Rehberg: Der Unterschied zwischen BVB und Schalke

BVB-Jubel während des Sieges gegen Werder Bremen. Foto: dpa

Borussia Dortmund ist Herbstmeister, beim FC Schalke 04 herrscht mal wieder Unruhe. Warum die Schalker in diesem Ruhrpott-Wettbewerb chancenlos sind, beschreibt unser Experte...

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. Herbstmeister. In Österreich nennt man das Wintermeister. Passt besser zur Jahreszeit. Egal. Gemeint ist: Hinrunden-Sieger. Das ist kein Titel. Aber Borussia deutet die Tabellenführung zur Weihnachtszeit als wunderbares Vorzeichen: Wenn der BVB mal Herbstmeister war, dann war er am Ende auch Deutscher Meister. So geschah das auch 2011 und 2012, als die Kohlenpott-Könige unter Jürgen Klopp die Liga dominierten. Und Lucien Favre? Der Trainer war 2006 mit dem FC Zürich Schweizer Meister – und da lag er auch nach der Hinrunde schon vorne.

Neun Zähler Vorsprung vor Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München. Das ist gut. Sehr gut sogar. Die Dortmunder haben offensichtlich sehr viel richtig gemacht nach ihren zuletzt schwächeren Jahren. Der unendlich erfahrene Michael Zorc verantwortet die Transfers und die Kaderbildung. Mit Sebastian Kehl hat der Klub einen weiteren ehemaligen BVB-Profi eingebunden, der sich in das Geschäft in Ruhe einarbeiten darf und mit seiner Nähe zu den Spielern Input gibt in die Planungssitzungen. In denen sitzt auch Matthias Sammer, der als externer Berater den Blick aus der Distanz hat. Und die Scoutingabteilung wird zusätzlich Jahr für Jahr verstärkt, personell und strukturell.

Die Linie stimmt beim BVB

Ob diese Gruppe nun jede Transferentscheidung gemeinschaftlich gefällt hat, das wissen wir nicht. Aber die große Linie stimmt. Der BVB hat auf dem Markt ein paar extrem hoch talentierte Jünglinge gepickt. Und denen hat man mit Axel Witsel und Thomas Delaney zwei erfahrene Schlachtenlenker an die Seite gestellt. Im Zentrum, dort wo der Rhythmus bestimmt wird. Dort, wo das organsiert wird, was Favres Zauberwort ist: Balance - die Abstimmung zwischen Defensive und Offensive. Witsel ist der Techniker mit der nahezu perfekten Passquote. Delaney ist der opferbereite Dauerläufer und Zweikämpfer. Dazu kommt der torgefährliche Angreifer Marco Reus, der gesund ist und in der Form seines Lebens.

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Gut möglich, dass der Schalker Boss Clemens Tönnies ein wenig neidisch ist auf die erfolgreiche Dortmunder Debattenkultur. Weswegen er dann die Idee platziert hat, seinem Manager Christian Heidel einen Kaderplaner zur Seite zu stellen. Worin der Vorwurf eingebettet ist, der sportlich Verantwortliche würde keine gute Transferpolitik betreiben. Nun könnte sich Heidel ja mit den Schalker Aufsichtsrats-Mitgliedern Olaf Thon und Huubs Stevens beraten. Thon war als Spieler Weltmeister, Stevens als Trainer Uefa-Pokalsieger. Ob die etwas altkluge Plaudertasche und der Knurrer aus Kerkrade etwas davon verstehen, wie man in den heutigen Zeiten mit - im Vergleich zu Bayern oder Dortmund mittelprächtiger - Kohle nachhaltig eine titelambitionierte Spitzenmannschaft baut, das wissen wir nicht. Jedenfalls hat der „Fleischermeister“ Tönnies mit dieser (an die Medien durchgesteckten) Diskussion auf Schalke für sehr viel Unruhe gesorgt. Das kommt zur Unzeit. Die sportliche Situation ist kritisch.

BVB ist den Schalkern wirtschaftlich haushoch überlegen

In der Vorsaison hatte S04 in der Tabelle endlich mal wieder vor dem über Jahre weit enteilten Ruhrpott-Konkurrenten gelegen. Vizemeister. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass die Dortmunder den Schalkern wirtschaftlich haushoch überlegen sind. Wenn der BVB seinen Zaster sinnvoll einsetzt und den richtigen Trainer castet, dann sind die Fronten geklärt. Hans-Joachim Watzke und Zorc haben sich herausgefordert gefühlt, analysiert, umstrukturiert - und fachlich wie wirtschaftlich zugeschlagen. Dann hat S04 keine Chance in diesem Ruhrpott-Wettbewerb. Was allerdings nichts daran ändert, dass die Schalker mit ihren Mitteln in anderen Sphären landen müssten als in der Abstiegsregion.