Rehberg: „Die Frage ist, ob der junge Mann im Kopf klar bleibt“

Leroy Sané beim Jubel. Foto: dpa

Der erst 23-jährige Leroy Sané wird als Toptalent mit einem Jahresverdienst in Millionenhöhe gehandelt. Kolumnist Reinhard Rehberg über den Druck im Spitzenfußball.

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. Leroy Aziz Sané ist ein phantastischer Fußballspieler. Und der 23-Jährige hat den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit noch vor sich. In der Torproduktion ist der junge Stürmer noch weit entfernt von den Topdaten der globalen Überflieger Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Wahrscheinlich wird Sané nie ein Toremacher in dieser Größenordnung werden. Der Dribbler treibt sich mehr am Flügel herum, er reißt die Zuschauer aus den Stadionsitzen mit Spielfreude, schnellen Wendungen, Trickserien, Vorlagen und ausgewählten Zaubertoren.

Mit zunehmender physischer Stabilität und Erfahrung ist dem Premiumtalent sicher zuzutrauen, dass er irgendwann auch mal 20 Saisontore und mehr markiert. Doch im Kern wird Sané ein Angreifer bleiben für die Show. Das ist nicht negativ gemeint. Ganz im Gegenteil. Wegen dieser Ballartisten strömen die Leute in die Arenen.

Wahrscheinlich wird Sané Manchester City in den nächsten Wochen verlassen

Die Frage ist, ob der junge Mann im Kopf klar bleibt. Wir dürfen davon ausgehen, dass Sané in den nächsten zwei, drei Wochen Manchester City verlassen wird. Dort wurde er bislang als ein Toptalent geführt, das in der taktischen Disziplin noch große Defizite ausweist. Zumindest in den Augen seines Trainers Pep Guardiola. Der nahezu verrückt wird, wenn sich ein Spieler nur bedingt am Pressing beteiligt - und wenn sich ein Freidenker und Solokünstler nur bedingt in den für ihn vorgesehenen Planquadraten aufhält. Deshalb hat sich der Welttrainer die Freiheit erlaubt, den deutschen Nationalspieler öfter auf die Bank zu setzen.

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Wenn Sané demnächst beim FC Bayern aufschlägt, dann wird er dort empfangen und vorgestellt als Megastar - mit unermesslichem Marketingpotenzial. 100 bis 120 Millionen Euro Ablöse, 15 bis 20 Millionen Jahresgehalt. Diese Zahlen erlauben keinen anderen Status und keine andere Phantasie. Ein 23-Jähriger wird auf ein Podest gehoben, wie es seit Franz Beckenbauer kein anderer deutscher Profi mehr erlebt hat. Und der „Kaiser“ kickte noch in einer wesentlich harmloseren Geschäfts- und Medienwelt.

Beide Eltern von Leroy Sané waren ebenfalls Leistungssportler

Ist Sané diesem Druck gewachsen? Hat der junge Multimillionär die Persönlichkeit, vor diesem Hintergrund sein sportliches Können dauerhaft auf einem sehr hohen Level zu mobilisieren? Sané hat eine gute Erziehung genossen, das sagt zum Beispiel Norbert Elgert, sein einstiger U19-Trainer bei Schalke 04. Vater Suleymane Sané war selbst Bundesligaprofi und senegalesischer Nationalspieler. Mutter Regina Weber war eine Weltklasseathletin in der Rhythmischen Sportgymnastik. Die Eltern kennen den Leistungssport und das Geschäft. Die drei Söhne, alle spielen ambitioniert Fußball, sind behütet und im Rahmen von erzieherischen Werten aufgewachsen. Das hilft. Wie sich Leroy Sané aktuell verhält, sehr defensiv, fast nicht existent in den Medien, auch nicht in den sozialen Medien, das deutet darauf hin, dass der Profi gut geführt wird.

Die Dimensionen dieses Transfers sind natürlich riesig. Nur noch ein Beispiel. ManCity und auch Pep Guardiola stehen unter Vertrag beim wieder prosperierenden Sportartikelhersteller Puma. Dessen Konkurrent adidas, ebenfalls angesiedelt in Herzogenaurach, ist Anteilseigner beim Fußballunternehmen FC Bayern. Man kann sich vorstellen, dass Puma, das sehr, sehr viel Geld dafür bezahlt hat, den Weltmarktführer Nike bei ManCity auszustechen, nicht sonderlich begeistert ist, einen werbeträchtigen Jungstar an den deutschen Hauptkonkurrenten zu verlieren. Da wird verhandelt und geschachert auf vielen Ebenen. Ein hoch sensibler Transfer. Was das mit der Psyche, mit der Motivation, mit dem Selbstverständnis eines jungen Mannes macht, der noch am Anfang seiner Entwicklung steht, das wissen wir erst in ein paar Jahren.