Rehberg: Die liebe Last mit dem Geld

Geld. Symbolfoto: dpa

Kaum ein Spieltag noch, nach dem nicht irgendein Klubvertreter schwadroniert, auf diese Art und Weise könne man nicht mehr weiter wursteln. Da geht es dann zunächst um den...

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. Angeblich die entscheidenden Faktoren, die für den unbefriedigenden sportlichen Ist-Zustand verantwortlich sind. Man kann die Uhr stellen nach diesen Klageliedern.

Die Mehrzahl der Bundesligaunternehmen haben ihr Profigeschäft aus dem eingetragenen Verein in Form von Wirtschaftsgesellschaften ausgegliedert. Da gibt es die FC Bayern München AG, die Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA (dieser Form vertrauen auch der FC Augsburg, Hannover 96 und Werder Bremen), es gibt die Hertha BSC KG mbH aA; schlicht als Fußball GmbH firmieren etwa Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg oder auch Borussia Mönchengladbach; die TSG Hoffenheim ist eine Spielbetriebs GmbH, Eintracht Frankfurt ist eine Fußball AG. Ein schlichter gemeinnütziger e. V. sind zum Beispiel noch der FSV Mainz 05, der SC Freiburg und der VfB Stuttgart.

Letzte Rettung: Ausgliederung

Wenn es sportlich nicht gut läuft, dann lässt sich inzwischen eine Klagesystematik erkennen. Wer schon eine Wirtschaftsgesellschaft ist, dem fehlt der - frisches Geld ins Unternehmen pumpende - strategische Partner. Wer noch ein e. V. ist, wie etwa der VfB Stuttgart, aktuell Tabellenletzter, glaubt, dass die Ausgliederung des Profibetriebs die letzte Rettung ist. Diese Diskussion hat über einige Jahre auch der HSV geführt, seit dem 7. Juli steht dort eine Fußball AG, aber die Mannschaft ist immer noch Vorletzter.

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Und unabhängig von der Vereinsstruktur oder Gesellschaftsform jammern einige Vertreter über jene Regel, die es in Deutschland verbietet, dass ein Investor mehr als 49 Prozent Anteile erwirbt an einem Fußballunternehmen. Was alleine schon deshalb ungerecht sei, weil diese 50+1-Formel bei Werksmannschaften wie jenen in Wolfsburg (Autos), Leverkusen (Pillen), Ingolstadt (Autos) und Leipzig (Brausegetränk) oder bei einer Mäzenaten-GmbH wie der in Hoffenheim (Hopp-Reichtum) verdeckt und/oder offensichtlich keine Anwendung findet.

In diesem Zusammenhang war in dieser Woche im Fachmagazin "kicker" ein Satz zu lesen von einem deutschen Geschäftsmann, der beim polnischen Erstligisten Lechia Danzig mitmischt. Zitat: "Ich bin Mitglied des Aufsichtsrats und Vertreter meines Sohnes, der mit einer Firma, an der er beteiligt ist, zu der Investorengemeinschaft gehört, die 73 Prozent der Anteile von Lechia hält." Gesagt hat das Franz-Josef Wernze, der den 1. FC Köln schon großzügig mit Spenden und Darlehen unterstützt hat und der aktuell als Mäzen und Funktionär beim aufstrebenden Regionalligisten Viktoria Köln aktiv ist. Dieses Zitat eines reichen Fußballmultifunktionärs genügt schon, dass einem ein gruseliger Schauer über den Rücken läuft. Und wenn man dann noch hört, dass ein anderer Danzig-Investor Roger Wittmann ist, der Inhaber des potentesten deutschen Spielerberatungs-Konzerns, dann wird es einem endgültig flau in der Magengegend.

Geld durch Investoren bei der Eintracht?

Dass Investoren Interessen haben, Aufsichtsratssitze und damit Mitspracherecht beanspruchen, das ist klar. Ob die Ziele und die Zeitfenster, in denen diese zu erreichen sind, mit denen der Fußballfirma übereinstimmen, wird immer wieder spannend zu beobachten sein. Da sind wir zum Beispiel beim Hamburger Investor Klaus-Michael Kühne, der es geschafft hat, mit öffentlichen Verlautbarungen und Forderungen Stimmungen zu schaffen, die man früher als "vereinsschädigendes Verhalten" eingestuft hätte.

Nun will sich die Eintracht mit mehreren Investoren, die mit Beträgen zwischen 300.000 und 500.000 Euro Minianteile an der AG erwerben dürfen, rund 20 Millionen Euro "frisches Geld" (O-Ton Heribert Bruchhagen) besorgen. Netter Gedanke. 20 Millionen für stärkere Spieler und für deren gehobeneren Gehaltsvorstellungen. Und wo kommt die Kohle her, wenn die 20 Millionen ausgegeben sind, der wirtschaftlich notwendige Sprung ins Geldparadies Champions League ausgeblieben ist und der massiv gestiegene Gehaltsetat in den Folgejahren weiter bedient werden muss? Siehe Werder Bremen. Die ihr einst stattliches Festgeldkonto nebst Riesenetat nicht mal einem Investor, sondern nationalen und internationalen Erfolgen zu verdanken hatten. Alles weg. An der Weser kickt heute ein Hinterbänkler.

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Frisches Geld ist schnell ausgegeben

Das Investorenmodell kann nachhaltig sein. Wenn man mit dem Zaster seinen Stadionrestkredit abtragen kann (FC Bayern) oder wenn man auf einen Schlag massive Altschulden los wird (Dortmund). Das schafft Freiräume im Hier und Jetzt u n d in der Zukunft. Frisches Geld als Einmalzahlung? Das ist schnell ausgegeben.

Wir wagen diese These: Wenn eines Tages alle Fußballunternehmungen diesen Investorenweg gehen, dann wird sich an den - mal mehr, mal weniger wirtschaftlich bedingten - sportlichen Leistungsunterschieden überhaupt nichts ändern. Nur das passiert: Die Fußballprofis werden noch reicher. Das sei den Spielern und ihren profitierenden Beratern gegönnt. Der Fußballfan braucht das nicht. Und ein fachlich erstklassiger Trainer sowie ein auf dem Transfermarkt klug operierender Manager auch nicht.

Der FSV Mainz 05? Der müsste für die Installierung einer Wirtschaftsgesellschaft, an der Investoren Anteile erwerben könnten, zunächst mal eine Zwei-Drittel-Mehrheit auf einer Mitgliederversammlung organisieren. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein runter. Vielleicht ist das auch gut so. Aufhalten lassen wird sich der Investoren-Run aber eher nicht. In diesem Fall ginge es für die 05-Verantwortlichen darum, zu entscheiden, ob die Gefahr besteht, mittelfristig wirtschaftlich abgehängt zu werden. Bis heute ist der Klub gut damit gefahren, sämtliche anstehenden Entscheidungen selbst in der Hand zu haben.

Okazaki auf der Liste der Scouts

Darüber hinaus gibt es keine Garantie dafür, dass ein um drei, vier, fünf Millionen aufgestocktes Personalbudget verbunden wäre mit einem Aufstieg in die nächst höhere sportliche Klasse. Das wäre dann tatsächlich schon die regelmäßige Teilnahme an der Europaliga nebst gelegentlicher Qualifikation für die Champions League. Für diesen Anspruch müsste Mainz 05 seinen Personaletat nahezu verdoppeln. Und das ist in Mainz nicht darstellbar, ohne Investor nicht und mit Investor nicht.

Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass der Klub einen Jahreshaushalt jenseits von 60 Millionen Euro nur erreichen kann mit nennenswertem Überschüssen bei den Transferaktivitäten. Das beinhaltet aber immer wieder den Verkauf von Leistungsträgern und damit kurzzeitiger Qualitätsverlust. Im Moment drücken sich in der Coface Arena Scouts und Agenten aus England die Klinke in die Hand. Beobachtet wird: Shinji Okazaki. Der 05-Torjäger mag aktuell einen Marktwert von mehr als zehn Millionen Euro haben. Schönes Geld. Einen neuen und vor allem verlässlichen Bundesliga-Toremacher zu finden, wird im Falle eines Verkaufs des Japaners dennoch ein Kraftakt. Erstens gibt es nicht viele Torjäger, zweitens sind diese Leute teuer - in der Ablöse u n d im Gehalt.

Der Mainzer Weg: Investieren in die Breite

Nehmen wir an, die Frankfurter Eintracht besorgt sich diese 20 Millionen "frech money". Dann kostet ein neuer Spitzenspieler vielleicht acht Millionen Ablöse, ein 4-Jahres-Vertrag mit garantierten drei Millionen Gehalt pro Jahr schraubt das Gesamtpaket auf 20 Millionen - und die Kohle wäre schon aufgebraucht. Selbst wenn wir unterstellen, die Eintracht würde sich mit zwei überdurchschnittlichen Spielern verstärken auf der Grundlage der frischen Investorenscheine, dann muss das immer noch nicht in die Champions League führen.

Nachhaltiger ist es, in die qualitative Breite eines Kaders zu investieren. Das ist der Weg in Mainz. Und der ist in diesem Moment nicht zwangsläufig abhängig von drei, vier fünf Millionen mehr im Personalbudget. Sondern von der Qualität der Arbeit auf dem Transfermarkt und auf dem Trainingsplatz. Diese Komponenten haben sie an Standorten wie in Hamburg, Stuttgart oder Bremen womöglich vernachlässigt. Und dann helfen auch keine Investoren.