man daraus ein Fazit, dann lässt sich erahnen: Die 05er werden ihren gewohnten Spielstil durchziehen, die Kölner werden gezwungen sein, das Spiel zu machen - das aber werden sie tun mit einer vorsichtiger kalkulierten Bereitschaft zum Risiko. Was dazu führen kann, dass sich ein Abnutzungskampf entwickelt mit vielen Zweikämpfen in den Mittelfeldzonen. Für die 05er liegt der Schlüssel also in der Sicherheit in den defensiven Abläufen, in der Balleroberungsquote sowie in der Konsequenz und Zielstrebigkeit im offensiven Umschaltspiel.

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Was die 05er brauchen: Einen wachen und unternehmungsfreudigen Yunus Malli, der im Zentrum Räume aufspielt, der mit seinen Tempodribblings Lehmann und Vogt derart beschäftigt, dass sich nach Verlagerungen auf die Flügel dort viele Eins-gegen-Eins-Situationen ergeben. Vielleicht setzt Schmidt auf den bulligen, zwei Innenverteidiger bindenden Mittelstürmer Jhon Cordoba, dann könnten Yoshinori Muto und Pablo de Blasis an den Seitenlinien entscheidende Vorteile erzwingen.