Rehberg: Die Borussia wirkt verletzlich

Ousmane Dembele (l) und Karim Onisiwo kämpfen beim Spiel in Dortmund um den Ball. Archivfoto: dpa

Am kommenden Sonntag schlagen die Dortmunder in der Opel Arena auf. Neun Punkte trennen den 1. FSV Mainz 05 und die Borussia in der Tabelle. Doch die Dortmunder wirken...

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. Der bis heute letzte Sieg gegen Borussia Dortmund glückte den 05ern am 20. September 2014 in der heimischen Arena. Shinji Okazaki gelang nach 66 Minuten auf Vorlage des eingewechselten Jairo das 1:0. Vier Minuten später verschoss Ciro Immbolie einen Foulelfmeter. Weitere vier Minuten später profitierten die 05er beim Treffer zum 2:0 von einem Eigentor des jungen Matthias Ginter. Die Trainer hießen Kasper Hjulmand und Jürgen Klopp. Von den damals eingesetzten Mainzer Profis stecken heute nur noch Stefan Bell, Daniel Brosinski und Jairo im 05-Trikot. Das Rückrundenspiel in Dortmund ging 2:4 verloren. Danach wurde der Däne Hjulmand entlassen. Das Startsignal für Martin Schmidt.

Der Schweizer hatte es in seinen drei Duellen mit der Borussia immer mit Thomas Tuchel zu tun. 0:2 zu Hause, 0:2 in Dortmund - und 1:2 in Dortmund am zweiten Spieltag der aktuellen Saison. Schmidt wartet noch auf seinen ersten Punkt gegen den alten Bruchwegkumpel, zu dem das Verhältnis deutlich abgekühlt ist. Warum auch immer. Am kommenden Sonntag schlagen die Dortmunder in der Opel Arena auf. Neun Punkte trennen die beiden Mannschaften in der Tabelle. Aber die Borussia wirkt verletzlich.

Das 2:1 in Bremen zum Auftakt nach der Winterpause war ein erwürgter Erfolg. Werder-Keeper Jaroslav Drobny war in der 39. Minute vom Platz geflogen. In Unterzahl glichen die Bremer nach einer Stunde die Gästeführung (André Schürrle) aus. Lukasz Pisczek erzwang mit einem geschickten Heber in einem bis zum Ende wilden Schlagabtausch das Siegtor. Tuchel sprach hinterher von Instabilität, von fehlendem Tempo, von mangelhafter Verteidigungsmentalität. Mehr Geschwindigkeit, zumindest im Angriff, könnte sich in Mainz wieder ergeben. Gabun ist beim Afrika-Cup ausgeschieden. Pierre-Emerick Aubameyang, der Stürmerstar des Gastgeberlandes, steht den Dortmundern wieder zur Verfügung. Eine Riesenverstärkung. Sofern der Torjäger, der 16 Saisontreffer stehen hat, den Übergang von der Hitze in Afrika auf die Eiseskälte in Deutschland binnen weniger Tage verkraftet.

Es knirscht im schwarz-gelben Gebälk

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Es knirscht im schwarz-gelben Gebälk. Tuchel muss damit leben, dass der erhebliche Umbau seines Kaders Schwierigkeiten mit sich bringt. Die Stareinkäufe Bartra, Mario Götze und André Schürrle haben bislang nur sehr bedingt funktioniert, die vielen neuen Jungprofis benötigen Entwicklungszeit – und das erhebliche Verletzungspech kommt noch oben drauf. Der Cheftrainer reklamiert eine Übergangssaison. Der redselige Klubboss Hans-Joachim Watzke fordert unmissverständlich den erneuten Einzug in die Champions League.

Man spürt längst: So richtig warm werden der ungeduldige Programmatiker, der perfektionistisch veranlagte Fußballnerd Tuchel und die - vom Erfolg und von der innigen Beziehung zur einstigen Kultfigur Jürgen Klopp verwöhnte - Dortmunder Chefetage nicht miteinander. Die außerordentliche Fachkompetenz des Trainers überdeckt so manche Ungereimtheit im Binnenverhältnis. Und da geht es um mehr als „nur“ das gepflegte Nichtverhältnis zwischen Tuchel und dem eng mit Sportdirektor Michael Zorc zusammenarbeitenden Scoutingchef Sven Mislintat. Zu Beginn der Woche hat die Borussia für eine Ablöse von knapp zehn Millionen Euro das schwedische Stürmertalent Alexander Isak von AIK Solna verpflichtet. Davon habe er erst sehr kurzfristig erfahren, gab Tuchel am Mittwoch zu. Das sei bei einem 17 Jahre alten Perspektivspieler aber normal. Zum immer mal wieder angespannten Verhältnis zu seinen Vorgesetzten bekundete der 43-Jährige: Beide Seiten würden für ihre Positionen kämpfen, der Kennenlernprozess sei eben auch nach eineinhalb Jahren noch nicht abgeschlossen. Ein sehr eigenwilliges Statement.

Aufgefallen ist: Nach dem holprigen Sieg in Bremen erklärte Tuchel vor einer TV-Kamera, er habe sich vorgenommen, ab sofort auf alle möglichen Ereignisse und Ergebnisse mit einer positiveren Grundeinstellung reagieren zu wollen… Das war wohl eine Replik auf seinen intern sehr umstrittenen Wutausbruch nach der Hinrundenniederlage in Frankfurt. Als der Trainer seinem Team jegliche Qualität abgesprochen hatte.

Auf die 05er kommt Schwerarbeit zu

Dass auf die 05er am Sonntag Schwerarbeit zukommt, das ist klar. Eine Temposturmreihe mit Marco Reus, Aubameyang sowie André Schürrle oder Ousmane Dembelé muss erst mal verteidigt werden. Dahinter machen auf den Halbpositionen Gonzalo Castro und Shinji Kagawa oder Raphael Guerreiro Druck. Dort könnte auch Mario Götze zum Einsatz kommen. Doch der umstrittene Weltmeister müsste dann in dieser extrem offensiv ausgerichteten 4-1-2-3-Grundordnung sein Defensivverhalten extrem verbessern. Im Abwehrverbund hat Tuchel dem vom FC Barcelona geholten Batra das Vertrauen entzogen. Die Innenverteidigung bilden jetzt der Grieche Sokratis und der deutsche Ersatzweltmeister Ginter.

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Erstaunlich war, dass die leidenschaftlich kämpfenden Bremer trotz Unterzahl immer wieder bespielbare Räume fanden. Da konnte der alleinige Sechser Julian Weigl nicht alle Lücken zulaufen. Mag sein, dass Tuchel gegen die Mainzer Umschaltspezialisten ein kompakteres Mittelfeldzentrum baut. Dazu mehr im Blog am Freitag.