Rehberg: Deutsche Nationalmannschaft stellt sich nach...

Bundestrainer Joachim Löw (r-l) spricht zu Timo Werner und Nico Schulz. Foto: dpa

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich in den jüngsten Länderspielen gut präsentiert. Ein Unentschieden gegen Weltmeister Frankreich, ein Sieg gegen Peru. Trainer und...

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. 0:0 gegen den Weltmeister Frankreich. 2:1 gegen Peru. Die Ergebnisse sind in Ordnung. Nach der verzockten WM 2018 hinterlässt die deutsche Nationalmannschaft den Eindruck, dass Trainer und Spieler sich der Verantwortung stellen, auf die bodenlos schlechte Turnierleistung in Russland mit hohem Engagement zu reagieren. Das zeigt die Spielweise der Mannschaft, das zeigen viele Äußerungen der Beteiligten.

Nicht mit jedem Länderspiel den Neustart infrage stellen

Ab sofort muss man nicht mehr jedes Länderspiel daran messen, ob da ein sogenannter Neustart gelingt oder nicht. Man kann Joachim Löw jetzt die Zeit geben, über ein paar Monate eine flexiblere, aggressivere, defensiv stabilere, schnellere und zielstrebigere und zum gegnerischen Tor hin effizientere Spielart zu installieren - und innerhalb dieses Prozesses auf den Problempositionen neue Spieler auszuprobieren. Gute Ergebnisse stützen diese notwendige Entwicklung. Löw hat den Ehrgeiz, bei der EM 2020 wieder zu den Titelfavoriten zu gehören.

Kimmich soll Rolle von Khedira übernehmen

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Greifen wir uns eine der neuen Ideen des Bundestrainers heraus: Joshua Kimmich soll künftig an der Seite von Toni Kroos als defensiver Mittelfeldspieler den zentralen Raum weniger anfällig machen für Konter. Der bisherige Rechtsverteidiger, der in der Jugend und zu Beginn seiner Profikarriere ausgebildet wurde als Sechser, soll die Rolle übernehmen, die der taktisch undiszipliniert gewordene Sami Khedira bei der WM nicht mehr mit Leben füllen konnte.

Beim FC Bayern wird Kimmich weiterhin an der rechten Seite verteidigen. In München arbeitet Trainer Niko Kovac im defensiven Mittelfeld mit technisch und strategisch besseren Fußballern. Thiago ist ein brillanter Techniker mit dem Auge für Spielentwicklungen in beide Richtungen. Javi Martinez ist ein aggressiver Balleroberer. Corentin Tolisso ist ein scharfer Zweikämpfer, ein Ankurbler - und der junge Weltmeister ist auch noch torgefährlich. Leon Goretzka stellt die Räume sehr gut zu und bringt nach Balleroberungen Tempo und Struktur ins Spiel.

Was sagt uns das? Ein international bewährter Spitzenmann ist Kimmich auf der Mittelfeldposition (noch) nicht. Ob die wenigen Länderspiele im Jahr den ehrgeizigen und führungswilligen 23-Jährigen, der nicht unbedingt Dynamit in den Füßen hat, auf das höchste Niveau bringen, ist zumindest fraglich.

Diskussion um "Nähe zu den Fans"

Wild diskutiert wurde in diesen Tagen auch noch das Thema „Nähe zu den Fans“. Da muss der DFB noch ein paar überzeugende Schritte gehen. Ein öffentliches Training pro Länderspieleinheit sollte sich organisieren lassen. Die ein oder andere Anstoßzeit, die es auch Kindern und Jugendlichen erlauben, ihre Helden live im Stadion zu sehen, sollte sich bei den TV-Anstalten durchboxen lassen. Und dazu gehört auch, dass Funktionäre, Trainer und Spieler daran arbeiten, vor den Kameras wieder inhaltlicher und authentischer aufzutreten. Nichtssagende Floskeln wie „In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht…“ oder „Unsere Balance muss besser werden…“ oder „Ich will der Mannschaft helfen…“ oder die Marketingsprache eines Oliver Bierhoff nehmen die Fußballanhänger emotional nicht mit.