Rehberg: Das Phänomen Saarbrücken

Daniel Batz war der gefeierte Mann beim Saarbrücker Pokalsieg gegen Düsseldorf.  Foto: dpa

Der mühsame Kampf des 1. FC Saarbrücken um die Rückkehr in den Profifußball ist nicht zu vergleichen mit dem Millionen-Projekt Hoffenheim. Die Geschichte des...

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. Dietmar Hopp hat mit seinen Millionen einen Dorfklub in die Bundesliga gehievt und dort etabliert. Eine Faszination geht von dem Projekt TSG Hoffenheim 1899 nicht aus. Der schwerreiche Mäzen wird das wahrscheinlich nie verstehen. Wenn jetzt der 1. FC Saarbrücken im DFB-Pokal als erster Viertligist in Deutschland das Halbfinale erreicht hat, dann steht dieses Ereignis auf einer ganz anderen Sympathieebene. Man muss kein Fan des saarländischen Traditionsklubs sein, um sich emotional zu verbinden mit diesem Überraschungscoup.

Von den Saarländern hat man als Fußballfreund Bilder im Kopf. Alte Bilder, klar. Aber der Verein hat tatsächlich eine lange Geschichte. In Saarbrücken wurde mal hochklassiger Fußball gespielt. Deutscher Vizemeister 1943 und 1952. Zwei Spiele im Europapokal der Landesmeister 1955/56 gegen den AC Mailand (sensationeller 4:3 Auswärtssieg, 1:4 zu Hause). Bundesliga-Gründungsmitglied im Jahr 1963.

Unerschütterliche Fanbasis

Man erinnert sich daran, dass bei diesem Klub mal Größen wie Egon Schmitt, Wolfgang Seel, Jovan Acimovic, Werner Lorant, Felix Magath, Wolfram Wuttke, Bernd Förster, Michael Preetz oder Anthony Yeboah gespielt haben. Man erinnert sich daran, dass in Saarbrücken mal Trainer gewirkt haben wie Jupp Derwall, Otto Rehhagel, Manfred Krafft, Hans Tilkowski, Uwe Klimaschefski, Otto Luttrop, Klaus Toppmöller, Fritz Fuchs, Klaus Schlappner, Horst Ehrmantraut oder Peter Neururer.

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Man erinnert sich daran, dass die Saarländer 1984/85 als Zweitligist schon mal im Halbfinale des DFB-Pokals standen. Mit einer Offensivreihe um Horst Feilzer, Michael Blättel, Norbert Hönnscheidt und Wolfgang Seel. Der FCS unterlag damals mit 0:1 dem späteren Sensations-Pokalsieger Bayer Uerdingen (Finalcoup gegen den FC Bayern).

Diese Geschichte lebt. Auch in Verbindung mit den vielen Irrungen und Wirrungen, die der 1. FC Saarbrücken durchgemacht hat im ständigen Auf und Ab zwischen Bundesliga, Zweiter Liga, Dritter Liga, Regionalliga bis zum zwischenzeitlichen Tiefpunkt Oberliga. Mit einer nie müde werdenden Fanbasis, die es lohnenswert macht, dass die Stadt gerade unter großen finanziellen Schmerzen das alte Saarbrücker Ludwigspark-Stadion neu aufbaut.

Ein Millionenprojekt von null auf hundert

Die Saarbrücker wollen zurück in den Profifußball. Seit 2014 steckt der Verein in der Regionalliga fest. Wenn es mal zum Titel reichte, dann durfte der Meister gar nicht direkt aufsteigen. Gescheitert in Relegationsduellen. Und immer wieder ein neuer Anlauf.

Mit einem von null auf hundert in den Himmel geschossenen Millionen-Projekt wie dem im 3266-Seelen-Dorf Hoffenheim ist dieser mühsame Kampf nicht vergleichbar. In Hoffenheim hat ein Milliardär entschieden: Mein Heimatkaff soll Bundesliga und Europapokal spielen, koste es, was es wolle, das kauf ich mir. Und damit es ein wenig nach Tradition riecht, hängen wir an den Vereinsnamen noch das Gründungsjahr 1899 an.

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Sieg dank Pokalheld Batz

Aktuell ist der FCS Tabellenführer. Sechs Punkte Vorsprung. Der Meister darf aufsteigen. Die Dritte Liga ist in Sicht. Der Präsident sichert den 3-Millionen-Etat ab. Hartmut Ostermann, ein nicht unumstrittener Patriot und Monarch, verdient sein Geld mit Hotels und Senioren-Wohnheimen. Trainer Lukas Kwasniok ist 38 Jahre alt, sein Handwerk gelernt hat er im Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC. Beim Pokaltriumph in Völklingen gegen Fortuna Düsseldorf war der Viertligist dem Erstligisten in der Verlängerung physisch und mental überlegen. Den Sieg in der Elfmeter-Lotterie verdankten die Saarländer ihrem überragenden Torwart Daniel Batz.

Gut möglich, dass den 1. FC Saarbrücken und Fortuna Düsseldorf in der kommenden Saison nur noch eine Liga trennt. Wolfgang Seel wird genau hinschauen. Der im Saarland lebende einstige Nationalspieler hat für beide Traditionsklubs viele Tore geschossen.