Rehberg: Die aberwitzige Welt der Spielerberater

Der italienische Spielervermittler Mino Raiola. Foto: dpa

Was müssen Spielerberater können? Das weiß kein Mensch. Reinhard Rehberg schaut auf die Branche. Auf die aberwitzigen Entwicklungen, auf das Veräppeln der Fans im Fall...

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. Als Normalbürger bekommt man längst den Eindruck: Viele dieser merkwürdigen Figuren aus der Spielerberaterbranche haben nicht mehr alle Latten am Zaun. Es sind genau die Geschichten wie jene um Anthony Modeste, die uns das Fußballgeschäft immer suspekter machen. Da wird im Hintergrund um Millionen geschachert, der Transfer des Kölner Torjäger zieht sich wie Kaugummi, plötzlich steht der Hüne aus Frankreich wieder am Geißbockheim auf dem Übungsgelände – und die Anhänger jubeln ihm auch noch begeistert zu. Er habe nie behauptet, wechseln zu wollen, erklärte Modeste zum Vorbereitungsauftakt des FC. Das Wort zum Sonntag.

Sonderurlaub für Modeste

Kurz darauf hat Köln-Manager Jörg Schmadtke den Mittelstürmer in den Sonderurlaub geschickt. Auftrag: Der Toremacher möge doch bitte noch mal in aller Ruhe seine Karriereplanung überdenken. Da hat den als sehr seriös geltenden Schmadtke offensichtlich das Gefühl übermannt, dass man die Fans nicht länger veräppeln darf. Natürlich beinhaltete dieser Deal keine Zurück-Chance mehr. Niemals hätten die – nicht unerheblich verschuldeten - Kölner den extrem teuren Transfer mit dem Mainzer Jhon Cordoba abgewickelt, wir sprechen da von 16 bis 17 Millionen Euro Ablöse, ohne die Erwartung, dass aus China die 35 bis 36 Millionen für Modeste fließen (fünf Millionen von diesem Batzen kassiert noch die TSG Hoffenheim, die sich bei Modestes Wechsel nach Köln eine Weiterverkaufsbeteiligung gesichert hatte).

Die Begleiterscheinungen schaden dem Parallel-Universum Profifußball. Da fordern die Modeste-Berater Etienne und Patrick Mendy von den Kölnern sechs Millionen und vom aufnehmenden Klub Tianjin Quanjian noch mal drei Millionen Honorar. Nach welcher Geschäftslogik sollte ein abgebender Verein von seiner erzielten Ablösesumme den Beratern des Wechselspielers ein utopisches Honorar zahlen? Für welche Leistung? Zumal auch noch Franjo Vranjkovic, ein in Gladbeck ansässiger Rechtsanwalt und Generaldirektor der Beratungsagentur „Firsteleven ISM“, zwischen den drei Parteien herumspringt, vermittelt, sich öffentlich äußert – und am Ende auch noch saftige Rechnungen mit Mehrwertsteuer schicken wird.

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Bitte kein schlechtes Gewissen haben

Der Tag ist nicht mehr fern, da werden Eltern ihren Kindern raten: Wenn du stinkreich werden willst, dann mühe dich nicht ab mit jahrelanger Berufsausbildung - werde einfach Spielerberater in der Profifußball-Branche. Was man dort können muss? Das weiß kein Mensch. Eines ist klar: Man darf kein schlechtes Gewissen haben, unverschämte Forderungen zu stellen. Würde es eine Regelung geben, wonach ausschließlich der Wechselspieler die Dienste seiner Beraterfirma zu honorieren hätte – und das könnte sich ein Modeste mit seinem neuen China-Jahresgehalt von elf Millionen Euro netto lässig leisten – dann würde dieses überhitzte Geschäft schnell abkühlen. Noch aber lassen sich zu viele Klubs auf dieses Berater-Spiel ein.

Für eine Figur wie Mino Raiola sind selbst die genannten Beträge nur Taschengeld. Der in Sizilien geborene und in Holland aufgewachsene Italiener, der einst Jura studiert hat, der sich beim kleinen Klub HFC Haarlem ins Sportmarketing eingearbeitet hat und der sieben Sprachen beherrscht, hat kürzlich beim Transfer von Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United insgesamt 49 Millionen Euro verdient. Von den 105 Millionen Euro Ablöse an Juve kassierte Raiola 27 Millionen, ManU zahlte dem Agenten für seine Vermittlungstätigkeit 19,4 Millionen - und die 2,6 Millionen, die Pogba seinem Berater versprochen hatte für das Aushandeln eines Jahressalärs jenseits von zehn Millionen, übernahmen auch noch die Engländer.

16.000 Euro als Strafe? Goldig!

Bei diesem Mega-Deal hat Raiola nachweislich alle drei Parteien vertreten. Das ist nach den Statuten nicht erlaubt. Die Fifa brummte Raiola dafür eine fürchterliche Geldstrafe auf: 16.000 Euro. Goldig. Solche Summen zieht dieser Mann beim Frühstück aus der Hemdtasche. Wenn man bedenkt, dass der Sizilianer alleine seinen Topstar Zlatan Ibrahimovic schon sechsmal transferiert hat, dann kann man sich vorstellen, dass Raiola längst Milliarden gebunkert hat. Dieser Tage hat der Agent den 100-Millionen-Transfer des belgischen Torjägers Romelu Lukaku vom FC Everton zu ManU abgewickelt. Der Fußball ist für den 49 Jahre alten Mino Raiola eine Gelddruckmaschine.

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Irgendwann werden wir noch erfahren, ob nicht ein wenig von diesen utopischen Summen auch auf den Privatkonten von beteiligten Klub-Präsidenten und Klub-Managern landet.