Rehberg: Drei weitere Jahre mit Schmidt - oder Trennung

Martin Schmidt. Foto: dpa

Samstag steigt das letzte Saisonspiel von Mainz 05. Das bedeutet: Ab Sonntag wird am Bruchweg analysiert, diskutiert und irgendwann eine Entscheidung getroffen. Das Thema: Will...

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. Rouven Schröder hat sich streng an seinen Ablaufplan gehalten. Sechs Spieltage vor Saisonende, nach einem 0:1 beim SC Freiburg, ist in Mainz diskutiert worden: Schafft der Klub mit Martin Schmidt den Klassenverbleib? Antwort des 05-Sportdirektors am folgenden Sonntagvormittag: Der Trainer hat unser Vertrauen bis zum letzten Spieltag – und danach setzen wir uns zusammen und analysieren die komplette Spielzeit. Am Samstag steigt das letzte Saisonspiel. Das bedeutet: Ab Sonntag wird am Bruchweg analysiert, diskutiert und irgendwann eine Entscheidung getroffen. Das Thema: Will der Klub die nächste Wegstrecke gemeinsam mit Martin Schmidt gehen?

Freiburger schauen auf sich - und auf 05

Auf der sechsten Etappe im Abstiegskampf-Endturnier dürfen die 05er befreit aufspielen. Die Kölner haben Druck, die Geißböcke wollen in die Europaliga. Dieses Ziel verfolgen auch der SC Freiburg und Werder Bremen. Die auf ihren Plätzen - mit ein paar Leuten mit Radio am Ohr - angespannt verfolgen werden, ob die Mainzer im Karnevalsduell in Köln eine seriöse Vorstellung abliefern. Wenn die Freiburger beim FC Bayern verlieren, dann zieht der FC mit einem Sieg gegen die 05er am SC vorbei. Christian Streich hat ja vor jener 1:0-Partie gegen die 05er Anfang April einen flammenden Appell gehalten für Martin Schmidt, wonach doch jeder verrückt sei, der am Mainzer Trainer zweifle. Vielleicht hat der Freiburger Prediger damals schon geahnt, dass er die Mainzer Hilfe benötigen könnte am Finaltag.

Die 05er haben den Absturz auf den Relegationsrang vermieden. Das freut nicht nur die Anhänger. Darüber ist auch Rouven Schröder glücklich. Das erste Jahr nach Christian Heidel hätte sich kaum schwieriger gestalten können für den neuen Transferchef. Jetzt ist alles gut. Die 05er werden auch nach elf Bundesliga-Spielzeiten nicht einen einzigen Tag auf einem Abstiegsplatz verbracht haben. Und der Sportdirektor muss mit seinen Kaderplanungen nicht warten, bis die Relegation ausgespielt ist.

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Trennung oder Vertragsverlängerung?

Das Köln-Ergebnis wird für die Unterredung mit Schmidt keine große Rolle spielen. Worum geht es? Der Schweizer steht noch ein Jahr unter Vertrag in Mainz. Nur in Ausnahmefällen geht ein Klub mit einem Trainer in dieser Konstellation in die nächste Saison. Schröder wird also entscheiden, ob er Martin Schmidt jetzt eine Vertragsverlängerung anbietet (in der Regel sind das dann neue zwei Jahre oben drauf) - oder eben nicht. Und wenn nicht, dann wird darüber zu sprechen sein, ob in diesem Fall das anstehende letzte Vertragsjahr überhaupt noch Sinn macht. Soll heißen: Wenn sich Schröder eine Zusammenarbeit mit Martin Schmidt für die nächsten drei Jahre nicht vorstellen kann, dann könnte es am Sonntag, Montag oder Dienstag zur sofortigen Trennung kommen. Unabhängig davon, ob der Trainer eventuell nicht schon längst von anderen Klubs angesprochen worden ist.

Schröders Bewertungsgrundlagen? Das Abschneiden in der Bundesliga mit dieser problematischen Rückrunde (bislang nur 16 Punkte) und mit der schwachen Auswärtsbilanz (zehn Niederlagen in 16 Spielen), das Abschneiden in der Europaliga und der Leistungsabfall nach dem Ausscheiden aus diesem Wettbewerb, die taktisch/spielerisch eindimensionale, extrem pragmatische Spielweise. Dazu kommt die Stagnation dieser Mannschaft insgesamt, dazu kommt auch die mangelnde Vorwärtsentwicklung im Leistungsbild vieler Spieler. Wie es um die emotionale Verbundenheit zwischen dem Trainer und den Spielern steht, das muss Rouven Schröder bewerten. Da werden Journalisten immer nur an der Oberfläche kratzen. Fragt man Bank- und Ergänzungsspieler, dann wird ein Cheftrainer nie die besten Karten haben; fragt man Führungsspieler, dann liegt es in deren Verantwortung, in der Öffentlichkeit ausgewogene Botschaften zu versenden.

2008 haben die 05er als Zweitligist in Köln mal ein Aufstiegs-Endspiel verloren. Eine Woche später hat sich Jürgen Klopp zu Borussia Dortmund verabschiedet. Damals dachten viele, jetzt bricht am Bruchweg alles zusammen. Wir wissen: Es ging weiter - und zwar gar nicht mal so schlecht. Und es geht auch diesmal weiter. Die logische nächste Folge wäre: Jürgen Klopp von Liverpool nach Barcelona, Thomas Tuchel von Dortmund nach Liverpool - und Martin Schmidt von Mainz nach Dortmund.