Rehberg: Ein Blick auf die 05-Konkurrenz auf den hinteren Rängen

05-Trainer Martin Schmidt. Foto: Sascha Kopp

Das Ende der Winterpause naht. Für die Bundesligisten wird die Zeit knapp, sich das ein oder andere Talent in den Kader zu holen. Mainz 05 hält sich nach dem Abgang von Yunus...

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. Es wird noch viel passieren. Auf dem Transfermarkt. Bis zum 31. Januar 2017 werden sich einige Bundesligisten noch den ein oder anderen Spieler krallen. Doch am kommenden Wochenende ist die kurze Winterpause beendet, dann wird wieder um Punkte gekämpft. Ein Trend zeichnet sich ab: Umwälzende Qualitätsverschiebungen werden sich durch Zu- und Abgänge eher nicht ergeben. Werfen wir einen Blick auf jene Clubs, die in der Tabelle hinter den 05ern stehen.

Zwei Punkte hinter den 05ern liegt der FC Schalke 04. Dort ist jetzt der Mainzer „25-Jahre-Manager“ Christian Heidel zuständig für die Transferpolitik. S04 sieht sich in der Champions League. Eine notwendige Komplettsanierung im Sommer hat die Entwicklung zunächst einmal verzögert. Auch das Verletzungspech beutelt die Schalker wie keinen anderen Klub. Ständig fällt ein Innenverteidiger aus, sämtliche Mittelstürmer fehlen. Und der beste Mittelfeldspieler schwitzt vorerst beim Afrika-Cup.

Heidel hat auf die angespannte Lage reagiert und mit Stopper Holger Badstuber (ausgeliehen vom FC Bayern) und der Sturmspitze Guido Burgstaller (gekauft vom 1. FC Nürnberg) zwei Zugänge realisiert. Badstubers Verletzungsanfälligkeit ist bekannt. Bleibt der frühere Nationalspieler fit, dann kann er mit seinem überragenden Können und seiner Mentalität der Kopf der Schalker Abwehr werden. Burgstaller ist ein aggressiver Anläufer und Torjäger, aber er kommt aus der Zweiten Liga - und ist zunächst mal eine Wundertüte. Wie auch immer: Wenn die Schalker im Verlauf der Rückrunde an den Mainzern vorbeiziehen, dann wäre das keine Sensation. In diesem Kader steckt auch in Verletzungszeiten genügend Potenzial für eine Aufholjagd mit Ziel Europapokal.

Malli: "Ich denke, ich kann der Mannschaft helfen"

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Vier Punkte hinter den 05ern steckt der VfL Wolfsburg fest. Auch das ist ein Club, der von der individuellen Ausstattung her ganz hinten im Ranking nichts zu suchen hat. Natürlich wird der VW-Ableger die Ambitionen haben, noch weit in die obere Tabellenhälfte vorzudringen. Die Wolfsburger haben bislang in diesem Winter vier neue Spieler angeworben. Als Ersatz für den sündhaft teuer verkauften Julian Draxler? Kann man so sehen. Aber im Prinzip war der Nationalspieler in der Hinrunde ja gar kein verlässlicher Offensivfaktor. Von den Neuen kann eigentlich nur Yunus Malli als echte Verstärkung angesehen werden. Mit dem langjährigen 05-Profi hat der VfL endlich einen echten Zehner. Malli sagt: „Ich denke, ich kann der Mannschaft helfen.“ Schön.

Die restlichen Wolfsburger Winterzugänge sind relativ unbeschriebene Blätter. Der physisch starke Stürmer Victor Osimhen kommt direkt von der nigerianischen Talentschmiede „Ultimate Strikers Academy“. Der Junge, der bei der U17-WM 2016 in Chile in sieben Einsätzen für den Turniersieger Nigeria gewaltige zehn Tore geschossen hat, ist erst 18 Jahre alt. Riechedly Bazoer, ein offensiver Mittelfeldspieler von Ajax Amsterdam (51 Einsätze/sechs Tore), ist gerade mal 20 Jahre alt. Die meiste Erfahrung hat noch Paul-Georges Ntep, der für den französischen Erstligisten Stade Rennes als Flügelflitzer in 74 Spielen 18 Treffer markiert hat. Ntep ist 24 Jahre alt; er galt mal als Shootingstar, nach zwei Einsätzen in der französischen Nationalmannschaft im Jahr 2015 ist er von Didier Deschamps aber nicht mehr eingeladen worden. Erkennbar ist: In Zeiten des „Diesel-Skandals“ und nach dem Rauswurf von Manager Klaus Allofs setzt auch die fürstlich alimentierte VW-Tochter vermehrt auf Entwicklungsspieler. Weitere kurzfristige Abgänge von teuren Stammspielern (Luiz Gustavo, Ricardo Rodriguez) sind nicht ausgeschlossen.

Gladbach hat Potenzial für Europapokalränge

Ebenfalls vier Punkte hinter den 05ern hängt Borussia Mönchengladbach ab. Dort soll der in Wolfsburg entlassene Trainer Dieter Hecking die Mannschaft noch in die Nähe der Europapokalränge führen. Natürlich hat diese Mannschaft mehr Potenzial als die Mainzer. Beim Telekom Cup in Düsseldorf war das aber noch gar nicht erkennbar. Beim 0:1 gegen die 05er fiel auch Winterzugang Timothée Kolodziejczak nicht positiv auf. Der französisch-polnische Abwehrhüne hat mit dem FC Sevilla zweimal die Europaliga gewonnen. Hecking testete den 25-Jährigen als Linksverteidiger, im Abwehrzentrum dürfte der Brocken mehr Wirkung erzielen. Auch die Gladbacher können und wollen keine Topstars kaufen. Aber hinter den 05ern muss die Hecking-Elf deshalb nicht zwangsläufig verweilen.

Ebenfalls vier Punkte Rückstand auf die Mainzer hat Werder Bremen. Die haben sich für das zentrale Mittelfeld den dänischen Nationalspieler Thomas Delaney geangelt. Der 27-Jährige vom FC Kopenhagen soll mit seiner Passsicherheit ein Spiel organisieren können. In der Vorbereitung hat sich angedeutet: Die Umstellung von der dänischen Liga auf die physisch anspruchsvollere Bundesliga vollzieht sich auch in diesem Fall nicht binnen weniger Testspiele. Ein Schock für die Bremer: Das Offensivtalent Florian Grillitsch wechselt im Sommer ablösefrei zur TSG Hoffenheim.

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HSV bastelt am Umbau des Kaders

Sieben Punkte hinter den 05ern rangiert der Hamburger SV. Dort basteln nun der neue Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und der neue Sportdirektor Jens Todt am Umbau des unausgewogenen Kaders. Der schlampige Innenverteidiger Cleber wurde zum FC Santos geschickt, der sozial nur bedingt kompatible Kollege Emir Spahic (36) wurde freigestellt. Vom 1. FC Köln ist Stopper Mergim Mavraj gekommen. 1,8 Millionen Euro Ablöse gelten heute fast schon als Taschengeld. Der in Hanau geborene Deutsch-Albaner, 29 Jahre alt, selbstbewusst und intelligent, soll die Abwehrlücken schließen. Gemeinsam mit Kyriakos Papadopoulos. Der leicht verrückte Grieche war in der Vorrunde von Bayer Leverkusen an RB Salzburg ausgeliehen. RB hat jetzt lieber konzernintern ein 18 Jahre altes französisches Abwehrtalent von Salzburg nach Leipzig verschoben. Da wurde Papadopoulos nicht mehr gebraucht. Der HSV hat sich den Dauerreservisten, der eventuell auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen soll, entschlossen gegriffen.

Der 12 Punkte von den 05ern entfernte SV Darmstadt 98 bestreitet die Restsaison mit dem neuen Trainer Torsten Frings und mit dem von den Schalkern ausgeliehenen Flügelsprinter Sidney Sam. Frings setzt auf Leidenschaft, Kampf und Konter. Problem: Sam hat in den vergangenen Monaten nur für die Schalker U23 gespielt, in der Regionalliga. Sam sagt: „Ich will der Mannschaft helfen.“ Das ist nett.