Rehberg: Die strukturellen Probleme des DFB-Frauenteams

Enttäuscht nach dem WM-Aus: Alexandra Popp und ihr Teamkolleginnen. Foto: dpa

Bilanz nach der WM: Wie können die deutschen Fußball-Frauen die entstandene Lücke zu den besten Teams der Welt schließen? Vor allem über mehr Engagement der...

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. Die deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist bei der Frauen-WM 2019 im Viertelfinale ausgeschieden. Das war auch deshalb schmerzlich, weil das Team von Martina Voss-Tecklenburg nun im kommenden Jahr die Teilnahme am olympischen Turnier in Tokio verpasst. Inzwischen tobt eine öffentliche Diskussion. Ist der deutsche Frauen-Fußball international abgehängt worden? Waren die Bundesligavereine in den vergangenen Jahren in der Entwicklung von Spielerinnen zu nachlässig? Hat der DFB in seiner Förderung Defizite?

Die Bundestrainerin hat all das das verneint. Voss-Tecklenburg ist der Meinung, dass ihre Mannschaft einfach noch Zeit benötigt. Zur internationalen Spitzen fehle spielerisch nicht viel. Und genügend Talente habe sie heute schon in ihrem Kader.

Es fehlte an Physis und Tempo

Das WM-Turnier in Frankreich hat aber klar aufgezeigt, dass die deutschen Frauen nicht in der Lage waren, ihre gute spielerische Qualität dominant umzusetzen. Es fehlte an der nötigen Physis, am Tempo und an durchsetzungsfähigen, antrittsschnellen, dribbelstarken Stürmerinnen. Unterm Strich kann man festhalten: Genau in diesen Bereichen hatten die USA, Holland, Schweden und Norwegen deutliche Vorteile. Diese vier Mannschaften waren darüber hinaus robuster in den Zweikämpfen.

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Das ist keine Anklage. Den deutschen Frauen war von der Bereitschaft her kein Vorwurf zu machen. Mehr als das Viertelfinale war nicht drin. Von daher bleibt die Aufgabe, Lücken zur internationalen Elite zu schließen. Das beginnt in der Bundesliga. Das Leistungsgefälle ist zu groß. Die zwei, drei deutschen Spitzenklubs haben in der Regel wenig Mühe, gegen Konkurrenten aus der unteren Tabellenhälfte sicher, oft genug hoch zu gewinnen. Da müssen die beim VfL Wolfsburg oder beim FC Bayern beschäftigten Nationalspielerinnen nur selten an ihre physischen Grenzen gehen. Nationalspielerinnen von unterlegenen Klubs sind es nicht gewohnt, oft zu gewinnen; da lässt sich schwer eine Erfolgsmentalität schulen.

Engagement der Männer-Bundesligisten nötig

Qualität in der Breite lässt sich wahrscheinlich nur erreichen über finanzkräftigere Klubs. Das wird sich in Deutschland nur entwickeln lassen über mehr Engagement der Männer-Bundesligisten im Frauenbereich. Die zwei, drei, vier Millionen Euro, die den kleineren Frauen-Erstligisten fehlen, um wirtschaftlich und sportlich zu den Wolfsburgerinnen und Münchnerinnen aufschließen zu können, sind für Großvereine kein Problem.

Bayer Leverkusen könnte seine Frauen-Abteilung stärker unterstützen. Borussia Dortmund könnte ein Frauenteam an den Start schicken. Hertha BSC könnte in der Riesenstadt Berlin Frauenfußball anbieten. RB Leipzig könnte im Osten eine zweite Kraft neben Turbine Potsdam werden. Am Geld muss das nicht scheitern. Zudem könnten die Frauen in den Großklubs von den herausragenden infrastrukturellen Bedingungen in den Bereichen Athletik, Technik, Taktik, medizinische Betreuung und auch in der Erhebung und Auswertung von Leistungsdaten stark profitieren.

Bei der Talentsuche führt der Weg über die Schulen. Auch dort muss der Frauenfußball noch präsenter werden. Schnelligkeit lässt sich in den Klubs nur bedingt schulen. Sprint- und Bewegungstalente müssen früh in den Schulen erkannt und für den Fußball begeistert werden.

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Ohne Antrittsschnelligkeit und Dribbelstärke im Sturm

Bei der WM hatte das deutsche Team nicht eine einzige Stürmerin, die über Antrittsschnelligkeit und Dribbelstärke in Eins-gegen-Eins-Situationen den entscheidenden Vorteil hätte herausholen können. Das ist ein Nachteil, sowohl bei Ballbesitz- als auch bei Umschaltangriffen. Die deutsche Elf hatte weder eine wuchtige Mittelstürmern, noch eine oder zwei flotte und gefährliche Flügelangreiferinnen. Alexandra Popp, im gegnerischen Strafraum die physisch stärkste und torgefährlichste Frau, musste im defensiven Mittelfeld aushelfen. Auch dort fehlten starke Spezialistinnen.

Das zeigt, dass es im deutschen Frauenfußball durchaus strukturelle Probleme gibt. Martina Voss-Tecklenburg weiß das. Aber an den Schaltstellen in den Klubs und beim DFB sitzen in der Regel Männer. Und das gilt auch für die großen Unternehmen, die den deutschen Frauenfußball finanziell noch stärker unterstützen müssten.